Review

Alternative Pop-Punk Rock

Kritik: Yungblud - "Idols PT. II"

Innovation oder Recycling?

VON

Nachdem Yungblud uns im Juni 2025 mit dem Britpop-geladenen Idols eine verletzliche Seite zeigte, folgt nun mit Idols II das finale Puzzlestück seines bisher ambitioniertesten „Coming-of-Age“-Werks. Produziert von Matt Schwartz bleibt Dom Harrison auch auf diesem Teil seinem persönlichen Pfad treu, setzt aber verstärkt auf Töne und cineastische Untermalung.

Die Reise durch die Tracklist

Der Einstieg mit „I Need You (To Make The World Seem Fine)“ gibt direkt die Richtung vor. Der Song beginnt gewohnt intim mit einer Akustikgitarre und bleibt insgesamt sehr ruhig. Die bereits aus dem ersten Teil bekannten Streichinstrumente kehren zurück und schlagen die Brücke zum Vorgänger, auch wenn das Stück eigenständig klingt und in einem sanften Instrumental verglüht. Mit „The Postman“ zieht die Energie leicht an, die präsente E-Gitarre erinnert musikalisch an eine Fortsetzung von „Lovesick Lullaby“ oder „Fire“ und liefert eine Melodie, die sich sofort im Gehörgang festsetzt.

 

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Yungblud zieht Feature mit The Smashing Pumpkins an Land

Ein besonderes Highlight der Platte ist die Kollaboration mit den Legenden von The Smashing Pumpkins für eine leicht abgeänderte Version von „Zombie“. Nach dem Erfolg des Originals bringen die Pumpkins hier ihre ganz eigene Note ein, ohne den Song seiner ruhigen, nachdenklichen Grundstimmung zu berauben. Diese Verletzlichkeit zieht sich weiter durch das Album: Der nur 2:15 Minuten kurze Akustik-Track „Time“ wirkt wie ein entblößter Moment der Selbstreflexion. Mit der Zeile „I just need time to figure out who I’m gonna be in the morning“ weckt Dom Erinnerungen an „Change“ vom ersten Album und unterstreicht die thematische Suche nach Identität.

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Eine Reise zurück zu Idols Pt. I

Dass die Grenze zwischen Inspiration und Recycling manchmal dünn ist, zeigt „War Pt. II“. Während die erste Strophe textlich identisch mit dem ersten Teil ist, baut sich der Song durch imposante Streicher zu einer kraftvollen Steigerung auf. Wirkte das Original eher traurig, fungiert die Fortführung hier eher als ein Aufstieg, auch wenn man das Gefühl eines Déjà-vus nicht ganz loswird. Ähnlich verhält es sich mit „Blueberry Hill“. Der mit über fünf Minuten längste Song der Platte beginnt stark wie „Supermoon“, inklusive Doms charakteristischer hoher Stimme. Doch dann die Überraschung: Erstmals ist eine Trompete zu hören und ab Minute 3:50 nimmt der Track eine epische Wendung, die an „Hello Heaven, Hello“ erinnert und sogar Textpassagen von „Change“ integriert. Den Abschluss bildet „Suburban Requiem“, das mit seinen orchestralen Streichern wie gemacht für die großen Open-Air-Momente der kommenden Festival-Saison wirkt. Trotz einer gewissen Monotonie bleibt das Stück angenehm und atmosphärisch.

Foto: Tom Pallant / Offizielles Pressebild

ALBUM
Idols II
Künstler: Yungblud

Erscheinungsdatum: 20.02.2026
Genre: , ,
Label: Locomotion Recordings/Capitol Records
Medium: Streaming, CD, Vinyl, etc

Tracklist:
  1. I Need You (To Make The World Seem Fine)
  2. The Postman
  3. Zombie (feat. The Smashing Pumpkins)
  4. Time
  5. War Pt. II
  6. Blueberry Hill
  7. Suburban Requiem
Albumcover: Yungblud - Idols II
Albumcover: Yungblud - Idols II
7
FAZIT
Yungblud liefert mit Idols Pt. II ein atmosphärisch dichtes und handwerklich sauberes Album ab, das vor allem durch seine emotionale Tiefe punktet. Dom Harrison festigt seinen Stand als Stimme einer Generation, die keine Angst vor Verletzlichkeit hat. Dass der große Aha-Effekt ausbleibt, liegt am Konzept des Doppelalbums: Viele Passagen wirken wie ein (zugegeben sehr schönes) Echo des ersten Teils. Wer mehr Abwechslung und neue Impulse erwartet hat, wird das Gefühl des Recyclings nicht ganz los. Dennoch ist es ein runder Abschluss einer Ära, der vor allem in den ruhigen Momenten seine volle Stärke entfaltet.