
Mauritz Hagemann
Es dauerte eine ganze Weile, bis As December Falls auch hierzulande annähernd den Bekanntheitsgrad erreicht hatten wie in ihrer britischen Heimat. Auf der Insel zählt die Band aus Notthingham den Status als Geheimtipp schon seit geraumer Zeit überschritten. Immerhin ist das Quartett inzwischen seit mehr als zehn Jahren aktiv. Mit „Everything’s On Fire But I’m Fine“ erscheint jetzt Album Nummer Vier. Können As December Falls mit der Platte die stetig wachsende Zahl ihrer Fans weiter nach oben katapultieren?
Klare Strukturen, eingängige Melodien
„Burn It All Down“ ist jedenfalls ein klassischer Opener, der trotz der überschaubaren Länge von gut einer Minute über erstaunlich viele Redundanzen verfügt. Da hätte die Band besser sofort mit dem Titeltrack einsteigen können. „Everything’s On Fire But I’m Fine“ zeigt nämlich direkt, dass As December Falls weiterhin ein Händchen für starke und eingängige Refrains haben. Da schadet es nicht einmal, dass der Rest des Songs einigermaßen langweilig daherkommt. Dass Gitarrist Ande Hunter immer mal wieder genre-untypische Melodien auf der Leadgitarre in die Songs einbaut, kennt man ebenfalls von As December Falls. Warum auch nicht. Sie lockern den im Aufbau recht einfach gehaltenen Song merklich auf. Das gilt auch für „Therapy“, den vielleicht stärksten Songs des ersten Albumdrittels. Gefälliger Alternative Rock mit klaren Strukturen und eingängiger Gitarren- und Gesangmelodien. All das kennt man auch von vorherigen Alben der Bands. Auch der kurze Ausflug auf die etwas härtere Schiene steht dem Song wirklich gut.
As December Falls werden persönlich
Thematisch behandelt „Everything’s On Fire But I’m Fine“ immer wieder vor allem problematische zwischenmenschliche Beziehungen. Wir wollen einfach hoffen, dass Sängerin Bethany Hunter die erst kürzlich geschlossene Ehe mit Ande nicht direkt auf eine harte Probe stellt. Aber bekanntlich müssen Texte nicht immer aktuell oder selbstreferentiell sein. Dies vorausgeschickt sorgt auch ein Song wie „For The Plot“ zwar immer noch für viel Emotionalität, aber eben nicht mehr für Sorgen um die Zukunft der Band. Und auch das folgende und angenehm treibende „Fall Apart“ macht mehr als deutlich, dass As December Falls ein sehr feines Gespür für die richtige Mischung aus Eingängigkeit und Individualität haben. Die Band hat nach vier Alben offensichtlich ihre Nische gefunden, in der sie weder in zu viel Experimentierfreude versinken noch wie eine langweilige Kopie ihrer Genre-Kollegen wirken.
Balladen, die nicht voll zur Wirkung kommen
Gleichwohl ist es auch und vor allem im Single-Zeitalter eine besondere Schwierigkeit, ein Album vorzulegen, dass abwechslungsreich ist und ohne viele Leerläufe auskommt. Diese Aufgabe bewältigen As December Falls zwar weitgehend gut. Doch die Ballade „Rewrite“ kommt über erkennbare Ansätze leider nicht hinaus. Generell sind es dann doch die Songs, die mit viel Geschwindigkeit nach vorne gehen, die auf „Everything’s On Fire But I’m Fine“ überzeugen können. Dabei hätte die Stimme von Bethany Hunter schon das Potential, auch in ruhigeren Songs zu überzeugen. Vielleicht fehlt es hier schlicht noch am ausgereiften Songwriting. Immerhin sprechen wir vom dritten Album innerhalb von vier Jahren. Dass hier und da die notwendige Ruhe fürs Songwriting fehlt, ist nur verständlich.
Instagram Post
Im Gesamtkontext stört dies den positiven Eindruck aber nur sehr geringfügig. Denn auch im letzten Albumdrittel bringen As December Falls noch jede Menge PS auf die Alternative Rock-Piste. „Sometimes I Hurt My Own Feelings“ ist so ein Song, der mit viel Power und der der notwendigen Portion Herzschmerz richtig Eindruck macht. Und mit „This Isn’t Us“ zeigt die Band am Ende, dass sie durchaus das Gespür für Balladen hat. Auch wenn an dieser Stelle sicher mehr dring gewesen wäre.
Foto: Camphaus Media / Offizielles Pressebild
Fazit
As December Falls liefern auch auf Album Nummer Vier eine grundsolide Leistung ab. Songs und Sound sind zwar weitgehend vorhersehbar, aber keineswegs langweilig. Dass manche Songs besser zünden als andere, liegt da auf der Hand.

▶Tracklist 14 Songs
- 1Burn It All Down
- 2Everything’s On Fire But I’m Fine
- 3Ready Set Go
- 4Therapy
- 5For The Plot
- 6Fall Apart
- 7Rewrite
- 8Bathroom Floor
- 9Angry Cry
- 10I’m No Good Alone
- 11Grim Reaper
- 12I Can’t Relate
- 13Sometimes I Hurt My Own Feelings
- 14This Isn’t Us