
Live beim ULTIMATE SUMMERBLAST FESTIVAL 2015!
Wie soll man eine solche geballte Ladung an Laufauftritten...
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Wie soll man eine solche geballte Ladung an Laufauftritten hochkarätiger Bands aus den Genres Hardcore, Metalcore und Deathcore mal eben beschreiben? Das diesjährige SUMMERBLAST FESTIVAL hat wirklich einiges aufgefahren und die Creme de la Creme eingeladen. So tummelten sich neben Größen wie SUICIDE SILENCE und STICK TO YOUR GUNS auch Live-Tiere wie die ARCHITECTS und BURY TOMORROW auf ein und demselben eintägigen(!) Festival. Um den langen und ereignisreichen Tag überhaupt wiedergeben zu können, spare ich mir eine lange Einleitung und springe gleich in medias res:
Eröffnet wurde das Spektakel pünktlich und um (gähn) 10 Uhr morgens von ENDLESS HEIGHTS, einer australischen 5-Mann-Band, die mit ihrem melodischen Hardcore schon seit 2009 unterwegs sind. Kurz und knapp: Glatter Auftritt der Band, aber leider war der Sound nicht stimmig und irgendwie kam bei mir nur eine Soundröhre aus einem Instrumenten- und Gesangswirrwarr an – schade!
Nach 20 Minuten plus Umbau ging es dann gleich mit der nächsten Band LOCK & KEY weiter. Die Aufsteiger aus England gibt es erst seit 2013 und sie haben schon jetzt UK- und Europa-Touren hinter sich. Meiner Ansicht auch aus gutem Grund: Ehrlicher Hardcore, wie ihn die Jungs in Trier präsentiert haben, geht immer! Schön wäre es nur gewesen, wenn auch hier der Sound ein bisschen besser abgemischt gewesen wäre. Aber an dieser Stelle sollte man noch einmal die Location erwähnen: Die Arena in Trier; ein Riesen-Ding mit echt hohen Decken und somit ziemlich schwer aussteuerbarem Sound. Nichtsdestotrotz: Da hätte man sich mehr Mühe geben können, denn die Band war es wert.
Dass es besser geht, hat man direkt im Anschluss bei LANDSCAPES bemerkt: Zwar auch aus UK, jedoch mit viel mehr Erfahrung, da bereits 2008 gegründet, schaffte es die Melodic Hardcore-Band aus Somerset den Sound der Arena richtig abzupassen und so kam nun auch endlich der Gesang ordentlich zur Geltung! Hier hat mich allerdings verwundert, dass eine so erfahrene Band so stark mit Rückkopplungen zu kämpfen hatte. Das soll aber als Kritik ganz hinten anstehen, denn LANDSCAPES fegten über die Bühne als gäbe es kein Morgen. Vor allem Sänger Shaun Milton wollte die 25 Minuten Stagetime bestmöglich nutzen und legte eine hervorragende Technik an den Start. Die schaue ich mir gerne wieder an, dann auch mal länger!
Zack, schon wieder Umbau! Wie man es von eintägigen Festivals gewohnt ist, wurde hier einer nach dem anderen über die Bühne gejagt. Wenn man aber bedenkt, wie gut die Bands ihre Zeit zu nutzen wussten, juckt einen das in keiner Weise. WALKING DEAD ON BROADWAY waren das beste Beispiel dafür. Nachdem sie ihren Mix aus „Bree Bree“, infernalischen Geschreie und Gegrowle ganze 20 Minuten abgeliefert hatten, merkte die Band erst kurz vor Ende, dass ihre Zeit schon fast abgelaufen war. So hieß es als Abschluss: „Last Existence“ und gib ihm! Das Ganze begleitet von Circle Pits und anhaltendem Applaus. Chapeau, WALKING DEAD ON BROADWAY!
Mittlerweile war es 12:45 Uhr. BREAK EVEN war die erste Band des Tages, die mich wirklich davon überzeugt hat, dass auch eine Location wie die Arena in Trier guten Sound abliefern kann. Respekt an die Leistung dieser Band. Die Crowd hatte sich wieder beruhigt. BREAK EVEN sind hierzulande halt noch nicht so bekannt. Fun-Fact: Der Lichttechniker versuchte das Ganze durch epileptischen Gebrauch des Stroboskops auszugleichen. Hat aber nur mäßig funktioniert.
Mit FIRST BLOOD ging es im Rahmen des Zeitplans weiter. Der technisch saubere „In-die-Fresse-Hardcore“ (habe ich erfunden, beschreibt aber gut, was sie machen) hat mich mitgerissen. Diese Band werde ich auch in Zukunft noch hören und empfehle ich dies auch euch. Während BREAK EVEN die ersten mit perfekt abgemischtem Sound waren, war FIRST BLOOD-Sänger Carl Schwartz das erste Bandmitglied, das sich von der Bühne weg in die Crowd bewegte. Highlight des Auftritts: Stage-Personal weist die Band darauf hin, dass ihre Auftrittszeit vorbei ist. Reaktion der Band: „OK.“ Danach wenden sie sich an die Crowd: „This ist he last f*cking Breakdown!“. Wen kümmert schon das Gerede der anderen, wenn man gerade einen Hammer-Auftritt hinlegt?
