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Sick Of It All: Die Kritik zur neuen Biografie „Blut & Schweiß“ von Pete und Lou Koller

Eine Reise durch die Bandgeschichte.

VON AM 28/02/2021

Ganze 35 Jahre ist es her, dass sich Sick Of It All im New York der 80er gegründet haben. Schon nach kurzer Zeit entwickelte sich die Band um die Brüder Pete und Lou Koller zu einem der wichtigsten Vertreter des (New York)-Hardcore, veröffentlichte ein Dutzend Alben und bespielte den gesamten Erdball. Im vergangenen Sommer erschien ihre Autobiografie, die nun unter dem Namen “Blut und Schweiß – Sick Of It All: Die Geschichte der Koller-Brüder” auch auf Deutsch rausgekommen ist.

Sick Of It All: Das Nähkästchen ist groß

In ihrer Autobiografie, die in Interviewform verfasst ist, erweisen sich Pete und Lou Koller als sehr redsame Gesprächspartner. So erfahren wir allerlei interessante Geschichten über die ersten Berührungspunkten der Kollers mit der Punk- und Metal-Szene, über ätzende Jobs, die jeweilige Familienplanung, aber auch den ständigen Kampf um Anerkennung, vor allem in finanzieller Form. Dieser scheint Sick Of It All durch die gesamte Karriere zu begleiten, da sie sich immer wieder für verschiedene Entscheidungen rechtfertigen. Dabei halten sich die Kollers auch nicht mit Kritik an der Hardcore-Szene zurück, die immer dann aufschreie, wenn es Bands zu Major Labels geschafft hätten.

 

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Genau in diesen Momenten macht das Buch besonders viel Spaß, da Pete und Lou kaum ein Blatt vor dem Mund nehmen und nachvollziehbar erklären, wie schwierig es ist, als Mitglied einer Hardcore-Band finanziell über die Runden zu kommen. Auch erfahren wir einiges über den Entstehungsprozess wichtiger Alben wie “Just Look Around”, “Call To Arms” oder “Death To Tyrants” und den immer wiederkehrenden Problemen mit Labels wie East West Records und Fat Wreck Records. Auch können sich die Kollers den einen oder anderen Seitenhieb in Richtung von Bands wie Knocked Loose und Hatebreed, aber auch Victory Records nicht verkneifen.

Von Touren mit Sepultura, Napalm Death und Biohazard

Am interessantesten wird es allerdings dann, wenn die Kollers von ihren zahlreichen Touren durch die USA und Europa erzählen. Von Prügeleien mit Nazis auf der Tour mit Sepultura, Napalm Death und Sacred Reich über den Auftritt beim legendären Dynamo Open Air 1994 oder ihrer kleinen Fehde mit Biohazard – die Koller-Brüder halten sich nicht mit Details zurück und werden dabei von diversen bekannten Mitstreitern wie Gary Holt (Exodus/Slayer), Kurt Brecht (D.R.I.), Igor Cavalera (Sepultura) oder Barney Greenway (Napalm Death) unterstützt.

 

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Für deutsche Fans besonders interessant dürften jedoch die Stories von Marc Nickel sein, der mit M.A.D. Tour Booking wesentlich mit dazu beitrug, dass SOIA auch hierzulande Fuß fassen konnten. Chris Carrabba von Dashboard Confessional steuert zudem das Vorwort zu.

Eine gelungene Biografie – Nicht nur für Sick Of It All-Fans

Insgesamt ist “Blut und Schweiß” ein durchaus gelungenes Buch für jeden, der mehr über die Anfangsjahre des Hardcore, im speziellen natürlich von Sick Of It All, erfahren möchte. Dabei muss man nicht mal zwangsläufig Fan der Band sein, da es die Protagonisten relativ gut verstehen, ihre Welt auch für Szene fremde Menschen zu öffnen.

Doch auch, wenn die zahlreichen Fotos und Illustrationen das Buch aufwerten, so vermisst man an vielen Stellen eine erklärende Bildbeschreibung oder eine Fußnote, um den Kontext besser aufzuklären. Auch bietet die Interviewform eine gewisse Dynamik, ist aber gerade am Anfang relativ anstrengend zu lesen, da man sich hier wie bei einem Familientreffen fühlt, wo jedes Familienmitglied eben auch noch eine kurze, meist uninteressante Anekdote reinbringen möchte.

 

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Dazu sucht man an vielen Stellen einen gewissen roten Faden in der Chronologie der Ereignisse, da es immer wieder Zeitsprünge gibt, die manchmal schwierig nachzuvollziehen sind. Außerdem hätte man sich bei der deutschen Übersetzung, die überwiegend gelungen ist, den Titel sparen können, da dieser im Original (“The Blood And The Sweat”) nicht nur besser klingt, sondern auch eine Hommage an das Debüt-Album ist.

Dennoch ist Lou und Pete Koller in Zusammenarbeit mit Howie Abrams (u. a. In-Effect Records, Roadrunner Records, Warner Music Group) eine spannende Biografie gelungen, die einen anschaulichen Überblick über die gesamte Karriere von Sick Of It All bietet und dabei auch viele Einblicke in die privaten Gedanken der Familie Koller liefert. Für Fans sicherlich eine Pflichtlektüre.

Blut & Schweiß – Sick Of It All – Die Geschichte der Koller-Brüder
Lou Koller, Pete Koller und Howie Abrams

IP Verlag
VÖ: 26.02.2021
ISBN: 978-3-940822-14-7
Seiten: 272
Abbildungen: 83
Sprache: Deutsch
VK: 19,99€
www.ip-verlag.de

Credit: Cindy Frey / Offizielles Pressefoto

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