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Chaosbay: „Ich dachte, wir machen gute Musik und der Rest fliegt uns einfach zu. Es gehört aber so viel mehr dazu“
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Interview

Chaosbay: „Ich dachte, wir machen gute Musik und der Rest fliegt uns einfach zu. Es gehört aber so viel mehr dazu“

Das Interview mit Sänger Jan beim Summer Breeze Open Air.

Rodney Fuchs/9. Sep. 2023· Aktualisiert 2. April/4 Min.Foto: Lisa Bressmer · @lisa_brss
R

Rodney ist unser wandelndes Musiklexikon. Als Drummer in seinen eigenen Bands sowie aushilfsweise dort, wo gerade Not am Manne ist, hat er zudem ein ausgeprägtes rhythmisches Verständnis. Apropos Rhythmus: Es ist uns schier unbegreiflich, wie er seine Tätigkeiten als Musiker, Booker, Redakteur und Photograph für drei Magazine, freier Journalist, Masterstudent, Food-Blogger, Wein-Connaisseur, Bowle-Barista, Freund und Liebhaber in seinem Tagesablauf untergebracht bekommt. Apropos Wein: Ein Best-of Rodneys wochenendlicher Sprachnachrichten ist zwar nicht geplant, aber auch nicht unwahrscheinlich.


Chaosbay machen momentan mächtig Lärm. Spätestens seit dem Release ihres Album „2222“ sind sie aus der deutschen Metalcore-Szene nicht mehr wegzudenken. Mit Sänger und Gitarrist Jan Listing haben wir auf dem Summer Breeze Open Air über Festivalshows, Band Business und die Zukunftspläne der Band gesprochen.

Erwartungshaltungen für Chaosbay

Mit ihrem Slot auf dem Summer Breeze um 12:20 auf der Wera Tool Rebel Stage hatten Chaosbay die Bürde den Tag zu eröffnen. Mit welcher Erwartungshaltung geht man in einen solchen Slot? „In unserer Phase ist da immer die Einstellung es einfach durchzuziehen, unbeirrt davon wieviele Leute da vor der Bühne stehen. Dass dann plötzlich alles voll ist, ist einfach geil und man ist total geflasht.“

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Der große Unterschied zu gewöhnlichen Clubshows liegt bei Festivals für Jan dort, dass man Leute noch überraschen kann. „Bei Clubshows ist es natürlich umso krasser, dass die Leute nur wegen dir kommen – das ist anders besonders. Aber bei einem Festival kann man Leute komplett umhauen, ohne dass sie von deiner Band je gehört haben. Das ist beides mega geil, aber dieses Jahr genießen wir es sehr, erstmals größere Festivals zu spielen.“

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Reaktionen

Eine Reaktion aus dem Publikum ist Jan besonders im Gedächtnis geblieben. „Wir haben auf einer Show mal einen Song gespielt in dem Refrains auftauchen, die vorher schon mal in anderen Songs zu hören waren. Eine Zeile haben wir gesungen und eine weggelassen. Es gab Leute, die diese Zeile aber von sich aus mitgesungen haben. Das war ein Beweis dafür, dass sie das Album wirklich gut kennen und etwas, das ich nie erwartet hätte. Zum ersten Mal dachte ich mir: krass, die Leute sind ja wirklich am Start!“

Chaosbay
Chaosbay

Bis vor der Pandemie war es ruhig um Chaosbay. Das hing mit einer Bandpause zusammen, die 2015 mit dem Release des Albums „Vasilisa“ einherging. Zu diesem Zeitpunkt war für die Bandmember das Studium vorbei, man zog in neue Städte und sortierte sich neu. „Das haben wir schnell bereut. Nach 2-3 Jahren habe ich den Mut gefasst alle anzuhauen, ob wir nicht eine Tour aus Spaß machen sollen. Da haben wir dann Blut geleckt und beschlossen nochmal anzugreifen.“

Erkenntnisse

Mit zunehmendem Alter und den Erfahrungen der letzten Jahre legten Chaosbay den Beschluss nochmal all in zu gehen. „Es hat sich definitiv ausgezahlt. Wir haben jetzt ein Label, eine Booking Agentur und es wird Jahr für Jahr mehr. Wir konnten die Zeit also insgesamt gut nutzen.“

Chaosbay

Retrospektiv betrachtet bereut Jan jedoch eine gewisse Arroganz, die der Band im Weg stand. „Ich dachte, wir machen doch gute Musik und der Rest fliegt uns einfach zu. Es gehört aber so viel mehr dazu – das mussten wir erst verstehen, dass wir viel mehr machen müssen als ich dachte.“

Mut

Dabei war es vor allem ein Zeitinvestment und der Mut auch Geld in die Hand zu nehmen, um die Band nach vorne zu treiben. Darüber hinaus steckten Chaosbay ihre Energie vor allem in Social Media. Dem klassischen Bild einer Band, die nur Musik macht, trauert Jan dabei etwas hinterher.

„Ich kenn es ja nicht anders, aber etwas mehr Musik machen, wäre manchmal cool. Damals waren die Labels die Gatekeeper, die den Markt reglementiert haben. Man musste entdeckt werden, bevor man überhaupt erst in eine professionelle Richtung gehen konnte und der Markt war deshalb nicht so übersättigt, wie heutzutage. Wenn aber solche Festivalshows, wie auf dem Summer Breeze mit unserer Arbeit dabei rumkommen, dann ist das alles wert.“

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Zukunftsvision

Mit „Revolution“ liefert die Band bereits einen aktuellen Sound in Form einer neuen Single. Für die Zukunft wollen Chaosbay ihren Sound weiter verfeinern. „Ich finde, wir haben die Skills und das Technische unserer Prog-Wurzeln beibehalten, lassen das musikalische aber nur noch selten aus sich kommen – das reicht uns eigentlich auch. Dafür kam der Metalcore-Faktor dazu, der uns wichtiger geworden ist. Wir wollten schon immer große Melodien schreiben und die Massen bewegen. In diese Richtung hat es sich etwas verschoben. Es gibt auch mal kurz auf die Fresse und dann auch richtig, aber prinzipiell braucht es für uns viel Melodie.“

Für 2023 kündigt Jan eine weitere Single an, die auf ein neues Album im nächsten Jahr deutet. Im Zentrum steht eine Weiterführung des typischen Chaosbay-Sounds, der nun noch klarer werde. „Die ‚Boxes‘ EP war etwas vertrackt und crazy, ‚2222‘ war episch und poppig, das versuchen wir zu kombinieren, aber Hits dürfen natürlich nicht zu kurz kommen. Da werden auch die Eindrücke der Festivals mit einfließen.“

Im Herbst geht es für Chaosbay nach einem vollen Festivalsommer für einzelne Headlineshows zurück in die Clubs.

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Fotos im Auftrag von MoreCore.de: Lisa Bressmer (lisa_brss)


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