
Bruce Dickinson (Iron Maiden) über Backing Tracks: „Wir machen da nicht mit. Wir sind altmodisch und ich glaube, dass sich das auszahlt“
Pure f*cking Metal.
Wenn unsere Tamara nicht gerade mit ihrem Master in Musikjournalismus eingespannt ist, versorgt sie die Leserschaft mit Rezensionen und Interviews rund um Bands, die eigentlich nur noch unsere Eltern hören. Zu ihren Lieblingsfreizeitbeschäftigungen gehören Till Lindemann und Wacken. Sieht man sie nicht im Club oder durch einen Moshpit tanzen, steht sie hinter dem Tresen und mixt unverschämt gute Cocktails, um mit Freuden ihre Freunde abzufüllen. Neuerdings versucht sie sich auch als Pflanzenmutti und an der E-Gitarre. Ganze 3 Akkorde beherrscht sie schon, einer Karriere in einer Punkband würde also nichts mehr im Weg stehen.
Es ist ein hochbrisantes Thema in der Welt der handgemachten Musik: Backing Tracks. Viele Bands nutzen sie, die meisten behaupten aber, davon nie und nimmer Gebrauch zu machen. Auch der Iron Maiden-Frontmann Bruce Dickinson hat seine Meinung dazu. Diese tat er nun in einem Interview mit dem australischen Radiosender Triple M. kund.
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Iron Maiden zählen zu den Urgesteinen der Heavy Metal-Szene. Sie stammen somit aus einer Zeit, in der technische Spielerien auf der Bühne vollkommen uninteressant waren. Zudem zeichnet sich das Genre auch durch eine gewisse Authenzität und Rohheit aus, die ihre Vertreter bis heute zelebrieren. Zumindest ist das der offizielle Tonus. Dass nicht immer alles Gold ist, was aus den Lautsprechern kommt, beweisen allerdings auch immer mehr Konzert-Videos, bei denen mal euphorisch das Publikum angefeuert wird, während der Bass nur als rockiges Accessoire dient.
Iron Maiden: Hausmannskost statt Sterne-Friemeleien
Auch Bruce Dickinson, Sänger von Iron Maiden, hegt natürlich eine äußerst kritische Meinung zum Thema Backing Tracks, also Gesangs- und Tonaufnahmen, die während der Auftritte vom Band abgespielt werden. Selbstverständlich gehe bei den Heavy Metal-Vorreitern alles komplett „true“ zu – das heißt, keine Backing Tracks, keine tiefer gelegten Gitarren- und Basspuren, keine Einbußen an Tempo oder andere Kinkerlitzchen.
Der Antwort des Frontmanns ging allerdings eine ganz andere Frage voraus. Demnach hatte der Moderator Dickinson nach der dicken Setlist der aktuellen Tour gefragt, was er zugegebenermaßen etwas unglücklich formulierte. Daraufhin scherzte Dickson ironisch „Schon komisch, dass die Leute die Musik feiern, oder?“ und holte dann etwas weiter zu einem Vergleich von Maidens Musik und Lebensmitteln aus:
„Ich weiß es klingt nach einem komischen Konzept – Menschen gehen zu einer Show, um sich die Musik anzuhören. Aber wir sind nun mal keine Fashion-Ikonen. Wir sind keine Michelin Sterne-Küche, wir sind Fleisch und Kartoffeln! Wir sind geradeheraus, deshalb kommen die Leute. Nicht die Songs sind es, aber wir sind es. Wir spielen die Songs immer noch in der selben Tonlage, stimmen nichts herunter. Wir spielen immer noch zu schnell, weil wir Bock drauf haben. Wir haben noch nie zu Klicktracks gespielt oder zu Timecodes.
Ich sehe oft Bands und denke ‚Warte, du hast gesungen, obwohl sich deine Lippen gar nicht bewegt haben‘. All diese Backing Vocals schwirren gerade herum – von links nach rechts, von vorn und überall. Aber wir machen da nicht mit. Alles ist analog, alles ist real. Wir sind da oldschool. Und ich glaube, dass sich das auszahlt. Weil das Publikum versteht, dass es immer weniger Realität gibt.“
Oldschool wie eh und je
Einem gestandenen Metaller wie Bruce Dickinson kann man eben nichts mehr erzählen. Für alle Fans der Band, die es sowieso schon vermutet haben, steht jetzt also fest: Alle Konzerte der diesjährigen „Future Past“-Tour waren hundertprozentig handgemacht. Und bei der Ansage lässt sich davon ausgehen, dass sich dies in Zukunft auch nicht ändern wird.
Nachdem die Briten nun ihre letzte Tournee abgeschlossen haben und mit einem Auftritt auf dem Power Trip Festival finalisierten, bleibt abzuwarten, wie es für Iron Maiden weitergeht. Das aktuelle Album „Senjutsu“ erschien 2021. Ihr Frontmann lässt jedenfalls in klassischer Dickinson-Manier nichts anbrennen und kündigte zuletzt für 2024 ein neues Solo-Album an. „The Mandrake Project“ erscheint Anfang 2024 und soll mit einer Tournee durch Brasilien und Mexiko gekrönt werden – natürlich auch alles Backing Track-frei!
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Foto: John McMurtrie / Offizielles Pressebild



