
Kölner Clubs führen Club Euro ein
Ab sofort fließt bei jedem Konzertticket in Köln ein Euro in einen Solidarfonds für kleine Venues und Nachwuchskünstler:innen.
Vanessa Wobb
Die Kölner Konzertszene hat sich etwas ausgedacht, das es in dieser Form bislang nirgendwo in Deutschland gibt: Ab sofort wird auf alle neu in den Vorverkauf gehenden Konzerttickets ein zusätzlicher Euro erhoben. Mit dem sogenannten Club Euro wollen Kölner Veranstalter:innen und Clubbetreiber:innen einen Solidarfonds aufbauen, der gezielt kleine Live-Musikstätten und Nachwuchsprogramme unterstützen soll. Den offiziellen Startschuss gab die Kölner Klubkomm, der Interessenverband der Kölner Clubs und Veranstalter:innen, auf der c/o pop.
Wer zahlt, wer bekommt – und wie viel?
Das Modell ist einfach erklärt: Auf jeden Ticketpreis kommt ein Euro obendrauf. Große Venues zahlen einen Teil dieser Einnahmen in einen gemeinsamen Solidarfonds ein, aus dem kleinere Clubs bezuschusst werden, wie der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet. Laut Klubkomm beteiligen sich bereits 28 Spielstätten von größeren Häusern wie Palladium, E-Werk, Live Music Hall, Carlswerk Victoria, Essigfabrik, Kantine und Gloria bis hin zu kleineren Locations wie Bumann & Sohn, Die Wohngemeinschaft, Blue Shell, Garagen, Yuca, Sonic Ballroom und Stereo Wonderland.
Der Hintergrund sei die anhaltend schwierige wirtschaftliche Lage vieler kleinerer Venues. Während große Hallen weiterhin hohe Besucher:innenzahlen verzeichnen, kämpften kleinere Clubs seit der Pandemie zunehmend mit steigenden Kosten und sinkenden Einnahmen. Die Logik dahinter erklärt Jens Ponke von der Bar Die Wohngemeinschaft und Vorstandsmitglied der Klubkomm:
„Den kleinen Venues hilft es natürlich nicht, wenn Taylor Swift auf Tour geht. Die Branche wächst, aber nur an den Großevents. Dabei ist es wichtig, dass alle kleinen Venues Teil der Wertschöpfungskette bleiben, da viele Künstler-Biographien hier beginnen.“
Konkret: Wer heute im Club Volta spielt, könnte morgen die Essigfabrik füllen und übermorgen die Live Music Hall. Ohne die kleinen Bühnen bricht diese Pipeline zusammen.
Offen bleibt jedoch bislang, wie der genaue Verteilschlüssel zwischen großen und kleinen Häusern aussieht. Auf der offiziellen Website erklärt die Kölner Klubkomm: „Es gilt: je größer der Club, desto größer die Abgabe – je kleiner der Club oder die Musikspielstätte, desto mehr Bezuschussung aus dem Solidarfonds.“ Weiter heißt es:
„So profitieren besonders die Orte, an denen neue Künstler*innen wachsen und kulturelle Vielfalt entsteht. Der Club Euro trägt somit zum Erhalt von kleinen Bühnen aktiv bei und fördert Nachwuchsprogramme, faire Gagen und diverse Booking-Konzepte. Damit trägt er zur langfristigen Sicherung der gesamten Club- und Livemusikstruktur bei.“
Gut gemeint, aber nicht unumstritten
Paulina Rduch, Vorsitzende der Kölner Klubkomm, formulierte die Ambition des Projekts bei der Präsentation klar:
„Mit dem Club Euro zeigen wir, was unsere Szene mit Solidarität und aus eigener Kraft leisten kann: Einen großen Beitrag zum Erhalt der kulturellen Experimente und der kleinen Bühnen, auf denen Künstler:innen wachsen können.“
Profitieren sollen aber nicht nur die Kleinen. Micki Pick von der Live Music Hall verweist auf ein grundsätzlich verändertes Konsumverhalten: Getränkeumsätze seien gesunken, der wirtschaftliche Druck gewachsen. Der Club Euro könne entsprechend auch größeren Venues helfen, die finanzielle Basis zu stabilisieren.
In der Community gibt es allerdings auch Kritik. In Online-Diskussionen hinterfragen Konzertbesucher:innen, ob das Geld wirklich dort ankommt, wo es soll. „Die Eigentümer:innen zahlen sich selbst einen Unternehmerlohn aus. Sie machen das ja nicht zum Spaß, sondern um damit Geld zu verdienen. Nun verdienen sie seit Corona nicht mehr so viel wie sie es gewohnt sind. Also suchen sie neue Einnahmenquellen. Und eine solche ist der Club Euro“, heißt es beispielsweise in einem Reddit-Thread zum Thema.
Bundesweit einmalig
Das Modell gilt laut Kölner Stadt-Anzeiger als bundesweit bislang einzigartig. Ob andere Städte nachziehen, hängt sicherlich davon ab, ob die Kölner Szene zeigen kann, dass die Gelder tatsächlich ankommen und der Verteilmechanismus funktioniert. In Köln läuft es ab sofort für alle Tickets, die neu in den Vorverkauf gehen. Die Gebühr fällt nicht rückwirkend an.
Foto im Auftrag von MoreCore.de: Julia Strücker (Julia_Rocknrolla)


