
Text: Musiker durch und durch. Ein Leben ohne Mucke machen, hören und live erleben, gibt es für Malin nicht. Dementsprechend ist Musik auch Malins Lieblings-Gesprächsthema. Und damit er seinem Umfeld damit nicht zu sehr auf die Nerven geht, schreibt er einfach für MoreCore. Die neuesten Alben von altbekannten und gefeierten Artists, vom Underdog aus dem Nischengenre, von lokalen Konzerten oder den großen Festivals – you name it – Malin wird euch etwas dazu erzählen. Als Schlagzeuger, Musiklehrer und Student der sozialen Arbeit findet er, dass man Musik und Menschen nicht trennen kann oder sollte, denn nichts macht Musik schöner, als die Gemeinschaft und das Miteinander. Wenn er euch nicht gerade von seiner Plattensammlung berichtet, probt und schreibt er wahrscheinlich mit seiner Band Small Strides, stopft sich den Bauch mit Guacamole voll oder steht am Fenster und beobachtet die Hunde in der Nachbarschaft.
Zwischen Schwere und Tanzbarkeit.
Der heutige Konzertabend sollte etwas früher starten als gewohnt. So fanden sich eine Handvoll an Leuten bereits um 17:30 Uhr im Kölner POPSUB ein, um sich die Akustiksession von Citizen-Sänger Mat Kerekes in intimster Atmosphäre zu genehmigen. Das “If You’re Lonely”, “Thin Air” und “Flowerchild” umfassende Set ging fast schon ein wenig zu schnell rum, wurde aber zum Glück noch durch eine ausgiebige Signing Session ergänzt. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht unterschrieb die sympathische Band stapelweise Vinyl und saugte die Vorfreude ihrer Fans auf das heutige Konzert genussvoll auf.
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Ein Falafeldürüm und eine Fahrt nach Mülheim später folgte zwischen dem Club Volta und dem Carlswerk Victoria eine kleine Challenge: So musste man geschickt um die Schlange für Singer-Songwriterin und Schauspielerin Reneé Rapp herum manövrieren, die zeitgleich die größere der beiden Venues bespielen durfte. Citizen-Gitarrist Nick Hamm erzählte später scherzhaft, dass ihnen der Anblick der Menschenmenge das Gefühl gegeben habe, “die größte Band der Welt zu sein”. Aber auch wenn das Ganze als Witz gemeint war und solche Fragen nicht beantwortbar sind: Die Emo-Lieblinge vollzogen eine musikalische Gratwanderung, die vielleicht wirklich nur “die größte Band der Welt” schaffen könnte.
Drug Church
Bevor wir uns aber hier in zu gewagten Hot Takes verzetteln, reden wir einfach mal kurz über Drug Church, die den Abend mit einem ausgiebigen 45-Minuten-Set eröffnen durften. Das taten sie auch gleich mit verdammt viel Druck und gaben dem feierwütigen Publikum die volle Dröhnung ihres von Grunge- und Post-Punk-Elementen durchtränkten Hardcoresounds auf die Ohren. Apropos Party: Nicht zu stoppen waren die Mitglieder der Hardcore-Band Hippie Trim, die sich für ihre Bewegungsfreude und ihre zahlreichen Stagedives einen liebevollen Shoutout von Sänger Patrick Kindlon einfingen. Gut aufgewärmt und warm getanzt, entließen uns die US-Amerikaner ins Hauptprogramm.
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Philipp Mirschel (Stray.View Photography)
Citizen
Knapp fünfeinhalb Jahre ist es her, seitdem uns Citizen das letzte Mal gemeinsam mit The Story So Far beehrt haben. Kein Wunder also, dass die Stimmung auf den Siedepunkt hoch kochte, während die ersten Töne von “Hyper Trophy” erklangen und gleich im Anschluss zu “Jet” eine ganze Riege an Stagediver:innen ihren Abflug von der Bühne wagte. Für den heutigen Abend hatte sich das Quintett hauptsächlich Tracks ihrer beiden aktuellen Platten “Calling The Dogs” (2023) und “Life In Your Glass World” (2021) eingepackt, die hier bisher noch nicht betourt wurden. Aber auch “Youth” (2013) – dessen Release sich erst vor Kurzem zum zehnten Mal jährte – bekam eine nachträgliche Geburtstagsfeier serviert.
Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Philipp Mirschel (Stray.View Photography)
Das Beeindruckendste an der gesamten Show war mit Sicherheit, wie gekonnt Citizen es schafften, zwischen verschiedensten Stimmungen hin und her zu wechseln. Trotz der Leichtfüßigkeit von Songs wie “When I Let You Down” oder “I Want To Kill You” verloren die traurigen Momente wie “The Night I Drove Alone” nicht ihre emotionale Schlagkraft. Zur Halbzeit wagte sich die Band sogar an das stimmungsvolle “Yellow Love”, das mit der lichttechnischen Inszenierung einen Sog entwickelte, dem sich niemand im Raum mehr entziehen konnte. Im Kontrast dazu beschwor der 2-minütige Brecher “Dogs” schon regelrechtes Hardcore-Feeling herauf und sorgte sogar für ein wenig Side-to-Side-Action.
Wie Citizen hier vier Alben und dreizehn Jahre des Musikmachens in einem Abend verpackt haben, ist nicht “mal so eben” gemacht. Nur wenige Bands würden es schaffen, ein Publikum innerhalb eines Konzerts zum tanzen, lachen und weinen zu bringen. Dazu, in lauten Momenten gemeinsam Energie rauszulassen und in ruhigen Momenten wieder den Weg zurück zu sich selbst zu finden und die ekstatische Wirkung der Musik zu genießen. Der ausverkaufte und fantastisch klingende Club Volta, die Abwesenheit eines Wellenbrechers sowie das starke Aufwärmprogramm mit Drug Church taten ihr Übriges. Und so kann man am Ende eigentlich nur auf eine sehr baldige Rückkehr der “größten Band der Welt” hoffen.
Beitragsbild im Auftrag von MoreCore.de: Philipp Mirschel (Stray.View Photography)
