
Markus Seibel
Immerhin sind sich Century Media und die Band einer wichtigen Death Metal-Grundregel bewusst: Bau keine Scheiße mit Gaerea! Und wer sich mit dieser Band als Einfluss brüstet, muss auch liefern. Das tun die Schweden Orbit Culture zum Glück, vor allem aber auch, weil sie nicht nur stumpf den Tugenden des Bolzenwerfers folgen. Sie folgen dem auf dem Vorgänger „Descent“ eingeschlagenen Weg und vermischen vielmehr die offensichtlichen Einflüsse mit denen der Granden des portugiesische Post-Black-Metal (Gaerea) und flechten dem grundsätzlichen Walzen dazu ein paar hübsche Melodien bei – was sich mit dem leicht stockholmisierten Sound wirklich gut macht (obwohl die Band eigentlich aus dem für andere Fahrwasser bekannten Göteborg kommt).
Ordbit Culture widmen sich ganz klar dem Depressive Death Metal
Durchwirkt von sphärischen, eingängigen Gitarren und weit einladenden Song-Strukturen steht „Death Above Life“ einerseits in guter, moderner Death Metal-Tradition, andererseits sprechen die harschen, expressiven Songs von existenziellen Schatten, von Einsamkeit in der Großstadt und der Verlorenheit des Individuums. Grundlegende Metalcore-Inhalte, überführt in ein dystopisches Korsett und über die Ziellinie geführt von Niklas Karlsson facettenreichen Growls zwischen Keifen und selbstvergessener Melodie.
Aber nicht durchgängig schwelgt man hinab in ebendiese ruhigen Welten. In einigen Momenten wirbeln treibende Gitarren und Modern Metal-typische, krächzende Screams das Geschehen auf. Die insgesamt zehn Tracks auf „Death Above Life“ nehmen einen vollständig ein. Da die Songs gängige Minutenmarken teilweise weit überschreiten, bleibt genügend Zeit, um die Stimmung wirklich in die letzten Ecken der Gehirnfalten eindringen zu lassen.
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„Death Above Life“ besteht den Test der Zeit
Durch diesen Mix aus Melodie und der gewohnten Härte der Band, ist „Death Above Life“ nicht nur ein verdammt aggressives Album. Es bleibt auch bis zum Schluss spannend. Hatten frühere Orbit Culture-Platten manchmal das Problem, unter der Gleichförmigkeit der Songs zu leiden, liefert die Band heuer genug Abwechslung, um über die mehr als 50 Minuten Spielzeit zu unterhalten.
Wie sehr die Band in Sachen Songwriting gereift ist, zeigt sie unter anderem im melancholischen „The Tales Of War“. Auf ein Keyboard-Synthesizer folgen melodische Melodien, bevor ein stampfender Rhythmus folgt. Der Song versprüht beinahe ein Gefühl der Unberechenbarkeit, das man der sonst für ihre Brutalität bekannten Band niemals zugetraut hätte. Zumal Niklas Karlsson im Mittelteil mit erstaunlich starkem Growl überrascht. Gerade für Orbit Culture-Fans ist „Death Above Life“ eines der bedeutendsten Alben der Band-Diskographie und löst nicht nur nostalgische Erinnerungen ihrer Anfangstage aus, sondern kann diesen Erinnerungen auch heute noch mit gleicher Wirkung standhalten.
Foto: Orbit Culture / Offizielles Pressebild
Fazit
„Death Above Life“ ist ein weiterer Pflichtkauf für alle Modern-Deather. Orbit Culture wagen einige Experimente, die voll aufgehen. Während zuletzt mehr und mehr Death-Bands der 2000er wie Obscura oder Gorod eine leichte Kurskorrektur vorgenommen haben, bekommen Fans bei Orbit Culture, was sie erwarten – ein gewohnt gut durchdachtes und zugleich spannendes Album.

▶Tracklist 10 Songs
- 1Inferna
- 2Bloodhound
- 3Inside The Waves
- 4The Tales Of War
- 5Hydra
- 6Nerve
- 7Death Above Life
- 8The Storm
- 9Neural Collapse
- 10The Path I Walk