Zu MAKE THEM SUFFER möchte ich an dieser Stelle nicht viel sagen. Ich fasse Pros und Kontras nur als Schlagworte zusammen: Fehlende Motivation von Louisa Burton (Keyboard, Clean Vocals), starke Performance von Sean Harmanis (Gesang), krass guter Tim Madden (Drums) und langsam voll wirkende Arena Trier. Done.
Dafür möchte ich einmal kurz auf LIONHEART eingehen. Was für geile Fans hat diese Band bitte? Wie ausgewechselt wirkte das Publikum, als die Hardcore-Combo aus California loslegte. Pits, Mitgegröhle, lauter Applaus und auswendig gelernte Lyrics. Die Fans lieferten hier eine ebenso überzeugende halbe Stunde hin wie die Band selbst. Und wie wichtig das Verhalten der Crowd für die Stimmung auf einem Konzert ist muss ich euch bestimmt nicht erzählen.
ANY GIVEN DAY haben die sowieso übermotivierte Meute dann gleich weiter bespaßt. Spätestens bei ihrem bekannten Cover von Rihannas „Diamond“ stand im Publikum keiner mehr still und eine wunderschöne Wall of Death bewegte circa die Hälfte aller Anwesenden dazu sich sportlich zu betätigen. Hach ja, Rihanna sorgt eben überall für Emotionen!
Die nächste halbe Stunde gehörte MORE THAN A THOUSAND, die mittlerweile fast jeder kennen dürfte. Sie sind fast ständig on Tour und außerdem haben die Portugiesen schon acht Alben und EPs veröffentlicht. Da war es kaum verwunderlich, dass der Auftritt durchroutiniert, Fehler kaum erkennbar und die Gesänge auf Seiten der Fans mehr als textsicher waren.
Ich persönlich liebe die Band und ihre Auftritte. Schade ist allerdings, dass jeder Auftritt die gleichen Songs, das gleiche Opening und und die gleichen Sprüche von Frontmann Vasco Ramos beinhaltet. Ein bisschen Abwechslung würde MORE THAN A THOUSAND gut tun. Vor Allem, da sie fast überall live zu sehen sind.
„We keep it simple. We keep it real.” Diesem Motto blieben OBEY THE BRAVE auch während ihres Auftrittes auf dem SUMMERBLAST FESTIVAL 2015 treu. „Simple“ ist aber genau dann perfekt, wenn es um den Stil der in 2011 gegründeten Hardcore-Band geht. Mittanzen? Kein Problem? Mitgrölen? Kein Problem? Ausrasten? Kein Problem. Gesagt, getan. Die Arena kochte und OBEY THE BRAVE zogen einen souveränen Live-Auftritt durch. Apropos „kochen“ – langsam wurde es warm in dem Schuppen!
Chris McMahon, dem Sänger von THY ART IS MURDER, war das ziemlich egal. Er begann seinen Auftritt in einem Windbreaker (WTF?). Erst nach 3 kompletten Songs, unter Anderem „Reign Of Darkness“ als Opener, zog er die Jacke aus und performte weiter, als sei nichts gewesen. Da, wo ich WALKING DEAD ON BROADWAY „infernalisch“ nenne, finde ich kein passendes Wort für die Art und Weise, wie THY ART IS MURDER den Laden zum Beben gebracht haben. Ich lasse es lieber und hoffe, dass die Live-Videos für sich selbst sprechen. Gegipfelt hat der Auftritt auf jeden Fall ebenso brachial in zwei Songs aus dem neu erschienenen Album „Holy War“.
Vorhang auf für die nächste Band des Abends (wir sprechen noch immer von einer halben Stunde Stagetime): BURY TOMORROW. Tatsächlich schon wieder eine Band aus UK. Vielleicht sollte ich da mal hochziehen? BURY TOMORROW wären ein guter Grund. Neben dem unglaublichen Humor des Bassisten (zu beobachten auf Twitter: https://twitter.com/swearboxdj ) hauen die Jungs seit 209 starke Alben und unglaubliche Live-Auftritte raus. Ich selbst habe die Band schon 2013 live für mich entdeckt und sehe sie immer wieder gerne. Da die Jungs ungefähr genauso hyperaktiv sind wie MORE THAN A THOUSAND müssen wir über die Professionalität des Auftrittes an dieser Stelle auch nichts sagen, außer: Prädikat „hervorragend“.
Wer das Wort „Hardcore“ in den Mund nimmt und dabei die Band „Madball“ nicht kennt, kann die Unterhaltung auch gleich wieder aufgeben. Seit 1988 existiert die New Yorker Band. Urgesteine, Quelle von AGNOSTIC FRONT, Vertreter des Hardcore, Stilbilder… vielen kann man ihnen andichten. Auf dem ULTIMATE SUMMERBLAST FESTIVAL 2015 konnte ich die Jungs endlich wieder sehen und wurde nicht enttäuscht. Hardcore Lives – ich bin wieder zu 100 Prozent überzeugt. MADBALL haben alles im Gepäck gehabt: Violent Dancing, Hardcore-Musik der ersten Stunden und das Gefühl absoluter Freiheit. Danke dafür!
