Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Quinten Quist
Und auch das Publikum wurde wacher und man hatte das Gefühl, daß nicht wenige der Anwesenden Misery Signals als persönlichen Headliner betrachteten. Textsicher standen einige Gäste in der ersten Reihe und schrien zusammen mit Jesse ins Mikro.
Misery Signals lieferten Energie pur mit einer unglaublichen Präsenz. Das dürfte zweifelsfrei auch dem aus Panama stammenden Fan aus Finnland gefallen haben, der extra für diese Show nach Köln gereist war. In meiner Begeisterung (und Konzentration, mit der Kamera keine Sprünge zu verpassen) kann ich mich nicht mehr 100% daran erinnern, ob Jesse „Sunlifter“ als neuen Song (ursprünglich eine 7″ von 2016) ankündigte oder ein Song auf der geschriebenen Setlist fehlte, den die Band „heimlich“ eingebaut hatte. Nichtsdestotrotz wäre es nach sechs Jahren seit dem letzten Longplayer „Absent Light“ an der Zeit, neues Material zu veröffentlichen. Nach 40 Minuten verließ die Band unter großem Applaus die Bühne und überließ dem Co-Headliner Darkest Hour die Bretter.
Darkest Hour
Jetzt wachte das Publikum auch richtig auf und es wurde klar, daß Darkest Hour und Unearth die Halle an diesem Abend regierten. Kein bisschen leise, kein bisschen langweilig, Darkest Hour boten das volle Metalcore-Showprogramm. Als Tourgitarristen hatte man sich Fernando Di Cicco bei Dreamshade ausgeliehen. Der schlanke und hochgewachsene Italiener konnte schon mit seiner Band kürzlich im Vorprogramm von Don Broco mit allerlei Spirenzchen unterhalten und technisch überzeugen.
Bassist Aaron Deal überraschte mit rosafarbenem Bass zu weißem Shirt in Kombination mit Metalmähne, langem Bart und Septum. Erfrischend, wenn sich entgegen einiger Nachwuchskapellen die alte Schule des Genres selbst nicht so bierernst nimmt. Apropos: Bier floss nicht nur reichlich die Kehlen der Gäste runter, sondern bildete auch ozeangroße Lachen vor der Bühne und tropfte nach Becherwürfen von der Decke. Wer die Essigfabrik kennt weiß, wie ungünstig Flüssigkeiten in Verbindung mit der Metallplatte vor der Bühne sind. Und so segelte ein Fan nach dem anderen entweder aus dem Moshpit oder Circle Pit heraus auf den Boden, wurde jedoch immer wieder aufgehoben. Auch Eiskunstlaufimitationen waren zu sehen.