
Linn glänzt nicht nur mit seinem gekonnt-genervten Gesichtsausdruck, sondern auch mit seiner absolut überschwänglichen Art. Bei MoreCore steht er vor, neben und hinter der Kamera, haut von Zeit zu Zeit in die Tasten oder legt entspannt ein paar Nackenbrecher für den Hardfloor der MC-Party auf. Neben Job, Beruf und Arbeitswelt verliert "Philip" sich in seiner Freizeit in einem der unzähligen RPGs, die er bereits zum 20sten Mal durchgespielt hat, oder präsentiert stolz seine CD-, Kassetten- und Vinyl-Sammlung auf Social Media.
Auch auf die Gefahr hin, mich unbeliebt zu machen, muss ich doch meinem „Grumpy Old Dude“ freien Lauf lassen. Aktuell plagt die Konzertkultur, neben einem Überangebot und einem dadurch resultierenden Desinteresse, eine weitere Krankheit, die ich vor ein paar Jahren selber noch unterstützt habe: Handyaufnahmen.
Egal welche Richtung oder Größe von Konzert, Handys sind ständig Teil des Bildes vor der Bühne. Dabei spreche ich nicht von ein paar kurzen Bilder als Erinnerung, sondern von den Jungs und Mädels die mit einer eisernen Ausdauer ihren Arm für drei (oder mehr) Minuten kerzengerade nach oben halten.
Alles für ein Video auf ihrem Youtube-Kanal, Instagram oder Facebook-Profil. Aber was hat dieser „Rant“ mit dem THE DILLINGER ESCAPE PLAN-Konzert zu tun? Dazu komme ich noch, aber erstmal ganz von vorne:
TDEP sind seit 1997 unterwegs und zählen zu den Urgesteinen der 90er Metal- und Rock-Szene. Auf mittlerweile sechs Alben und sieben EPs überzeugten sie über die Jahre mit ihrem sehr eigenwilligen Stil und Sound. Dabei durchbrachen sie immer wieder musikalische Grenzen und zeigten eine gewissenhafte Kompromisslosigkeit bei ihrem Songwriting. Sie prägten nachweislich diverse Musiker und gehören heute zu einer der respektiertesten Bands der extremen Musik. Ihr letztes Album „Dissociation“ erschien Ende 2016 und sollte auch ihr letztes Album sein. Mit einer Abschiedstour Anfang 2017 wollten sich THE DILLINGER ESCAPE PLAN von ihren europäischen Fans verabschieden, mussten diese aber aufgrund eines Autounfalls abbrechen. Im Sommer kamen sie nun wieder um die ausgefallenen Daten nachzuholen, darunter auch die Show im Kölner Gloria Theater. Support dafür waren die beiden Bands GOD MOTHER und THE NUMBER TWELVE LOOKS LIKE YOU.
Pünktlich um 19:30 Uhr begann das Konzert mit der ersten Band . In einer perfekten Welt spiegeln Supports einen Teil der Headliner wieder und das machten die vier Schweden. Eine Mischung aus Grindcore/ á la NAILS und dem chaotischen Sound von . Diese Mischung kam direkt beim Publikum an. War der Raum auch „nur“ gut gefüllt, ging vor der Bühne bereits die Party ab. Auch auf der Bühne gab es viel Bewegung und Interaktion, aber nur ein paar kurze Ansagen. Sänger Sebastian ließ es sich gegen Ende nicht nehmen, einen Abstecher ins Publikum zu machen. Ein guter Start für das, was noch kommen sollte.