STICK TO YOUR GUNS lieferten gleich im Anschluss (mittlerweile 21 Uhr) ein Potpourri aus Songs ab. Vom guten alten Amber bis zu aktuellem Stoff aus ihrem fünften Album Disobedient wurde alles abgeliefert. Egal, wie fertig das Publikum mittlerweile war. Egal, wie oft man STICK TO YOUR GUNS schon live gesehen hatte. Egal, wie sehr einen das politische Gehabe in der Szene mittlerweile vielleicht nervt. Jesse Barnett und Co. lieferten eine wie gewohnt saubere und ultimativ energiegeladene Performance ab und brachten die Arena in Trier somit zum Ausrasten. Jeder Song wurde auswendig mitgesungen und stetiges Crowdsurfing hielt die Security vor der Bühne ziemlich in Atem. 40 Minuten pure Energie.
Dass das Summerblast wirklich viele Core-Facetten zu bedienen wusste, wurde mit dem nun stattfindenden Auftritt final noch einmal stark deutlich gemacht, denn direkt nach STICK TO YOUR GUNS enterten SUICIDE SILENCE die Bühne. Der neue Sänger Hernen „Eddie“ Hermida ist mittlerweile allen bekannt und hat den Deathcore der Kalifornier so sehr herausgeschrien, dass ich zeitweilig Angst hatte, dass mein Körper nie wieder aufhören würde zu vibrieren. Wo die Meute vor der Bühne nach mittlerweile zwölf Stunden SUMMERBLAST die Energie hernahm weiter abzugehen wie Schmitz Katze ist mir schleierhaft. Ich konnte nur noch amüsiert zusehen und abschließend noch anmerken, wie gut Chris und Mark, die Gitarristen der Band, spielen können.
Kaum zu glauben, aber einen Hammer-Act konnte das SUMMERBLAST noch raushauen. Schließlich hatten sie insgesamt 17 Bands eingeladen, um die Arena in Trier abzureißen. Wie eingangs schon erwähnt, durften nun die ARCHITECTS das Festival beenden. Sie bekamen dafür sogar eine ganze Stunde Stagetime. Genug Zeit, um quasi jeden bekannten Song live zu performen. Wie von Zauberhand bewegte sich die Meute im Takt der Musik und hielt die Hilfskräfte vor Ort noch ein letztes Mal gut beschäftigt. Für mich persönlich sind die Auftritte der ARCHITECTS zwar jedes Mal sehr sauber und auch die Fans der Band zeigen jedes Mal ein unglaubliches Maß an euphorischer Begeisterung und Stimmung. Allerdings kann ich mir das Ganze nicht länger als 30 Minuten geben, da bei den Live-Auftritten dieser Band jedes Riff gleich klingt und mir so immer relativ schnell die Lust vergeht noch weiter zuzuhören. Ich möchte hier keinem vor den Kopf stoßen und halte noch einmal fest, dass die Band aus meiner Sicht verdienter Headliner des SUMMERBLAST 2015 war. Vor allem die Gitarristen hauen die Riffs und Soli hier immer derartig sauber raus, dass ich eine Gänsehaut bekomme. Ich denke aber auch, dass eine so erfahrene Band wie die ARCHITECTS, die unglaublich perfekte Alben raushauen live auch etwas Abwechslung an den Tag legen könnte. Gerne könnt ihr mal in die Kommentare hauen, wie ihr darüber denkt.
Punkt 12. Schweißnasse Gesichter und Band-Shirts. Erschöpfte und glückliche Gesichter und ein SUMMERBLAST, welches für 2016 hoffentlich eine mindestens genau so gute Leistung raushauen kann. Alles richtig gemacht, oder? Halt, stopp! Wir sind noch immer nicht am Ende, denn das ULTIMATE SUMMERBLAST FESTIVAL wäre nicht das ULTIMATE SUMMERBLAST FESTIVAL, wenn es da nicht noch etwas in petto gehabt hätte, um für einige ganz spezielle Erinnerungen zu sorgen.
Eine halbe Stunde nach dem Finale der ARCHITECTS hatten circa 100 Fans der Band STICK TO YOUR GUNS die Gelegenheit Sänger Jesse Barnett bei einem so genannten „Songwriter Special“ im Exhaus zu erleben. 30 Minuten Gänsehaut inkl. einer atemberaubend schönen Coverversion von OASIS „Wonderwall“ bereiteten einen perfekten und unglaublich berührenden Abschluss des Festivals und auch Jesse musste zum Ende der Session zugeben: „Ok, this is it. We all are so exhausted. Sleep well!“ Schlusswort! Schlafe gut, SUMMERBLAST! Wenn du 2016 wieder aufwachst, sind wir zurück!


