
Hanabie.: „Durch unsere bunte, pop-inspirierte Ästhetik können wir die chaotischen Aspekte unserer Musik besser ausdrücken“
Die „Harajuku-Core“ Girls im Interview zu ihrer EP „Bucchigiri Tokyo“.
Phuong Ly Dao
Wacken, Summer Breeze, Reload – Hanabie. haben den Geheimtipp-Status eindeutig hinter sich gelassen. Doch als Band aus Japan auch Übersee solche Wellen zu schlagen, kommt nicht von ungefähr. Wir durften der farbenfrohen „Harajuku-Core“-Kombo zu ihrem grenzüberschreitenden Hype, ihren Erfahrungen mit deutschem Publikum und natürlich ihrer aktuellen EP „Bucchigiri Tokyo“ auf den Zahn fühlen.
Hanabie.: Von Tokio auf die internationalen Festivalbühnen
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Bedenkt man, dass Hanabie. 2015 in Schulräumen in Tokio ihren Anfang hatten, scheint ihre Erfolgsgeschichte fast schon wie ein Märchen. Vier Freundinnen, die durch ihre gemeinsame Begeisterung für die Visual-Kei-Gruppe Maximum The Hormone zusammen fanden, gründeten eine Band und fanden über die Jahre ihren distinktiven Signature-Sound, der sie eines Tages auf die großen Bühnen Europas bringen würde.
Im Rahmen ihrer ersten, nahezu restlos ausverkauften Headliner-Tour durch Europa spielten sie 2023 zwei Shows in Deutschland, woraufhin letztes Jahr mit Rock am Ring und Rock im Park gleich zwei der renommiertesten Festivals hierzulande folgten. „Wir waren so glücklich und dankbar, mehr Menschen zu sehen, die uns sehen wollten, als wir uns jemals hätten vorstellen können. Dieses Jahr haben wir bereits weitere Auftritte in Deutschland geplant, und diese Festivals haben uns noch mehr Lust gemacht, zurückzukommen und nochmal zu spielen!“, erzählt uns Schlagzeugerin Chika aufgeregt.
Dabei scheinen unsere Festivals einen ganz schönen Eindruck hinterlassen zu haben, wie sie hinzufügt: „[Dort] gab es Attraktionen wie einen Vergnügungspark im Festivalgelände, riesige Dinosaurier und Menschen, die als Dienstmädchen verkleidet waren. Es fühlte sich an, als würden alle das Festival wie eine große Party genießen! In Japan tragen viele Besucher Band- oder Festival-Shirts. Ich fände es toll, wenn es auch in Japan populär wäre, sich auf Festivals zu verkleiden!“
Über das legendäre Wacken und Klischees im Metal
Auch ein Abstecher auf den einzig wahren Holy Ground ist für 2025 bereits eingeloggt. „Wir fühlen uns wirklich geehrt, dass wir eingeladen worden sind, um beim Wacken zu spielen!“, erzählt Bassistin Hettsu bescheiden. Ob ihnen der „Mythos Wacken“ etwas sagt? „Es gibt eine Legende über Wacken? Davon höre ich zum ersten Mal, und das macht mich noch aufgeregter, dort aufzutreten und es herauszufinden!“
Dabei scheinen ihre farbenfrohen Bühnenoutfits, die an den ausgefallenen Stil des Trendviertels Harajuku in Tokio angelehnt sind, auf den ersten Blick mit dem üblichen Dresscode des Metal-Mekkas zu brechen. Vocalist Yukina erinnert sich an die frühen Tage der Band, in denen sie versuchten, dem Bild des ausschließlich Schwarz tragenden Metalfans zu entsprechen. Doch mit den Jahren und der Erfahrung kam auch das Selbstbewusstsein, sich nicht von derartigen Klischees einengen zu lassen. „Durch unsere eigene bunte, pop-inspirierte Ästhetik können wir die chaotischen Aspekte unserer Musik besser ausdrücken und unserer Bandwelt mehr Tiefe verleihen. Es wäre großartig, wenn das einen positiven Einfluss auf die Szene haben könnte!“
”Jeder Song [auf ‘Bucchigiri Tokyo’] fühlt sich wie der Main Character an.“
Hanabie. sind aber nicht nur ein weiterer Beweis dafür, dass man ein Buch nicht nach seinem Einband beurteilen sollte, sondern auch dafür, dass Viralität nicht zwangsläufig auf One-Hit-Wonder schließen lässt. Denn der Weg zu ihrem Track „Pardon Me, I Have to Go Now“, der 2023 auf Social Media um die Welt ging und dadurch den ein oder anderen neuen Fan ergatterte, wurde durch viel Willensstärke und harte Arbeit geebnet. Schließlich liegen zwischen ihrer Debüt-EP „Cherry blossoms are blooming“ (2018), dem darauffolgenden Studioalbum „Girl’s Reform Manifest“ (2021) und letztlich der LP „Reborn Superstar!“ (2023) etliche Erkenntnisse, die sich auch in puncto Songwriting und technischer Umsetzung zeigen.
Nun hinterließen auf „Bucchigiri Tokyo“ – der aktuellen EP der Mädels – sowohl der Erfolg der letzten Jahre als auch die viele Touren ihre Spuren. „Nicht nur in Japan, sondern auch im Ausland aufzutreten, hat unseren Horizont enorm erweitert.“, führt Gitarristin und Co-Sängerin Matsuri hierzu aus. „Es war unglaublich inspirierend, auf Festivals so viele verschiedene Artists live zu sehen, und das hatte eine sehr positive Wirkung auf unsere Musikproduktion.“
Bereits die Singleauskopplungen wie „Metamorphose!“, „Girl’s Talk“ und „OTAKU Lovely Densetsu“ teaserten die Vielzahl an Facetten auf dem Extended Player an. „Jeder Song hat seinen eigenen Charakter und fühlt sich wie der Main Character an.“, nennt Hettsu als einen der primären Unterschiede zum vorangegangenen Release. Ein besonderes Highlight für die Gruppe: Der Zusatztrack „Bonus Guilty Time“, auf dem man erstmals Chika am Mikrofon erlebt!
Von Wohlfühlorten und Frankfurter Würstchen
Nach all den Shows, im Rahmen derer das quietschbunte Quartett in den letzten Jahren die Welt umrundet hat, fragen wir uns natürlich: In welchem dieser Länder habt ihr euch besonders wohl gefühlt? „Jedes Land hat seinen eigenen Charme, aber ich persönlich fand die Schweiz mit ihrer wunderschönen Natur unglaublich beruhigend.“, entgegnet Chika. „Live an einem Ort zu performen, der von Bergen, Flüssen und Tieren umgeben ist, war wirklich beruhigend und erfrischend.“
Obwohl Deutschland da dem Anschein nach mit seiner Landschaft nicht mithalten konnte, hat jedoch so manch kulinarisches Kulturgut einen bleibenden Eindruck hinterlassen – zumindest bei Hettsu: „Ich war überrascht zu erfahren, dass das Hamburger Steak und die Frankfurter Würstchen, die beide in Japan sehr beliebt sind, hier ihren Ursprung haben!“
Ob dies eventuell genug überzeugt hat, um Headliner-Shows abseits der Festivalauftritte zu sichern? Offiziell bestätigt ist zwar noch nichts dergleichen, doch die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Auf die Festivalslots der Power-Kombo können sich die Fans jedoch schonmal freuen – denn diese werden mit Sicherheit farbenfroh, kawaii und richtig schön heavy.
Foto: Hanabie. / Offizielles Pressebild

