
Portrait: MORE THAN A THOUSAND
Im letzten Sommer gab die Metalcore Band „ More Than A Thousand “...
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Im letzten Sommer gab die Metalcore Band „More Than A Thousand“ ihre, erst einmal unsicher formulierte, vorläufige Trennung bekannt. Nun sind sie auf Abschiedstour unterwegs und spielen heute ihre letze Show in Deutschland. More Than A Thousand kamen für die finale Tour aus einem kleinen Örtchen im sonnenverwöhnten Portugal angereist. Zugegeben, wenn man an Metalcore Bands denkt, kommt einem nicht Portugal als Quelle harter Musik in den Sinn und auch sonst sind die Südeuropäer nicht sonderlich bekannt.
Dabei sind die fünf Jungs um Frontmann Vasco Ramos bereits seit 15 Jahren im Geschäft, haben fünf EPs, sowie drei Longplayer veröffentlicht und waren als Support von Chelsea Grin, Betraying The Martyrs und 30 Seconds To Mars unterwegs. Mehrere Headliner-Touren durch Europa und Konzerte der Never Say Die!-Tour spielten sie in den letzten Jahren ebenfalls. Einige von euch werden sie demnach schon live erlebt haben. Für die anderen lässt sich More Than A Thousands Sound sehr gut unter „klassischem Metalcore“ zusammenfassen.
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Starke Breakdowns, harte Gitarrenriffs und viel Double-Bass wechseln sich ab mit harmonischen Melodien und sing-along Hooks. Vor allem auf ihren letzten beiden Alben von 2010 und 2014 überzeugen sie mit treibender Energie und Gesängen im Chorus, die sich schnell im Kopf einnisten. Was More Than A Thousand aus dem endlosen Sumpf gleich klingender Metalcore Bands hervorhebt ist die Stimme des Frontmanns.
Vasco Ramos sieht aus wie ein junger Hagrid und klingt auch stimmlich nach dem stämmigen, bärtigen Mann, der er ist. Er ist zu tiefen Growls wie auch zu tonsicheren clean Gesang fähig, bei dem besonders angenehm ist, dass er nicht, wie bei einigen Bands desselben Genres, nach einem kreischenden Jugendlichen klingt, sondern nach einem erwachsenen Mann, der seine Stimmbänder als Instrument einzusetzen weiß.
Dieser stimmige Sound findet sich jedoch erst auf den letzten beiden Alben, „Vol. 4“ und „Vol. 5“, wieder. Davor haperte es am Tempo und an der Kreativität. „Vol. 3“, aus dem Jahr 2006, klingt schleppend und kraftlos. Auch die Drums und Rhythmusgitarre tönen eher monoton daher. Der Wechsel des Schlagzeugers nach diesem Album brachte frischen Wind und Power in die Band und den Sound definitiv in eine höhere Liga.
Doch auch die beiden neusten Alben schneiden, vor allem in Reviews der englischsprachigen Presse, nicht immer gut ab. Zu sehr „Standard-Metalcore“ seien sie und ihre Lyrics zu einfach gestrickt. In der Tat experimentieren die Portugiesen bei ihrem Sound nicht viel und bieten auch mit ihren Texten keine Angriffsfläche. Sie positionieren sich weder politisch noch äußern sie sich provozierend. Es gibt neben den typischen Songs über zerbrochene Beziehungen und verlorene Freunde auch Texte, die von Vampiren („First Bite“) und Frankenstein („It´s Alive“) erzählen. Das beeindruckt niemanden.
Viele der Songs lesen sich aber auch wie Motivationsschreiben an sich selbst, die zum Durchhalten und stringenten Verfolgen der eigenen Träume aufrufen. Ohne Tourmanagment und Plattenvertrag haben die Jungs, nach eigener Aussage, in jedem Loch von Club, das sie finden konnten, gespielt. Die Wut auf alle, die ihnen sagen ihre Band sei pure Zeitverschwendung, verwandeln sie auf der Bühne in kraftvolle Auftritte, die authentisch sind und vor Energie sprühen. Das Lesen der Lyrics von Songs wie „I Will Always Let You Down“ lässt einem jedoch auch mit dem bedrückenden Gefühl zurück, dass für den kleinen Musikgenuss, den man als beim Hören der Band erlebt, jemand ein großes Opfer gebracht hat. In 15 Jahren Bandgeschichte haben ihnen so einige Mitmenschen wegen Unverständnis für die vollkommene Aufopferung für die Musik den Rücken zugedreht. Das hat die fünf Jungs eng zusammen geschweißt.
Somit schreiben sie auch darüber, dass sie für einander und auch für ihre Fans da sind. Der größte Erfolg in ihrer Bandhistorie ist, dass nach den Shows Fans zu ihnen kommen und berichten, wie More Than A Thousand Songs ihnen durch schwere Zeiten geholfen haben und sie der Band einiges verdanken. So kommt es, dass unter den Musikvideos auf Youtube keine negativen Meinungen zu finden sind. Wenn More Than A Thousand für etwas stehen, dann für Durchhaltevermögen und den Wert von Freundschaft. Fans wissen vor allem ihre Warmherzigkeit zu schätzen. Die Bekanntmachung der vorläufigen Trennung trifft sie gerade deshalb.
Hinter der Trennung stecken nicht nur Geldsorgen, da die Musikerkarriere nicht für den Lebensunterhalt ausreicht und Erschöpfung vom harten DIY-Touring, wie es im offiziellen Statement auf Facebook heißt. Vasco Ramos erklärt im Gespräch, dass die momentane Auflösung der Band notwenig sei, um die Freundschaft der Bandmitglieder zu bewahren. Er bezeichnet sie als Ehe zwischen fünf Personen, die alle sehr unterschiedliche Charaktere haben. Einer trinkt auf Tour immer zu viel, ein anderer trinkt nie, während sich einer Backstage auf das Vermarkten seiner eigenen Kleidungsmarke konzentrieren will, klickt sich der Sitznachbar durch Tinder.
Gerade auf Tour, wenn alle 24 Stunden lang auf engsten Raum aufeinander hocken und schlechte Laune wegen mieser Technik der kleinen, ranzigen Clubs haben, komme es zu üblen Beleidigungen untereinander und viel Unmut. „Wir müssen aufhören, bevor wir anfangen uns zu hassen und uns nur noch auf der Bühne treffen“, erklärt der Sänger. So ist ihre Trennung und vorherige Bandgeschichte auch eine Hommage an die Freundschaft, die einen traurig-schönen Nachgeschmack hinterlässt.
Ob die Band in einigen Jahren wieder zusammen auftritt, will Vasco Ramos nicht eindeutig beantworten. Vorstellen kann er es sich, aber erst einmal konzentrieren sich die fünf Portugiesen auf ihr Privatleben, welches all die Jahre sehr auf der Strecke blieb und auf ihre persönlichen Projekte, mit denen sie alle im kreativen Bereich bleiben. Der Bassist wird nun Fotograph, andere Produzenten und Vasco wird in seinem Soloprojekt ruhigere Töne anschlagen und singen. In einem Bürojob wird er jedoch nie enden. „Musik ist alles was ich habe, ich kann nichts anderes machen.“, lächelt er verlegen.
Am Ende sind More Than A Thousand bei ihrer geringen Bekanntheit auch eine Band, die 15 Jahre lang selbst organisiert getourt sind und jeden Cent und jedes bisschen Energie in die Musik gesteckt haben. Vor so viel Leidenschaft und Ehrgeiz darf man sich zum Abschied ruhig einmal verneigen.
~ Redakteurin: Lisa Wittig


