
Kathrin ist ein Chamäleon des alternativen Musikgeschmacks, mit einem Faible für alles, was außergewöhnlich ist. Nichts bleibt vor ihr sicher – und erst recht kein Nischengenre. Da überrascht es wohl nicht, dass sie als Allrounder das MoreCore-Team tatkräftig unterstützt. Wenn sie nicht gerade voller Inbrunst an neuen Alben- und Live-Reviews schreibt, sitzt sie entweder in einem spannenden Bandinterview, um uns auf dem neusten Stand zu halten, oder verfasst informative MoreCore-Beiträge für die Website. Möchte man das Herz unserer Münsteranerin (jetzt Kölnerin) im Sturm erobern, dann am besten mit Sci-Fi-Lektüre aus den 60ern, Star Wars - kein Star Trek! - oder Lebkuchen.
Kalaska – noch nie gehört? Dann ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt, den Jungs mal euer Gehör zu schenken. Die Newcomer aus Süddeutschland droppen am Freitag ihr erstes Album „Whoever You Are“. Wie die Band klingt und was der Erstling zu bieten hat, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.
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Liefern Kalaska die „Kalternative“, die sie versprechen?
Kalaska bezeichnen ihre Musik als „Kalternative“ zu den konservativen Genres des Rock. Sie selbst behaupten, ihr Sound lässt sich keiner Schublade zuordnen. Will man es aber dennoch versuchen, dann landen sie bereits nach den ersten Songs in dem Schubfach mit der Aufschrift: Alternative Rock.
Ihr Sound lebt von verzerrten Gitarren, treibender als auch minimalistischer Härte, ausgefallenen Ideen und kreativen Songwriting. Entlang eines eher moderaten Tempos drücken sich sowohl die harten als auch schweren Klänge behäbig durch das Album. Gewisse Indie-Vibes sind der Platte an der ein oder anderen Stelle sicherlich auch nicht abzusprechen. Dennoch: Leichtigkeit scheinen die Jungs aus Bayern nicht gerade als Motto für ihr Debüt gewählt zu haben.
Bereits mit dem ersten Song „Animals“ legt sich eine bedrückende Stimmung auf das Album, die dafür sorgt, dass man regelrecht in eine andere Welt gesogen wird. Und diese Welt, die ein Spiegelbild der Realität abbildet, zeigt auf, was in unserer Gesellschaft alles falsch läuft. Schicht für Schicht graben sie sich tiefer in die Thematiken, die unsere Gesellschaft bewegen und fördern zutage, was ihrer Meinung nach wirklich zählt: Toleranz, Akzeptanz und ein sensibler Umgang mit Mitmenschen.
Darüber hinaus trägt sicherlich auch Sänger Michael Edlers zerbrechliche Stimme zur Atmosphäre der Platte bei. Der kratzige Sound seiner Stimme wirkt mit der Zeit aber leider etwas überspitzt und die fehlende Power in den Vocals wird deshalb auf Dauer beinahe anstrengend.
Auf der anderen Seite überzeugen Songs wie „Secrets“ oder „And the Lights…“ mit Experimentierfreudigkeit und Einfallsreichtum. Auch die drei Songs „Little Girl“, „Failing Forever“ und „Selflove“, die zusammengenommen als Single-Trilogie ein gemeinsames Narrativ aufgreifen, überzeugen durch Innovation.
Als Gesamtwerk hinterlässt das Album einen nachhaltigen Eindruck. Dieser ist in erster Linie von schweren Vibes und einer wuchtigen Atmosphäre geprägt – was durchaus Spaß macht. Doch leider bleibt kein Song individuell hängen oder pflanzt einen Ohrwurm in den Gehörgang – was im Nachhinein sehr schade ist.
Auch wenn alle Voraussetzungen für ein starkes erstes Album gegeben sein sollten, wird man das Gefühl nicht los, als wäre der Luftballon nur bis zur Hälfte aufgeblasen und das Potential einfach noch nicht bis zur Gänze ausgeschöpft. „Kalternative“ ist eine coole Idee, ein ambitionierter Ansatz – aber wird „Whoever You Are“ dem wirklich gerecht?
Letztendlich ist „Whoever You Are“ ein Album, mit kreativen Ideen und starken Ansätzen, das eine Lücke füllt, die in der deutschen Alternative-Szene schon seit einiger Zeit zu klaffen scheint. Trotz modernem Sound und dem Mut zum Experimentieren hätte der Platte etwas mehr Diversität in der Umsetzung der Songs gutgetan. Dennoch liefern die Jungs ein solides Debüt, das neugierig auf das macht, was in der Zukunft noch alles folgen wird.
Foto: Marc Gaedicke / Offizielles Pressebild
Fazit
Kalaska schaffen ein solides Debüt-Album, das mit kreativen Ideen, Experimentierfreudigkeit und Innovation glänzt. Zeitgleich scheint das Potential der Songs nicht vollständig ausgeschöpft, was der Band für zukünftige Projekte eine ganze Menge Luft nach oben lässt. Dennoch liefern die Newcomer mit "Whoever You Are" eine moderne Soundlandschaft, die in der deutschen Alternative-Szene ihresgleichen sucht und Vorfreude auf die Zukunft weckt.

▶Tracklist 10 Songs
- 1Animals in the cage
- 2Little Girl
- 3When the lights come back again
- 4Failing Forever
- 5Closer
- 6New Beginning
- 7You can get what you want
- 8Secrets on my mind
- 9Selflove
- 10And the light will come again