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Family First Festival: So war es beim Familientreffen von und mit BOYSETSFIRE

Family First Festival: So war es beim Familientreffen von und mit BOYSETSFIRE

Nach über 20 Jahren voller Ups and Downs sind BOYSETSFIRE wieder voll...

Maik Krause/22. August 2015· Aktualisiert 6. April/5 Min.
M

Damals noch für den eigenen Musikblog geschrieben, entschied sich Maik 2015 bei MoreCore anzuheuern und nahm unseren Jonas gleich mit. Mittlerweile kümmert er sich als Redakteur um den Bereich "Features und Interviews", legt auf unseren MoreCore Partys auf, betreibt mit Linn unseren Podcast "Kerngeschäft" und ist auch immer mal wieder vor der Kamera bei MCTV zu sehen. Im Team gilt er insgeheim als das sympathische Multitalent. In seiner Freizeit sammelt er Schallplatten, schaut so ziemlich jedes Fußballspiel und isst für sein Leben gerne Pizza.


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Nach über 20 Jahren voller Ups and Downs sind BOYSETSFIRE wieder voll im Geschäft. Erst im letzten Herbst hatte die Band um Sänger Nathan Gray eine ganz besondere Tour für ihre hiesigen Fans parat, bei der sie pro Stadt an drei Abenden jeweils ein anderes Album besonders in den Vordergrund stellten. Als Zugabe folgte nun das Family First Festival – namentlich angelehnt an dem ohnehin sehr familiären Verhältnis, dass zwischen Band und Fans herrscht.

Pre-Fest (20.08.2015, Gebäude 9, Köln)

Es war nicht sehr verwunderlich, dass das Festival, welches mit dem Palladium in Köln seinen Spielort fand, schon Monate vorher ausverkauft war. Wer also nicht schnell genug war, konnte beim Pre-Fest im Gebäude 9 in Erinnerungen schwelgen und gleichzeitig die mit 400 Zuschauern intimste Show in Deutschland seit Jahren erleben. Sein eigener Support war NATHAN GRAY, der aktuell mit brandneuer Solo-Platte unterwegs ist und es sich nicht nehmen ließ, seinem BSF-Publikum eine andere Seite zu präsentieren. Mit schwarzen Kerzen und Tierschädeln auf der Bühne, gab Gray, der bekennender Religionskritiker ist, eine teils bizarre Show ab, bei der vor allem der Sound nicht ganz mitspielen wollte. Die beklemmende, düstere Atmosphäre, die Gray versuchte aufzubauen, sprang so leider nur bedingt aufs Publikum über. Zu hören gab es nicht nur Songs der aktuellen Platte „NTHN GRY“, sondern auch Songs, die 2016 erscheinen sollen. Gewöhnungsbedürftig, interessant, aber nicht ganz so mitreißend, wie man ihn von BSF kennt. Auch RADKEY, hierzulande noch nicht jedem ein Begriff, durften sich beweisen und konnten mit ihrem stark von Bands wie DANZIG beeinflussten Punk überzeugen. Mit merklich viel Spaß gingen die drei Jungs aus Missouri an die Show, setzten immer wieder bunte Brillen auf und hüpften damit über die Bühne. Kein Wunder, dass die Band zu den aktuellen Lieblingen von BOYSETSFIRE gehören sollen.

radkey

Die Gastgeber des Familientreffens legten mit „After The Eulogy“ gleich los und zeigten sofort, dass noch immer mit ihnen zu rechnen ist. Schnell folgten „Requiem“, „Never Said“ und „Handful Of Redemption“. Insgesamt spielten sich die Herren wild durch sämtliche Alben und auch die neue Single „Cutting Room Floor“ kam nicht zu kurz. Leider blieb es dabei und so wurden die Hoffnungen auf weitere Songs des kommenden Albums nicht erfüllt. Dafür gab es viele Lacher, nicht nur, weil sich Gray, Istvan, Latshaw, Ehrenbrand und Pelic gerne mal gegenseitig auf die Schippe nahmen und immer wieder auf ihr Alter anspielten, sondern auch weil die Technik nicht immer das machte, was sie eigentlich sollte. Vor allem die Mikrofone bzw. Monitore waren häufig nicht zur Zufriedenheit von Nathan Gray eingestellt, sodass dieser immer wieder rumfuchtelte, um den Soundmann um Korrektur zu bitten. Zwischen den Songs erklärte Gray dann immer wieder die Situation, schmunzelte und nahm die Proberaumsituation mehr oder minder gelassen hin. Mit „Empire“ wurde das Set, dass am Folgetag, beim eigentlichen Festival, fast identisch war, beendet.

