
Mauritz Hagemann
„For Those That Wish To Exist“ war für die Architects eine Art Türöffner hin zu mehr Mainstream-Tauglichkeit und weg aus der Metalcore-Ecke, für die sie in den letzten Jahren aber ohnehin schon zu groß geworden waren. Passend dazu ging es für die Band aus Brighton dann auch im Dezember letzten Jahres in die legendären Abbey Road Studios in London, um das komplette Album live in Begleitung des The Parallax Orchestra einzuspielen.
Sicherlich keine ganz neue Idee, aber ein eindeutiges Zeichen, dass sich die Band auch selbst inzwischen nicht mehr als reine Genre-Band versteht und die Möglichkeiten, die sich aus der Weiterentwicklung ergeben, gerne wahrnimmt. Das Event wurde damals auch live gestreamt – hier könnt ihr euch auch noch einmal durchlesen, wie es uns gefallen hat.
So klingt „For Those That Wish To Exist At Abbey Road“ von Architects
Das Intro „Do You Dream of Armageddon“ kommt schon in der ursprünglichen Version geradezu episch daher; kein Wunder, dass das Orchester diese Wirkung noch einmal unterstützt. Schon hier wird klar, in welche Richtung der Sound gehen wird. Auch im Intro von „Black Lungs“ stehen die Instrumente des Orchesters erstaunlich deutlich im Vordergrund, sodass gerade die Gitarren etwas untergehen. Das nimmt dem Song ein wenig die Dynamik, zeigt aber auch, dass die Band mit dem Projekt auch ganz bewusst ein anderes Soundgewand schaffen wollte.
Apropos Sound: Der ist für eine Live-Produktion ziemlich gut und schafft es vor allem, den schmalen Grat zwischen ausbalancierter Gesamtqualität und ausreichend Live-Atmosphäre zu wahren. In Songs wie „Giving Blood“ zeigen sich dann aber die Grenzen einer Live-Performance. Zwar hat Sänger Sam Carter das Niveau seines Live-Gesangs in den letzten Jahren enorm gesteigert, doch hier wirkt es zumindest stellenweise – vor allem dann es eher gefühlvoll werden soll – doch noch etwas gequält. Das Gegenteil zeigt sich dann aber im äußerst überzeugenden „Discourse is Dead“ – hier ist es vor allem die Stimme von Carter, die den Refrain glänzen lässt.
Für „For Those That Wish To Exist“ hatte sich die Band übrigens einige prominente Gäste hinzugeholt. So gab es in „Impermanence“ ein vielbeachtetes Feature von Parkway Drive-Sänger Winston McCall. Da er aber nicht mal eben von Australien nach London eingeflogen wurde, übernimmt Sam Carter auch seinen Part auf „For Those That Wish To Exist At Abbey Road“, was ihm auch sehr gut gelingt.
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In Sachen Vielseitigkeit gibt es wohl wenige Sängerinnen und Sänger, die ihm das Wasser reichen können. Dies beweist er auch in „Little Wonder“ und „Goliath“, bei denen im Original Mike Kerr von Royal Blood bzw. Simon Neil von Biffy Clyro die Songs äußerst hörenswert machen. Dass die Gäste dieses Mal nicht dabei sind, stört tatsächlich erstaunlich wenig.
Auch wenn die Kritiken zum Album im letzten Jahr insgesamt sehr positiv ausfielen, gab es immer wieder Kritik an den – gerade für Architects-Verhältnisse – erstaunlich linearen Songstrukturen. Und so gelingt es auch dem Orchester nicht, einem Song wie „Flight Without Feathers“ den dringend benötigten Drive zu verleihen. „Animals“, einer der Highlights der Platte, kann hingegen auch im neuen Soundgewand überzeugen. Schon allein der von Sam Carter druckvoll gesungene Refrain lässt vergessen, dass er hier in den Strophen erneut an seine Grenzen gerät.
Gespannt konnte man in jedem Fall auf das epische, aber auch recht langatmige Outro namens „Dying Is Absolutely Safe“ sein. Letztlich steigt durch das Orchester zwar der Gänsehaut-Faktor ein wenig an, den Chor am Ende kann Sam Carter dann aber trotz aller schon weiter oben hervorgehobenen Qualitäten doch nicht ganz ersetzen. So bleibt der Gedanke, dass man den Song auch gut und gerne ein wenig hätte straffen können.
Und was bleibt am Ende der einstündigen Live-Performance? Zum einen der Eindruck, dass sich „For Those That Wish To Exist“ sicherlich besser als frühere Alben für eine orchestrale Begleitung eignet und dass auch für die Innovativität der Band spricht, ein solches Unterfangen anzugehen. Zum anderen wird aber auch klar, dass die Performance weder viele neue Fans akquirieren noch die alten Fans in völlige Ekstase versetzen wird. So ist „For Those That Wish To Exist At Abbey Road“ für die Band am Ende wohl bedeutsamer als für ihre Fans. Eine nette Zugabe und Überbrückung der Wartezeit zum nächsten Album ist es aber auf jeden Fall.
Foto: Ed Mason / Offizielles Pressebild von Epitaph Records
Fazit
"For Those That Wish To Exist" bot sich aufgrund seines Soundgewandes nahezu für den Live-Einsatz mit einem Orchester an. Dementsprechend bleiben die ganz großen Überraschungen auch aus. Und auch die Schwächen im Songwriting, die sich an einigen Stellen offenbaren, können naturgemäß nicht mehr ausgemerzt werden. Dennoch hat die Performance viele Stärken – insbesondere die Stimme von Sam Carter gehört eindeutig dazu. Sicher kein Must-Have, aber definitiv eine Aufwertung jeder CD-Sammlung.

▶Tracklist 15 Songs
- 1Do You Dream of Armageddon? (Abbey Road Version)
- 2Black Lungs (Abbey Road Version)
- 3Giving Blood (Abbey Road Version)
- 4Discourse Is Dead (Abbey Road Version)
- 5Dead Butterflies (Abbey Road Version)
- 6An Ordinary Extinction (Abbey Road Version)
- 7Impermanence (Abbey Road Version)
- 8Flight Without Feathers (Abbey Road Version)
- 9Little Wonder (Abbey Road Version)
- 10Animals (Abbey Road Version)
- 11Libertine (Abbey Road Version)
- 12Goliath (Abbey Road Version)
- 13Demi God (Abbey Road Version)
- 14Meteor (Abbey Road Version)
- 15Dying Is Absolutely Safe (Abbey Road Version)


