

Ein Abend im Zeichen des Düster-Metals.
Cannibal Corpse rufen zum abendlichen Headbang-Event und die Death sowie Black Metal-Gemeinde folgt. Vor der Essigfabrik in Köln bildet sich eine lange Schlange aus schwarz gekleideten Menschen, denn die Show ist sold out. Neben der Kombo aus Buffalo, New York werden an diesem Abend noch drei weitere Bands live zu erleben sein.
Den Auftakt machen Stormruler, die ebenfalls aus den USA stammen. Eigentlich als Duo bekannt, tritt die Black Metal-Truppe an diesem Donnerstagabend zu viert auf. Ohne Backdrop und Schnickschnack, dafür mit zwei Gitarren und einem fünfsaitigen Bass geben die Mannen direkt zu Beginn ordentlich Gas und heizen der Menge ein.
Während sich die Musiker auf der Bühne größtenteils langhaarig und mit Nieten bepackt einen abschwitzen, wird im Publikum mitgefeiert und ordentlich Bier vernichtet bzw. verschüttet, sodass der Fliesenboden bereits nach der ersten Band nass und rutschig ist. So muss das in der Essigfabrik.
Als zweite Band betreten Ingested aus UK die Stage. Ihrer Version von Death Metal sind die Einflüsse von Grind- und Deathcore anzumerken. Oder um es anders zu sagen: jetzt gehts so richtig ab. Die Menge teilt sich und bei der Wall of Death gibt es kein Halten mehr. Ein bisschen Schwund ist immer und so gehen die Moshpits nicht ohne zeitweise verlorene Schuhe und blutende Nasen vonstatten.
Das gut halbstündige Set von Ingested vergeht bei der guten Stimmung wie im Flug. In seinen Ansagen weist Fronter Jason Evans immer wieder auf den Merch-Stand hin – dank des Brexits werden die Mannen aus Manchester zusehen müssen, dass sich ein Trip über den Kanal lohnt. Die T-Shirt-Preise aller Bands liegen übrigens bei um die 30 Euro.
Mit schwarz-weißem Corpse Paint und mächtigen Schulterpanzern betreten Dark Funeral die Bühne. Ihr Set läuten die aus Schweden stammenden Black Metaller mit der Aussage ein, dass Gott heute nicht hier sei, und bleiben damit ihrer thematischen Linie treu. Unter den Augen und Ohren ihrer fachkundigen Fans geben sie Songs wie „The Secrets of the Black Arts“, „When I’m Gone“ und „Unchain My Soul“ zum Besten.
Insgesamt ist diese knapp einstündige Show deutlich ruhiger, aber eben auch düsterer als die der vorherigen Band. Daher darf es nicht fehlen, dass Sänger Heljarmadr ein umgedrehtes Kreuz in die Höhe reckt. Apropos Gesang, der hätte für meinen Geschmack etwas lauter sein können. Dennoch bekommen die Leute im Publikum seine Ansagen mit, sind wenn gewünscht aktiv dabei und stimmen bei „Hail Satan“-Rufen mit ein.
Nun zum Haupt-Act des Abends: Cannibal Corpse. Als Death Metal Veteranen wissen die US-Amerikaner genau, was sie tun. Und wie Fronter George „Corpsegrinder“ Fisher richtig feststellt, macht ihm in puncto Headbangen und vor allem Propellern so schnell keiner was vor. Dennoch dürften alle Beteiligten an diesem Abend die Nackenmuskulatur gut beansprucht haben.
Ein kleiner Wehmutstropfen sind die teilweise etwas längeren Pausen zwischen manchen Songs, aber Trink- und Verschnaufpausen seien ihnen natürlich gegönnt. Erfreulich ist, dass der Frauenanteil im Publikum gerade für diese Genres ungewöhnlich hoch ausfällt. Das bemerkt auch der Fronter, weshalb er den Ladies einen Song widmet. Ich stelle mir bei solchen Momenten jedes Mal die Frage, ob es wirklich sein muss, das Geschlecht der anwesenden Fans herauszustellen oder ob man nicht einfach gemeinsam und unabhängig von Geschlecht, Alter, Religion und Herkunft einen guten Abend haben kann.
Nichtsdestotrotz holen Cannibal Corpse ihre Fans ab und bieten ihnen eine ordentliche Live-Show. Der Sound ist gut, wer Bock auf Pit hat, kann sich vor der Bühne austoben und für alle gibt es Klassiker-Songs auf die Ohren, die einfach sein müssen. Alles in allem ein gelungenes Konzert.
Setlist: 1. Scourge of Iron 2. The Time to Kill Is Now 3. Inhumane Harvest 4. Code of the Slashers 5. Fucked With a Knife 6. The Wretched Spawn 7. Gutted 8. Kill or Become 9. I Cum Blood 10. Evisceration Plague 11. Death Walking Terror 12. Condemnation Contagion 13. Necrogenic Resurrection 14. Unleashing the Bloodthirsty 15. Devoured by Vermin 16. A Skull Full of Maggots 17. Stripped, Raped and Strangled 18. Hammer Smashed Face