
Dana Chojetzki
Dass Lionheart aus Oakland, Kalifornien, nicht für sanfte Töne und zarte Balladen stehen, sollte spätestens seit der legendären „Welcome to the West Coast“-Trilogie jedem klar sein. Seit ihrer Gründung im Jahr 2007 haben sich die Jungs durch unermüdliches Touring und eine „No Bullshit“-Attitüde den Status einer Institution erarbeitet. Nach dem massiven Erfolg von „Welcome To The West Coast III“ und ausverkauften Hallen in ganz Europa kehren sie nun am 9. Januar 2026 via Arising Empire mit ihrem neuesten Schlag in die Magengrube zurück: „Valley of Death II“.
Lionheart liefern einen Schlagabtausch zwischen Hardcore und West-Coast-Vibe
Das Album knüpft nahtlos dort an, wo die Band zuletzt aufgehört hat, lässt aber von der ersten Sekunde an keinen Zweifel daran, dass die Schrauben noch einmal angezogen wurden. Der Opener „Bulletproof“ fungiert als perfekte Visitenkarte: „Direkt in die Fresse“, wie man es von Rob Watson und Co. gewohnt ist, garniert mit diesen unverkennbaren Hip-Hop-Vibes, messerscharfen Gitarrenriffs und einem instrumentalen Fundament, das so massiv wie eine Betonwand steht.
Das absolute Highlight der Platte folgt jedoch direkt auf dem Fuße. Für „Chewing Through The Leash“ haben sich Lionheart Matt Honeycutt von Kublai Khan TX vor das Mikro geholt. Eingeleitet durch Gewittergrollen und aggressives Hundebellen, entfaltet sich hier ein Brecher, der wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge passt. Der Breakdown wird stilecht durch einen Schusswechsel eingeleitet und zwingt einen förmlich zum Two-Step – ein absoluter Ohrwurm und Pflichtkandidat für jede Moshpit-Playlist.
Experimente im Kugelhagel
Dass die Band auch Lust auf Soundspielereien hat, beweist das bereits vorab veröffentlichte „Ice Cold“. Mit klirrendem Glas und einem plötzlichen Switch auf High-Speed-Drums zeigt sich die Band hier von ihrer experimentellen Seite, nur um am Ende mit einer jaulenden Auto-Alarmanlage und einem schleppenden Breakdown alles niederzureißen. Der Titeltrack „Valley Of Death II“ greift die Stimmung des Openers wieder auf, baut aber eine Kriegs-Atmosphäre auf, bei der die Double-Bass wie ein Maschinengewehr durch die Gehörgänge rattert.
Unerbittliche Härte ohne Atempause
Spannend wird es bei „No Peace“: Eine fast schon gesungene Ansprache zieht sich durch den Track, während Sprechgesang und das bedrohliche Hämmern gegen eine Tür für eine beklemmende, abwechslungsreiche Stimmung sorgen. Kurze, heftige Eruptionen wie „Roll Call“ oder das druckvolle „Release The Dogs“ fungieren als Hardcore-typische Adrenalinspritzen, auch wenn sie mit knapp über einer Minute Spielzeit eher als Intermezzos dienen.
Aggression als Dauerzustand
Gegen Ende des Albums schleichen sich mit „Salt The Earth“ und „In Love With The Pain“ zwar einige Passagen ein, die stilistisch sehr nah an den vorangegangenen Songs operieren und wenig neue Akzente setzen, doch die schiere Aggression hält die Aufmerksamkeit hoch. Der finale Track „Death Grip“, veredelt durch ein Feature von A Day To Remember, bringt noch einmal eine ordentliche Portion Massivität mit, endet jedoch überraschend abrupt und lässt die Hörer:in fast ein wenig verdutzt im Regen stehen.
Foto: Lionheart / Offizielles Pressebild
Fazit
Lionheart bleiben sich treu. „Valley Of Death II“ ist düsterer, härter und unerbittlicher als sein Vorgänger. Auch wenn sich einige Songstrukturen ähneln und das Rad hier nicht neu erfunden wird, liefern die Kalifornier genau das ab, was die Fans brauchen: Den perfekten Soundtrack für das nächste Workout oder den Abriss im Pit. Pünktlich zur Tour mit Madball, Gideon und Slope im Januar 2026 wird dieses Album die Hallen zum Kochen bringen.

▶Tracklist 10 Songs
- 1Bulletproof
- 2Chewing Through The Leash (feat. Kublai Khan TX)
- 3Ice Cold
- 4Valley Of Death II
- 5No Peace
- 6Roll Call
- 7Salt The Earth
- 8Release The Dogs
- 9In Love With The Pain
- 10Death Grip (feat. A Day To Remember)

