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Foto: Kirsten Otto
Placebo geben in der Neuauflage ihrer Doku „This Search For Meaning“ emotionale Einblicke
Filme

Placebo geben in der Neuauflage ihrer Doku „This Search For Meaning“ emotionale Einblicke

Die Band besonders nah und unverblümt.

Kevin Postir/6. Oktober 2025· Aktualisiert 6. April/4 Min.
K

Kevin als das MoreCore-Nordlicht zu bezeichnen, würde wahrlich zu kurz greifen. Zwar ist der leidenschaftliche St.Pauli-Fan in Hamburg zuhause, hat aber unverkennbar sowohl rheinländische als auch italienische Wurzeln. Genau so vielfältig wie sein Stammbaum sind auch seine Aufgaben bei MoreCore. Teil des Headquarters, Feel Good Manager und Redakteur auf allen Ebenen. Wie man daneben noch Zeit für Langstreckenläufe und den Viersaiter in einer Pop Punk-Band findet, weiß wohl nur Kevin selbst. Aber egal, was er macht: Er macht es gut und mit ganz viel Herzblut.


Placebo/Filme·#Placebo
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Wenn es eine Band gibt, die es geschafft haben, durch ihre Musik und ihr Auftreten ein beinahe unnahbares Bild von sich zu zeichnen, dann spielen Placebo ganz vorne mit. Umso mehr konnte man sich darauf freuen, als bekannt wurde, dass die Band um Brian Molko und Stefan Olsdal im Rahmen ihrer „This Is What You Wanted – Live In Mexico“-Veröffentlichung auch ihren Dokumentarfilm „This Search For Meaning“ releasen würden. Darin enthalten, exklusives Bonusmaterial.

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Doch wie gibt man intime Einblicke in den Alltag einer Band, die in ihren öffentlichen Auftritten in der Regel sehr bedacht und doch etwas distanziert wirkt? Der Dokumentarfilm arbeitet hier mit unterschiedlichen Elementen, welche in ihrer Kombination einen abwechslungsreichen, kurzweiligen Film ergeben. Die Interviewsituationen werden aufgelockert, durch Filmaufnahmen aus der Vergangenheit, welche einzigartige Einblicke hinter den Kulissen zeigen. Zusätzlich erwartet Fans Interviewaufnahmen von unter anderem Joe Talbot (Idles), Benedict Cumberbatch, Robbie Williams und Yungblud.

Diese wurden bei ihren Telefon-Interviews aus den Jahren 2022 und 2023 heimlich gefilmt und dieses Material findet sich nun visuell im Dokumentarfilm wieder. Regisseur Oscar Sansom möchte mit diesem Schachzug ein kritisches Statement, gegen die in England verbreitete Überwachsungskamera-Kultur setzen. Die thematischen Blöcke von „This Search For Meaning“ werden darüber hinaus durch stimmungsvolle Live-Performances voneinander getrennt und musikalisch abgeschlossen.

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Placebo: „All I really wanted was to not have a job“

Wir begleiten Brian und Stefan von den frühen Anfängen der Band in London, Mitte der 90er. Klar wird dabei, dass beide Artists in der Musik ein kreatives Ventil gefunden haben um sich auszuleben, Gedanken und Erfahrungen zu verarbeiten und etwas zu schaffen, was „größer als die Einzelperson ist und nur zusammen erreicht werden kann“. Molko gibt sich zu diesem Thema ganz offen und unverblümt und gibt zu, dass die Musik von Placebo, so erfolgreich sie auch sein mag, einen reinen Selbstzweck darstellt. Wer es vorher noch nicht bemerkt haben sollte, spürt schnell wie reflektiert die beiden mit sich, ihrem Wirken und ihren eigenen Antrieben sind. Zwei intelligente Menschen, die Einblick in ihre Innenwelt geben.

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„I wanted to challenge homphobia through confusion and distorted guitars“

Es wird nicht überraschen, dass die Expression der eigenen Sexualität, besonders im frühen Alter, bei Placebo eine besondere Rolle spielt. Die Band öffnete für Brian und Stefan Türen in der Selbstfindung. Damit ebnete die britische Band auch für nachfolgende Künstler:innen den Weg, sich ihrem eigenen Empfinden hinzugeben und dies auf kunstvolle Art und Weise nach Außen zu tragen. Besonders in den Interview-Parts mit Yungblud wird der Impact Placebos auf andere Kunstschaffende deutlich.

Damit soll keinesfalls gesagt sein, dass es sich hierbei um einen einfachen und von Beginn an akzeptierten Weg handelt. Besnders Molko fand sich im Laufe der Karriere immer wieder kritischen Stimmen ausgesetzt. Besonders bei diesem eigentlich sehr persönlichen Thema wirkt Brian abgeklärt, beinahe kühl. Ein Zeichen für das dicke Fell, das sich im Laufe der Zeit bildete.

„It’s been a consistent relationship“

Eine besonders intensive Passage von „This Search For Meaning“ ist die Darstellung der besonderen Beziehung zwischen Placebo und David Bowie. Die britische Musiklegende war einer der ersten und intensivsten Förderer der Band. So nahm Bowie die Gruppe insgesamt für sechs Jahre mit auf Tour. Die ergänzenden Gesprächspassagen zwischen Placebo und Bowie belegen, dass besonders Molko und Bowie eine besondere Verbindung miteinander hatten und Geschwister im Geiste darstellten.

Die Besonderheit der Beziehung zu Bowie realisierte Molko allerdings erst nach seinem Ableben. Wir erleben hier einen unglaublich intensiven, verletzlichen Moment, in dem Molko, eine schwarze Sonnenbrille tragend, für kurze Zeit die Fassung verliert und sich mit zitterndem Kinn rückbesinnt. Ein schmerzlicher, emotionaler Moment, der herausstechend im Dokumentarfilm ist.

Ähnlich schmerzlich sind die Ausführungen der Band über ihren eigenen Drogen- und Alkoholkonsum. Verdeutlicht durch entblößende Videoaufnahmen, die besonders Brian im berauschten Zustand zeigen. Die innere Leere nach Shows, die Einsamkeit, die Sehnsucht danach die innere Stimme zum Schweigen zu bringen und die damit einhergehende Flucht in den Rausch wird unverblümt dargestellt.

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YouTube Video

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Auch die Ausführungen von Idles-Frontmann Joe Talbot und Robbie Williams lassen erahnen, in was für extremen seelischen Situationen sich die Künstler:innen befinden. Talbot, der seine Mutter an den Alkohol verlor und trotzdem mit der eigenen Sucht kämpft, Williams, der seine Selbstzweifel ebenfalls im Alkohol ertrank, sind nur zwei Beispiele, die uns fühlen lassen, wie die Schattenseite des Erfolgs aussieht.

Man kann es abschließend nicht anders sagen: „This Search For Meaning“ stellt ein herausragendes Stück Musikgeschichte dar und beleuchtet Placebo von Beginn an in den guten und schlechten Momenten. Ehrlich, reflektiert und unverblümt schildern Brian und Stefan ihre Erfahrungen und untermalen dies mit den intensiven, nahezu bedrückenden Tönen, für die man die Band kennt und liebt. Eine absolute Empfehlung!

Beitragsbild im Auftrag für MoreCore.de: Kirsten Otto (kirstenotto)

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