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Rammstein: Diese (unbekannteren) Songs der Band solltet ihr gehört haben

Die Top-Tracks unter dem Radar.

VON AM 23/04/2022

Rammstein sind in jeder Hinsicht eine Band der Extreme. Seit den späten 90ern zum deutschen Mainstream-Rock gehörend, führen Rammstein mit ihren Platten und Singles immer wieder die Charts an. Jeder und jede kennt – unabhängig ob sie/er will oder nicht – das rollende R von Till durch Tracks wie “Sonne”, “Engel” oder “Du Hast”. Aber es gibt im Ramm-Repertoire der letzten 26 Jahre noch einige Tracks mehr, die nicht so viel Gehör gefunden haben, wie sie vielleicht verdient hätten.

Zählt man alle Rammstein-Tracks zusammen, kommt man auf gut 100 musikalische Kunststücke, die die Wahlberliner in den letzten drei Jahrzehnten veröffentlichten. Klar, dass da nicht jeder Song mit Video und Auskopplung unters Publikum gebracht werden konnte. Aber es lohnt sich, auch mal unabhängig der Top-Hits die Lauscher auf zusperren: Hier sind die Top Ten der besten unbekannten Tracks der Brachial-Band.

Laichzeit (Herzeleid)

1995 erscheint Rammsteins Debüt-Platte “Herzeleid”. Die ersten Töne der Kultband erreichen die Charts, der große Durchbruch kommt allerdings erst mit “Sehnsucht”. Der letzte Song dieser Platte ist der düster-obszöne Track “Laichzeit”, der mit heftigstem Drive und Beat überzeugt. Durch seine dunkle und sexuell aufgeladene Lyrik, dem Mix aus roh-klingenden, pressenden Strophen und melodiöser Stimme eines jungen Till Lindemanns im Refrain legt die Band bereits 1995 damit einen klassischen Rammstein-Banger vor. Er ist meiner Meinung nach einer der besten Songs auf “Herzeleid” und wurde bis 2001 auch live von der Band performt.

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Der Meister (Herzeleid)

Ebenfalls auf „Herzeleid“ erschien der Track “Der Meister”. Knallhart-schrammende Gitarren läuten den Song ein und Tills rohe, drohende Stimme geht im Refrain in hymnenartige Versprechen über. Im Chorus überzeugt die wahnsinnig episch-melodische Musik, die im Ohr bleibt. Nie haben Vorhersehung, Verdammnis und Verderben prunkvoller geklungen.

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Adios (Mutter)

„Mutter“ gehört zu Rammsteins hitreichsten Alben. Kein Wunder, dass neben “Sonne” und “Mutter” der ein oder andere Track einfach untergeht. Dabei ist “Adios” mit treibendem Beat und detaillierter Erzählung über Heroin-Konsum ein Song mit Ohrwurmpotenzial in bester Rammstein-Manier.

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Los (Reise, Reise)

“Los” stellt einen sehr besonderen Track in der Rammstein-Diskografie dar, da er überhaupt nicht wie ein Standard-Ramm-Track klingt. Viele Toplisten weisen deshalb auf den Akustik-Gitarren-Song hin, der eher nach rhythmischen Rock als dem typischen “Tanzmetall” der Band klingt. Trotzdem erzeugt der eingängige Beat eine beklemmende Stimmung und besticht mit einem kleinen aus der Reihe tanzenden Gitarren-Solo, das mit Mundharmonika unterlegt ist. Auch der Text stellt eine Besonderheit dar: Er thematisiert die Band, ihr Auftreten und ist eine persönliche Antwort auf ihre Reputation. Insgesamt werden über 30 Wörter genannt, die auf Silbe -los enden.

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Stein Um Stein (Reise, Reise)

Ebenfalls auf der Scheibe “Reise, Reise” finden wir einen anderen Rammstein-Banger: Warum “Stein Um Stein” kein Video und keine Auskopplung erhalten hat (dafür zumindest Merchandise), weiß wohl nur die Band, denn der Song hat schwerstes Rammstein-Hitpotenzial: Gruselige, beklemmende, romantisch-toxische Lyrics, brechende Stimmelemente und ein durch Musik aufgebauschter Spannungsbogen erinneren an Tracks wie “Wiener Blut” und “Puppe”. Darin wird von der Einmauerung einer Frau aus Täterperspektive erzählt, was aber bestimmt eher bildlich gemeint ist.

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Dalai Lama (Reise, Reise)

Der Titel des dritten Songs auf “Reise, Reise”, “Dalai Lama”, ist eine Anspielung auf die Flugangst des tibetischen Oberhaupts. An sich hat der Track aber weder etwas mit Tenzin Gyatso, noch mit Religion zu tun. Der Text spielt auf die Ballade von Goethes „Erlkönig“ an und erzählt von einem Flugzeugabsturz aus Perspektive eines Vaters und seines Sohns. Anders als im Gedicht erhält der Tod des Kindes aber einen morbiden Twist, da er durch den Vater zu Tode kommt und nicht klar ist, ob die restlichen Insassen verschont werden oder nicht. In Rammstein-Fangruppen wird der Song aufgrund seines lyrischen Tiefgangs hoch gefeiert und gerade die Refrain-Line “Weiter, weiter ins Verderben” könnte kaum “rammsteiniger” sein.

