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Avantasia - Here Be Dragons
ReviewPower MetalSymphonic Metal

Avantasia

Here Be Dragons

Album

VÖ 28. Februar 2025Napalm Recordscd · vinyl
Tobias Tißen/23. Februar 2025
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T

Tobias Tißen


Es war einmal… ein blutjunger, von den Göttern der Musik geküsster Barde aus den grünen Landen des Königreichs Fulda. Erst etwas mehr als 20 Sommer waren an dem talentierten Knaben vorbeigezogen, als er einen unbändigen Wunsch Wirklichkeit werden ließ, den er seit Kindheitstagen im Herzen trug: das größte aller Heavy-Metal-Epen zu erschaffen. Ein Werk von solcher Pracht, dass es die Herzen des Metal-Volkes lichterloh in Flammen setzen würde. Mit Melodien so gewaltig wie Sturmberge und mit einer Schar tapferer Recken an seiner Seite, allesamt gestählt in unzähligen Schlachten auf den größten Bühnen dieser und jeder anderen Welt. Er taufte dieses Werk auf den Namen: „The Metal Opera“. Seither hallt sein Name durch die Gesänge des Metal-Volkes und weht mit den Stürmen über die Weiten des gelobten Landes, das die Sterblichen Wacken nennen: Tobias Sammet.

So, genug mit dem Mumpitz. Zugegeben: Man kann die immer auf der Schwelle zwischen epischer Theatralik und schamlosem Kitsch tanzende Inszenierung von Tobias Sammet und seinem All-Star-Projekt Avantasia leicht lächerlich finden. Angriffsfläche bieten sie mehr als genug – Avantasia ist Musical mit Gitarren. Mit den ganz großen Gesten, den ganz großen Melodien, den ganz hohen Schreien. Vor-der-Wacken-Mainstage-Faust-in-die-Luft-schmeiß-Musik. Aber wer sich dem hingeben kann, wer daran Freude hat, wurde von Avantasia eigentlich nie wirklich enttäuscht.

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Denn man kann Tobias Sammet, dem blonden Barden aus Osthessen mit den großen Träumen, nur Respekt zollen. Nachdem er schon Ende der 1990er mit der jugendlichen Energie von Edguy die Power-Metal-Szene aufgemischt hatte, brachte seine komplett selbst geschriebene „Metal Opera“ 2001 den Bombast in die Wohnzimmer der Metal-Jünger. Seitdem entstanden sieben weitere Alben. Jedes Mal das Ziel: Die größtmöglichen Melodien, Themen, Gesten, Emotionen. Unterstützung bekam Tobias Sammet – als Bandkopf und Hauptsongschreiber einzige Konstante des Projekts – über die Jahre von einigen der Größten, die je den Acker des berühmten Kuhdorfs bei Itzehoe betreten haben. Michael Kiske, Biff Byford, Klaus Meine, Geoff Tate, Hansi Kürsch, Floor Jansen, Mille Petrozza, Alice Cooper. Und so weiter.

Mit „Here Be Dragons“ entführt Tobias Sammet uns dieses Mal ins Reich der Drachen. Und liefert genau das, was sich jeder Avantasia-Fan gewünscht hat. Und damit auch den absoluten Albtraum eines jeden trven Metalheads.

Die Reise beginnt: Willkommen in der „Creepshow“

Wie ein Sturm bricht der Opener „Creepshow“ über uns herein. Düstere Orgelklänge wabern herum, bis plötzlich ein Schrei die Dunkelheit zerreißt: „Get up! Get up! Come out!“ Rasende Drums, epische Power-Metal-Riffs, hymnische Chöre, Tobias Sammet in Hochform. „Here’s to you, welcome to the Creepshow“ – danke, Tobi. So darf es gerne weitergehen!

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… tut es aber nicht, denn leider enttäuscht der anschließende Titelsong „Here Be Dragons“. Dabei verspricht schon der Titel größtmögliche Fantasy-Theatralik: Drachen! Dazu eine Laufzeit von fast neun Minuten und Unterstützung von einem der besten Metal-Sänger aller Zeiten, Geoff Tate (Queensrÿche). Der Song will ganz klar das monumentale Herzstück des Albums sein. Und ja, die Zutaten sind gegeben: wuchtige Orchester-Arrangements, opernhafter Aufbau, erhabene Melodien. Pathos tropft aus jeder Note. Doch die Drachen wollen einfach nicht abheben. Ihr Feuer springt nie auf den Hörer über.

Avantasia grüßen den „Keeper Of The Seven Keys“

Um alle wieder wachzurütteln, die im Laufe von „Here Be Dragons“ kurz abgeschaltet haben, hat Tobias Sammet ein Ass im Ärmel: Michael Kiske! Die Teutonic-Metal-Institution von Helloween steht dem Avantasia-Mastermind bei „The Moorlands At Twilight“ zur Seite und gemeinsam lassen die beiden den Speed Metal der 1980er aufleben! Getrieben von rasanten Drums, messerscharfen Gitarren und zwei der markantesten Stimmen der deutschen Metal-Landschaft galoppiert das Stück mit einem Tempo nach vorne, das man von Avantasia 2025 so nicht erwartet hätte. Schließt man die Augen, winkt einem der „Keeper Of The Seven Keys“.

