
Kommentar: Rock am Ring / Rock im Park 2016 – ist das noch Rock?
Wenn es etwas gibt, was man als „Safe Bet“ abstempeln kann, dann,...
Damals noch für den eigenen Musikblog geschrieben, entschied sich Maik 2015 bei MoreCore anzuheuern und nahm unseren Jonas gleich mit. Mittlerweile kümmert er sich als Redakteur um den Bereich "Features und Interviews", legt auf unseren MoreCore Partys auf, betreibt mit Linn unseren Podcast "Kerngeschäft" und ist auch immer mal wieder vor der Kamera bei MCTV zu sehen. Im Team gilt er insgeheim als das sympathische Multitalent. In seiner Freizeit sammelt er Schallplatten, schaut so ziemlich jedes Fußballspiel und isst für sein Leben gerne Pizza.
Wenn es etwas gibt, was man als „Safe Bet“ abstempeln kann, dann, dass jede Bestätigung eines größeren Festival-Lineups eine heiße Diskussion nach sich zieht. Nachdem das Hurricane Festival vergangene Woche vorgelegt hatte, zog nun endlich auch Rock am Ring nach. Obwohl das Lineup (u. a. mit den RED HOT CHILI PEPPERS, BLACK SABBATH, DISTURBED, DEFTONES uvm.) überwiegend positiv aufgenommen wurde, gab es auch diesmal wieder die bekannte Diskussion um den vermeintlichen „Kommerz“-Gedanken der Veranstalter mit Hinblick auf die Künstlerauswahl – ein Kommentar.
Posted by MoreCore.de on Mittwoch, 28. Oktober 2015
Ich muss immer wieder schmunzeln, wenn ich mir den verbalen Schlagabtausch ansehe, den sich Nutzer in den sozialen Netzwerken liefern: Rock am Ring ginge „den Bach hinunter“ und sei „kommerzrotz“. Interessante Formulierung für die Strategie, die die Organisatoren hinter RaR und RiP schon immer verfolgt haben: ein breites Lineup für (fast) Jedermann. Oder wie wollt ihr euch Künstler wie CHRIS DE BURGH (1985), SIMPLY RED (1986), UB40 (1987), EROS RAMAZZOTTI (1991), ELTON JOHN (1992), OTTO WAALKES (1995), THE FUGEES (1996), FÜNF STERNE DELUXE (1998), XAVIER NAIDOO (1999), ROBBIE WILLIAMS (1999), FREUNDESKREIS (2000), OUTKAST (2001), PHARRELL WILLIAMS (2006) oder auch CULCHA CANDELA (2008) erklären? Selbst die Karnevalsband BRINGS war 1994 Teil des Festivals. Dass die genannten Acts weder besonders „rockig“ noch kommerziell UNerfolgreich sind/ waren, muss an dieser Stelle sicherlich nicht erläutert werden. Auch der Grund für diese stilistisch breite Aufstellung dürfte mehr als offensichtlich sein. 85.000 Leute sind nur schwer mit einem reinen Core-Lineup zu locken, wenn es nicht mal möglich ist ein Jugendzentrum mit entsprechendem Genre vollzubekommen.
Doch leider scheint der hohe Genremix mittlerweile auch zur Bedingung zu werden, um dauerhaft überleben zu können. Immerhin werden jährlich neue Festivals aus dem Boden gestampft. Bestes Beispiel ist hier das Grüne Hölle Rock bzw. Rock im Revier, welches dieses Jahr sein Debüt in NRW feierte und in direkter Konkurrenz zu Rock am Ring getreten ist. Ein weiterer Big Player, der sich um mehrere 10.000 Besucher streitet? Dass die Zielgruppe nicht unendlich groß ist und die Leute sich auch nicht allzu viele Festival-Tickets leisten können und wollen, macht die Planung solcher Events immer schwieriger. Kein Wunder also, dass links und rechts an den Genres gekratzt werden muss.
Aber worüber reden wir hier eigentlich? Wer zwingt euch ein bestimmtes Festival zu besuchen? Wer sagt, dass ihr nach Mendig zum Ring (oder zumindest in dessen Nähe) oder zum Hurricane oder zum Vainstream fahren müsst? Und wer zieht euch am Kragen vor die Volcano Stage (früher Centerstage) und zwingt euch die RED HOT CHILI PEPPERS anzuschauen? Dazu kommt natürlich noch der Umstand, dass ihr ohnehin nicht alle 80+ Bands erleben könnt und sowieso Abstriche machen müsst. Wenn also ein gewisser ALLIGATOAH, MODESTEP oder LEXY & K-PAUL wie im kommenden Jahr mit an Bord sind, dann heißt das nicht unbedingt, dass ihr euch genannte Künstler geben müsst. Wer schon mal auf einem Festival dieser Größe war, kann ja mal durchzählen, wie viele Bands und Künstler er oder sie an diesem Wochenende mitnehmen konnte. Mit anderen Worten – ruhig Blut, wenn euch nicht alles auf Anhieb flasht, ihr werdet ohnehin nicht alles mitbekommen können.
Ob das bisherige Lineup euren Musikgeschmack trifft oder nicht, ist selbstverständlich jedem selbst überlassen. Dass sich unter den bislang 31 Bestätigungen eine ganze Menge Qualität versteckt, dürfte allerdings nicht von der Hand zu weisen sein: mit den angesprochenen RHCP und BLACK SABBATH konnten direkt zwei Kracher verpflichtet werden, die entweder noch nie (BLACK SABBATH) oder vor zwölf Jahren zuletzt am Ring waren. Mit ARCHITECTS, AUGUST BURNS RED, HEAVEN SHALL BURN, THE AMITY AFFLICTION, BRING ME THE HORIZON und OF MICE AND MEN ist fast die gesamte Champions League der Core-Szene am Start, während AMON AMARTH, BULLET FOR MY VALENTINE, DISTURBED und TRIVIUM noch ne Schippe mehr Metal drauf werfen werden. DEFTONES und KORN wird den Nu Metal-Fans in die Karten spielen und bei BILLY TALENT, VOLBEAT und BIFFY CLYRO wird man sich ebenfalls schnell einig. Dann gibt es da noch Bands wie BEACH SLANG und TESSERACT, die in ihren Genres aktuell ganz heiß gehandelt werden und seien wir mal ehrlich – es ist nicht verwerflich zu FETTES BROT, FRITTENBUDE, ALLIGATOAH oder MAJOR LAZER das Tanzbein zu schwingen.
Bekommen die Organisatoren das Anreise-Chaos und die angespannte Camping-Situation in den Griff, darf man sich schon jetzt auf ein geiles Wochenende freuen. Denn mit Mendig als neuen Veranstaltungsort konnte man sich ein Gelände sichern, was schön weitläufig und somit entspannter zu begehen ist, aber kompakt genug, um sich nicht zu verlieren. Kein Stress mehr vor Ampeln in Boxengassen und keine kilometerweiten Wege zwischen Zelt und Bühne.
Wer mit von der Partie sein will, der sollte schnellstmöglich HIER zuschlagen und sein Ticket sichern. Die Zeichen stehen auf ausverkauft, dafür lege ich meine Hand ins Feuer!