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Ein Lied (Rosenrot)

Eine milde Abwechslung im Rammstein-Universum stellt “Ein Lied” dar. Auch das kommt mit Akustik-Zupfinstrumenten aus, einer langsamen Melodie, ruhigen Synthies und fast flüsternden sanften Vocals. Im Track geht es wieder um die Rammsteine an sich und ihre Aufgabe als Band. Die Line “Wir sind die Diener eurer Ohren” liefert ein musikalisches Versprechen an die Fans und schmückt Merchandise und Social Media-Posts. Der Song ist ein kurzer aber gehaltvoller Geniestreich, der innerhalb von zehn Minuten entstand und von Till Lindemann und Oliver Riedel (ausnahmsweise an der Gitarre) direkt im Studio eingespielt wurde.

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Feuer und Wasser (Rosenrot)

Vor seiner Karriere als pyromanischer Frontmann und Sänger bei Rammstein war Till Lindemann in so einigen anderen Sparten unterwegs. Was heute gar nicht mehr ins Bild vom Feuerteufel passt: Der Mann war in seiner Jugend auch mal Leistungsschwimmer – und gar kein so unerfolgreicher. Bis heute ist der Rammstein-Mann auch von diesem Element begeistert und lässt sich von Meer und Wasser zu Songs inspirieren. Angeblich kam ihm bei einem seiner Schwimmgänge die Idee zum „Rosenrot“-Track “Feuer Und Wasser”. In diesem werden die Elemente als konträre Metapher genutzt, um eine hoffnungslose Obsession eines Schwimmers gegenüber einer Schwimmerin zu verbildlichen. Der Song kommt langsam und ruhig daher, steigert sich aber in Tempo und Dynamik zum Ende hin und klingt dadurch auf seine Art romantisch und psycho zugleich.

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Roter Sand/Liese (LIFAD)

Auch eine Besonderheit stellt der Track “Roter Sand” dar, der 2009 auf der sechsten Studio-LP der Band “Liebe Ist Für Alle Da” erschien. Denn auf der Special Edition des Albums gibt’s den Track gleich nochmal zu hören: Nur mit anderem Text! “Roter Sand” und “Liese” kommen mit einer langsamen und beengenden Melodie und einem gepfiffen Intro daher, lediglich die Instrumentation (Gitarre in “Roter Sand” vs. Bass in “Liese”) in den Strophen unterscheidet die beiden Tracks auf musikalischer Ebene. Der Text für “Liese” entstand wohl im Wein-Suff von Flake, Till und Olli. In Zusammenarbeit mit dem Rest der Band wurde dann “Roter Sand” geschaffen und zum Outro und elften Song von “LIFAD” bestimmt. Beide Songs stellen schöne Balladen mit lyrisch-verstörendem Tiefgang dar (verlorene Liebe und Tod vs. inzestuöser Missbrauch und Tod), denen auf jeden Fall mehr Beachtung zuteil werden sollte, da die Melodie wahnsinnig stark, einprägend und emotional ist.

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Vergiss uns nicht (Rare)

Zwischen dem sechsten und siebten Studioalbum von Rammstein lagen ganze zehn Jahre. Trotzdem mussten die Fans in dieser langen, langen Pause ihrer Lieblingsband nicht komplett auf neues Material verzichten. 2012 erscheint die Platte “Raritäten”, auf der die Kombo ihre albenunabhängigen Songs präsentiert. Vielleicht einen kleinen Herzkasper löste der darauf zu findende, 2011 erschienene und vorerst letzte neue Song der NDH-Band für lange Zeit aus. Dieser trägt den Titel “Vergiss Uns Nicht”. Tatsächlich existierte dieser Song aber schon seit ca. 2003 unter dem Namen “Hin Und Her”. Die Band veröffentlichte ihn dann unter neuem Namen mit auf der Single “Mein Land”.

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“Vergiss Uns Nicht” ist aber nicht nur wegen dieser Message etwas besonderes, sondern auch wegen Tills milder, sanfter Stimmfarbe und der musikalischen Untermalung, die erst ab ca. 40 Sekunden hereinbricht und der ruhigen, verträumten Atmosphäre etwas Episches und Explosives verleiht. Gänsehaut ist hier vorprogrammiert.

FunFact dazu: Es hätte anscheinend wohl auch fast eine Version mit Bushido als Feature gegeben. Schade, dass das nicht geklappt hat. Ironie off.

Feuerräder (Rare)

Wo wir schon bei wirklich raren Tracks sind: Einige Songs, die aus der Anfangszeit der Band stammen, sind irgendwo in der Versenkung verschwunden. Lag natürlich auch an dem zu Beginn noch recht rohen und undurchdachten Sound der Band und Tills unerfahrener Stimme (wobei ich echt Fan davon bin). Die Band konnte sich ja bereits von „Herzeleid“ zu „Sehnsucht“ stark weiterentwickeln. Umso schöner ist, dass 1997 auf der Fan Edition der Single “Engel” der bereits 1994 produzierte Song “Feuerräder” landete. Mild, treibend und verdammnis-erregend zugleich kommt der Track daher und wirkt bei heutiger Betrachtung durch die maschinenhaft-gespielten Gitarren und die lyrischen Feuer- und BDSM-Bilder wie ein rockender Vorbote aus der Anfangszeit der Berliner Industrial-Band.

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Das waren unsere Top Ten der besten unbekannten Songs der Kult-Rammsteine. Wir hoffen, wir konnten damit ein wenig eure Vorfreude auf das am 29. April erscheinende achte Studioalbum „Zeit“ der deutschen Rocker steigern und vielleicht waren ja einige Nummern dabei, die ihr euch bis dahin noch zu Gemüte führen wollt.

Foto: Bryan Adams / Offizielles Pressebild

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