FJØRT spielen an diesem Wochenende ihre ersten Shows nach dreijähriger Pause. Das letzte Mal standen sie während des Festivalsommers 2019 vor Publikum auf der Bühne. “Das ist natürlich krass. Man weiß gar nicht mehr, was dieses Gemeinschaftsgefühl ist, wenn man gemeinsam Musik abfeiert, statt dass wir drei uns nur gegenseitig anschreien”, beschreibt Sänger und Gitarrist Chris Hell seine Gefühlswelt am Tag vor den Shows in Köln. “Dass eine Band wie wir auch einfach nach über 2,5 Jahren wiederkommen kann und die Leute dermaßen Bock darauf haben und die Shows ausverkaufen. Das macht es uns natürlich super easy wieder live zu spielen”, fügt Bassist und Sänger David Frings hinzu.
Gerade vor dem Hintergrund, dass es die Live-Branche, vor allem in der Szene, gerade sehr schwer habe, sei man dahingehend sehr privilegiert und das sei ihnen auch sehr bewusst. Verkehrte Welt. War die Nachfrage nach Veranstaltungen in den vergangenen beiden Jahren sehr hoch, so scheint das Interesse, vor allem nach kleineren Konzerten und Festivals, derzeit eher begrenzt zu sein. FJØRT gelingt jedoch das Kunststück bis zum Veranstaltungstag ganze sieben von acht Konzerten schon im Vorfeld auszuverkaufen. Die meisten davon sogar kurz nach Vorverkaufsstart. Doch völlig überraschend war dies eigentlich nicht.
Seit ihrer Gründung 2012 hat sich das Aachener Trio eine ordentliche und vor allem treue Fanbase aufbauen können. Treue. Eine Eigenschaft, die auch auf die Band selbst zutrifft. FJØRT stehen seit ihrer Debüt-EP “Demontage” (2012) für einen düsteren, melancholischen, teils schwer verdaulichen Post-Hardcore Sound. Irgendwo zwischen den frühen Pianos Become The Teeth, Birds In Row und Escapado, aber eben auf Deutsch, was die Zielgruppe im Zweifel noch viel spitzer macht. Dafür war die Band umso fleißiger und spielte seither unzählige Konzerte und Festivals. Von 5-Euro-Gigs im AZ bis zum Highfield, Hurricane und Southside Festival. In Deutschland, Polen, Kroatien und Italien. In Rumänien, Österreich und der Schweiz. So sind die “Ein Tag. Alle Platten”-Shows nicht nur ein Rückblick auf die Musik. Vielmehr auch der Weg von den JuZes auf die größeren Bühnen. Eine Karriere in vier Shows.
Ein würdiger Auftakt: „Demontage“ im Grünen Jäger
Im Grünen Jäger feiern FJØRT einen sehr intimen Auftakt. Über eine Treppe gelangt man ins Obergeschoss, in dem sich kurz nach Einlass schon einige Leute zusammengefunden haben. Unten kann man die Band noch im offenen Backstage dabei beobachten, wie sie Freund:innen und alte Bekannte begrüßen. Ohnehin wirkt alles wie ein einziges Familientreffen. Viele Gäste scheinen sich zu kennen. Es wird sich herzlich umarmt. Die Stimmung ist gut. Der Konzertraum, die sogenannte „Jägerlounge“, ist quasi ein Dachboden. Es ist dunkel und eng. Die Bühne quasi nicht existent. Der Sound allerhöchstens in Ordnung. “Bitte verzeiht die leise Anlage. Hier spielen normalerweise nur Pop-Rock-Bands, wozu wir uns natürlich auch zählen”, wirft David zwischen zwei Songs lachend ein.
Mit havarii. aus Hamburg spielte man damals die erste Tour. Acht Dates. Unter anderem auch im Grünen Jäger. Es sind diese kleinen Geschichten, die die Zeitreise so anschaulich machen. Die Kontext geben, warum das Ganze hier etwas Besonderes ist. Dass man sozusagen wieder nach Hause an alte Wirkungsstätten kommt. Dazu passt auch der Einlassstempel, der damals zur Veredelung der “Demontage” CDs verwendet worden sei, heute aber vor allem als Trophäe dient. Als Nachweis für das Erreichen der jeweiligen Etappe werden noch drei weitere folgen. Ein Traum für Sammler. Mit ihren sechs Songs liefert die „Demontage“-EP die Basis für ein recht kurzes Set. Ein Appetizer für das, was noch folgen soll.