Family First Festival (21.08.2015, Palladium, Köln)

Welchen Stellenwert BOYSETSFIRE und ihr Festival haben, bewiesen nicht nur die hochkarätigen Supports mit SENORE MATZE ROSSI, NEW DEADLINE (beide mit Akustik-Sets), WAR ON WOMEN, ADAM ANGST, FUNERAL FOR A FRIEND und CHUCK RAGAN, sondern auch, dass der WDR Rockpalast das Spektakel im Live-Stream übertrug. Wahrscheinlich war es dem angenehm sonnigen Wetter und dem frühen Freitagnachmittag geschuldet, denn das mit 4000 verkauften Tickets restlos ausverkaufte Palladium füllte sich erst bei ADAM ANGST so richtig. Die Jungs, die FRAU POTZ längst vergessen lassen haben, überzeugten musikalisch vielleicht nicht jeden, trafen mit ihrer Message bezüglich der aktuellen Flüchtlingsthematik, vor allem mit „Professoren“ den Nerv des Publikums. FUNERAL FOR A FRIEND sorgten dann für den ersten Circle Pit, sorgten ansonsten aber für wenig Überraschungen. Sänger Matt Davies, ein zweifellos sympathischer Charakter, klang gewohnt heiser und kämpfte sich durch Songs wie „Roses For The Dead“, „Juneau“ oder auch „1%“ von der aktuellen Platte „Chapter And Verse“. Mit CHUCK RAGAN gab es dann wieder ein ruhigeres, aber dafür sehr mitreißendes Kontrastprogramm. Der HOT WATER MUSIC-Fronter, der mit seiner markanten Stimme immer für Aufsehen erregt, hatte an diesem Abend seine Freunde von THE CAMARADERIE im Schlepptau und sorgte so für ein Folk-Fest. Highlight des Auftritts war natürlich vor allem das HWM-Cover „Drag My Body“, welches Ragan alleine mit Gitarre vortrug.

BSF1

BOYSETSFIRE können „klein“, was sie am Vorabend bewiesen, fühlen sich aber auf der größeren Bühne noch etwas wohler. Als der riesige Banner, der die Bühne verhüllte, fiel, war bei „After The Eulogy“ kein Halten mehr. Von jetzt auf gleich suchte man vergeblich nach Atemluft, was manchem schnell auch zu viel wurde. Auf der Bühne sprangen Gray und vor allem Basser Ehrenbrand durch die Luft und animierten das ohnehin schon äußerst wache Publikum zum Gas geben. Wie zuvor angesprochen gab es wenige Überraschungen für Besucher des Pre-Fests, außer die beiden Akustik-Versionen von „With Every Intention“ und „(10) and Counting“. Letzterer wurde zusammen mit CHUCK RAGAN vorgetragen – ein Gänsehaut-Moment. Wie auch im Gebäude 9 kam „US-Bassist“ Chris Rakus zu“ Vehicle“ auf die Bühne, was Gray mit folgenden Worten kommentierte: „My nightmare – two bass players on stage.“ Auch an diesem Abend waren BOYSETSFIRE, wen wundert’s, äußerst gut gelaunt, spielfreudig und wiesen sich immer mal wieder auf gemachte Fehler während der Songs aufmerksam. „The most unprofessional band on this planet“, behauptete Gray – eine sehr sympathische sind sie definitiv und nach dieser großartigen Show, ist sich zu wünschen, dass die Band noch ein paar Jahrzehnte so weitermacht.

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