Den Kontrast dazu liefern anschließend „The Witch“ mit Tommy Karevik (Kamelot) und „Phantasmagoria“ mit Ronnie Atkins (Pretty Maids). Ersterer ist ein atmosphärischer Midtempo-Track mit einer hymnischen Hook, die so nur von Avantasia stammen kann. Karevik macht seinen Job gut, verleiht dem Song zusätzliche Dramatik. Aber auch wenn alle Trademarks vorhanden sind, wird „The Witch“ genauso wenig in die Liste der Bandklassiker eingehen wie „Phantasmagoria“. Das Stück profitiert von der (zumindest im Vergleich zu Tobias Sammet) rauen Stimme von Ronnie Atkins und transportiert eine mystische, düstere Stimmung – bleibt aber insgesamt viel zu blass, um zu begeistern oder im Ohr zu bleiben.

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„Bring On The Night“ schlägt in eine ganz ähnliche Kerbe: Eine über-theatralische Happy-Happy-Hymne mit interessanten Keyboard-Zwischenspielen und sämtlichen Avantasia-Eigenheiten. Aber auch hier wandelt das All-Star-Orchester wieder auf zu ausgetretenen Pfaden – alles hat man so und besser schon auf einem der vorherigen Alben gehört.

Dass Avantasia am spannendsten sind, wenn sie diese Pfade mal verlassen, beweist „Unleash The Kraken“. Der Power-Metal-Track ist tief im klassischen Heavy Metal verwurzelt. Konstant ballerndes Schlagzeug und virtuose Gitarren sorgen vor allem im letzten Drittel für hoch gereckte Fäuste und schwingende Köpfe.

„Against The Wind“ – das absolute Highlight von „Here Be Dragons“

Über den 08/15-Symphonic-Langweiler „Avalon“ hüllen wir an dieser Stelle mal den Mantel des Schweigens. Denn danach folgt „Against The Wind“ – und das ist nicht weniger als einer der besten Avantasia-Songs überhaupt! Von der ersten Note an schrauben sich die Gitarren voller Sehnsucht nach oben, die Drums peitschen nach vorne – und dann kommt Kenny Leckremo (H.E.A.T.) ins Spiel. Die perfekte Ergänzung zu Sammet, denn hier stimmt alles: Eingängigkeit, Power, hymnische Erhabenheit. „Against The Wind“ kann man nach dem ersten Refrain mitsummen, sorgt für reflexartig geballte Fäuste. Einer der besten Avantasia-Tracks seit Jahren – auch, weil er sich nicht verzettelt, nicht übermäßig episch sein will, sondern seine mitreißende Opulenz in noch recht knackigen 4:41 Minuten ins Ziel reitet.

Damit hätte „Here Be Dragons“ auch auf einer hohen Note enden können. Leider sind Tobias Sammet & Co. der Überzeugung, uns mit einer Schmonz-Ballade entlassen zu müssen. Der Closer dümpelt ins Ziel, Roy Khan (Ex-Kamelot) liefert die uninspiriertesten Gastvocals des Albums. Beim Lesen des Titels „Everybody’s Here Until The End“ denkt man zwangsläufig: Ja, LEIDER.

Foto: Kevin Nixon / Offizielles Pressebild

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Fazit

6/10
· Durchschnitt

„Here Be Dragons“ ist eine klassische Avantasia-Platte. Zu klassisch. Tobias Sammet bedient alle Trademarks: opulente Orchestrierung, hymnische Refrains, namhafte Gaststars (wenn auch nicht aus dem ganz oberen Regal), theatralische Inszenierung, perfekte Produktion. Leider ist das Album nur dann wirklich stark, wenn sich diese Zutaten perfekt ergänzen („Against The Wind“, „Creepshow“) oder Avantasia sich mal in fremdere Gefilde vorwagen („The Moorlands At Twilight“). Ist das nicht der Fall, versumpft „Here Be Dragons“ mit Enttäuschungen wie „Avalon“ oder „Everybody’s Here Until The End“ schnell im Mittelmaß.

Avantasia - Here Be Dragons

Avantasia

Here Be Dragons

Album

VÖ 28. Februar 2025

cd · vinyl

Napalm Records

▶Tracklist 10 Songs
  1. 1Creepshow
  2. 2Here Be Dragons
  3. 3The Moorland At Twilight
  4. 4The Witch
  5. 5Phantasmagoria
  6. 6Bring On The Night
  7. 7Unleash The Kraken
  8. 8Avalon
  9. 9Against The Wind
  10. 10Everybody’s Here Until The End
Streamen
SpotifyApple MusicYouTubeDeezerTidal
Avantasia·Power Metal·Symphonic Metal

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Avantasia

DeutschlandSeit 1999

Avantasia ist ein Symphonic Metal/Power Metal-Projekt von Edguy-Sänger Tobias Sammet. 2001 erschien das Debütalbum „The Metal Opera“. Foto: Kevin Nixon / Offizielles Pressebild

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