Live

Deathcore

Live bei: Suicide Silence „Virtual World Tour“ in Stuttgart (09.07.2020)

Ein virtuelles Konzerterlebnis, das es in sich hat.

VON AM 14/07/2020

Für diesen Abend bin ich sowas von ready! Seit einer gefühlten Ewigkeit ist endlich mal wieder ein Konzert geplant. Und dann auch noch Suicide Silence!

Eigentlich hätte ich die Band vor knapp einer Woche auf dem Full Force Festival gesehen, aber daraus wurde natürlich dieses Jahr nichts.

Mein letztes Konzert war im Februar 2020 und ich bin wirklich auf Entzug. Ich kann auch diese Live-Streams mit schlechtem Bild und noch schlechterem Ton wirklich nicht mehr sehen. Die Idee ist toll, aber leider vermiest mir die Umsetzung meistens den Spaß an der Sache.

Im Gegensatz dazu versprechen uns Suicide Silence ein professionelles Konzerterlebnis mit gutem Sound und Multicamera-System. Pünktlich um 19 Uhr sitze ich also mit meiner liebsten Konzertbegleitung und einer Flasche Bier vor dem Fernseher.

Suicide Silence bieten ein spaßiges, virtuelles Konzerterlebnis

Suicide Silence betreten die virtuelle Bühne und schon direkt beim ersten Song wird mir klar, dass die Jungs nicht zu viel versprochen haben. Die Band spielt in einem großen, dunklen Raum und durch die gelungene Lichtshow habe ich direkt das Gefühl, auf einem Konzert zu sein.

Die verschiedenen Kameras fangen jeden Moment gut ein und die ganze Produktion an sich wirkt sehr hochwertig. Man merkt, dass hinter diesem Konzept viel Vorarbeit steckt und ich finde es mehr als gerechtfertigt, dass für diesen Stream Geld verlangt wird.

Suicide Silence

Expectation vs. Reality

Zum einen unterstützt man die Band an sich, zeigt zum anderen aber auch Wertschätzung für das, was sie da auf die Beine gestellt haben. Zusätzlich bekommt ein tolles und qualitativ hochwertiges Ergebnis geliefert, das mich in dieser Zeit zumindest ein wenig über die ganzen abgesagten Konzerte hinweg tröstet.

Während des gesamten Konzerts sieht man jedem einzelnen Bandmitglied an, wie viel Spaß es ihnen macht, endlich wieder auf einer „Bühne“ zu stehen. Als die Band „Unanswered“ anspielt, hält auch mich nichts mehr auf dem Sofa. Der letzte Moshpit ist einfach schon viel zu lange her.

Auch wenn es nicht das Gleiche ist, nach so langer Zeit bekomme ich selbst von dem bisschen Rumgespringe auf Socken in meinem Wohnzimmer direkt Konzert-Vibes.

Suicide Silence

Sänger Eddie Hermida heizt die Menge mit wohnzimmertauglichen Sprüchen wie „slam your pillow against your parents door“ an und motiviert die Zuschauer immer wieder, auch im Chat auszurasten.

Natürlich ersetzt so ein Live-Stream kein normales Konzert, aber zu wissen, dass so viele Leute gleichzeitig mit mir diesen Stream schauen und die Band für uns spielt, gibt mir trotzdem das Glücksgefühl, das jeder Konzertgänger kennt.

Nach jedem zweiten bis dritten Song gibt es eine kleine „Werbepause“ mit eigens für den Stream produzierten Werbespots. In jedem Spot tritt immer ein Mitglied der Band auf und performt einen kleinen Sketch. So sieht man Gitarrist Chris Garza als Star einer Kochsendung, Gitarrist Mark Heylmun als meditierenden Yogi oder Bassist Daniel Kenny, wie er zu 90er Techno abgeht.

Diese kurzen Spots haben mich jedes Mal so zum Lachen gebracht und ich hoffe sehr, dass sie irgendwann für jedermann, auf welcher Plattform auch immer, hochgeladen werden.

Suicide Silence

Während einer der kurzen Pausen konnte außerdem abgestimmt werden, welcher Song als nächstes gespielt wird. So hat „Skin Tight“ vom aktuellen Album „Become The Hunter“ ganz knapp gegen „Destruction of a Statue” aus dem Jahr 2007 vom Album „The Cleansing“ gewonnen. Dieses Voting ist wohl der endgültige Beweis, dass Suicide Silence ihr Comeback geschafft haben und mit ihrem aktuellen Album bei den Fans wieder ganz oben stehen.

Nach zehn Songs und einem guten Mix aus alten Klassikern, aber auch neuen Songs, ist das Konzert auch schon wieder vorbei. Als Bonus folgt aber nach einer kurzen Pause ein Live-Q&A, in welchem die Band Fragen aus dem Chat beantwortet. Hier geht es von der Frage nach der Lieblingspizza über die liebste Stadt in Deutschland bis hin zu Fragen nach der Quarantäne-Zeit der Band „während Corona“. Diese kleine Fragerunde schließt das Paket gut ab und man merkt, wie viel Freunde die Band selbst an dieser Tour hat.

Suicide Silence

Insgesamt war es ein sehr gelungener Abend. Meiner Meinung nach hätten Suicide Silence gerne auch noch etwas länger als 45 Minuten spielen können, aber bei zwei Shows am Tag, die die Kombo jeweils während ihrer virtuellen Tour spielen, ist mehr vermutlich einfach nicht drin.

Ich bin wirklich beeindruckt von der Produktion und der Mühe, die hinter dem Projekt stehen und die Kombination aus ballernder, böser Musik, extrem witzigen Einspielern und einer gut gelaunten und sehr sympathisch wirkenden Band. Das alles hat das Ganze zu einem sehr besonderen Konzerterlebnis gemacht.

Danke für diese Show und danke dafür, dass ich endlich wieder das Glücksgefühl eines Konzerts erleben konnte.

Beitragsfoto im Auftrag von MoreCore.de: Karoline Schaefer (Cat Eye Photography)

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