Review

AlternativeIndustrial

Kritik: Versus Goliath - "Der Weg nach unten"

Vor gerade mal etwas mehr als einem Jahr erschien ihre Debüt-EP. Nun präsentieren sie bereits ihre zweite. Um wen es ...

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Vor gerade mal etwas mehr als einem Jahr erschien ihre Debüt-EP. Nun präsentieren sie bereits ihre zweite. Um wen es geht? Versus Goliath, ein Dreiergespann aus München, veröffentlichen ihre zweite EP „Der Weg nach unten“.

Sechs Songs enthält sie und erscheint über das bandeigene Label wirwirwir und Sony Music. Und eins lässt sich vorwegnehmen: Diese Stücke lassen sich definitiv hören.

Das Cover der EP ist by the way auch ein sehr tiefgründig zu interpretierender Part. Sieht das für euch nach einer Abwärtsspirale aus? Einer Galaxie im weiten All? Oder doch einem Tunnel mit dem langersehnten Licht am Ende?

Fast poppig startet der erste Song „Sturzflug“. Claps und ein besonders catchy Gitarrenriff holen dich ab, wo auch immer du gerade bist. Der „Popeinschlag“ ist dabei alles andere als negativ intendiert. Trap Hi-Hats und ein Refrain in Halftime nicken im Takt. Das Anfangsriff zieht sich durch den ganzen Song und begleitet uns so von vorn bis hinten. Und gute Laune macht das Ding auch noch! „Ich fühl mich gut“ singt Frontmann Florian Mäteling mit einer Stimme, die stilistisch etwas an Casper erinnert. Der rauchige Sprechgesang zieht einen tiefer in die Materie des EP-Motives: Dass es der Schmerz ist, der es einem letztendlich beweist, dass man noch lebt.

Versus Goliath bringen bringen die Ruhe nach dem Sturm

„Genauso kaputt wie ich“. Diese Worte eröffnen den zweiten Track der EP. „Verloren kaputt“, die erste Single, erinnert mich irgendwie ganz entfernt an „Satisfaction“ von Benny Benassi – kennt ihr den noch? Hier jedoch endet der treibende Beat in einem ruhigen Akustikgitarren-Outro von Andreas Zoeller. In meinem Kopf läuft dazu das Ende eines Apokalypsefilms, wenn die Protagonisten nach ihrem letzten Kampf endlich auf die wundervoll friedlichen Reste der Welt schauen. Am Ende hält der längste Song der EP auch noch Streicher und „Krieg der Welten“-Fanfaren für uns bereit… passt ja zum Bild.

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Der nächste Song bedient sich an altbekannten Bildern. Die selbsternannten Gegner des legendären Kriegers aus dem Alten Testament liefern den opulenten, fast schon epischen angehauchten Song namens „Gott sein“. Man lässt von Abendmahl bis weinwerdendem Wasser kein Klischee unangetastet. Nach einem ruhigen Intro zieht sich erneut ein eingängiges Gitarrenriff durch den Song und wird von schlichten, präzisen Drums von Jonas Keller-May gerahmt. Dazu zu sagen ist, dass dies ein älterer Song der Band ist. Für die EP und durch die Entwicklung der Musiker neu arrangiert und aufgenommen.

Die Leidenschaft des Hass‘

Frontmann Florian macht sich nachfolgend zum Sündenbock unseres scheiternden Schicksals. In „Zerstörer“ beichtet er uns von seiner Rolle als Hass, Zorn und weiteren leidtragenden Aufgaben unserer Welt. Der Sänger hat aber auch noch Weiteres zu verantworten. So ist er nämlich derjenige, der für den jetzt moderneren Sound sorgt: Er lebt nämlich mit einer ausgeprägten Leidenschaft für Vintage-Synthesizer. Und die kommen auf dieser EP bei weitem nicht zu kurz.

Es folgt eine Hymne, geradezu gemacht als Konzertopener. Das lange Intro von „Hoffnung stirbt nicht“ bahnt sich einen leicht epischen Weg zu einem ruhig-bedrohlichen Pianosolo, quasi der Ruhe vor dem Sturm. Durch den Song wird eine wundervolle Stimmung aufgebaut, die es geradezu verlangt, danach brachial eingerissen zu werden:

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Und „Steh auf“, der sechste und letzte Track der EP, verspricht genau das. Mit einem Vibe von Rammstein und dem letzten Ferris MC-Album pusht er dazu, trotz des vorherig düster ausgemalten Bildes von Leben und Überleben, immer weiterzumachen.

Weibliche Backingvocals stechen hauchend und verrucht heraus und geben eine nötige Prise Abwechslung, ebenso wie der geflüsterte vorletzte Refrain, der als Art Bridge dient.
Im schwarz-weißen Video, gedreht im Münchener Gloria Palast, steht (und sitzt) das Trio und liefert eine absolut stabile Performance. Verfeinert wird das ganze, nebst Nebel, durch Glitches und ascheartigem Design auf dem bewegten Backdrop im Endzeit-Style.

Die Münchener entwickeln sich weiter

Mit wirklich weitreichenden Einflüssen haben wir hier eine EP, die bereits um einiges mehr zu bieten hat, als Single Nummer Eins „Der sechste Tag“. Letztere ist nicht herunter zu reden, jedoch haben die Münchener sich mit „Der Weg nach unten“ immens positiv weiterentwickelt. Sowohl in Sachen Härte im Genre als auch vom Arrangement und der aufgebauten Stimmung. Auch mehr elektronische Einflüsse finden hier ihren mehr als berechtigten Platz.

Kurzer Exkurs zum Ende: Natürlich ist heutzutage Instagram der inoffiziell-offizielle Anführer der Social Media-Seiten, aber könntet ihr mir bitte trotzdem mal erklären, warum die Jungs nicht mal 1.000 Facebook-Likes haben?? Da lässt sich doch sicher noch was machen, für die Verschmelzung von Rammstein mit einer sehr düsteren Kraftklub-Version und Casper an der Front!

Foto: Versus Goliath / Offizielles Pressebild

Versus Goliath auf Tour

Derzeit gibt es keine angekündigten Tourdates für Versus Goliath. Sollte ein Termin fehlen, würden wir dich bitten, uns eine E-Mail an info@morecore.de zu schicken, damit wir diese hinzufügen können.

ALBUM
Der Weg nach unten (EP)
Künstler: Versus Goliath

Erscheinungsdatum: 22.01.2021
Genre: , ,
Label: wirwirwir
Medium: CD, etc

Tracklist:
  1. Sturzflug
  2. Verloren kaputt
  3. Gott sein
  4. Zerstörer
  5. Hoffnung stirbt nicht
  6. Steh auf
Versus Goliath Der Weg nach unten
Versus Goliath Der Weg nach unten
7.5
FAZIT
„Nicht angenehm zu hören“, sagt die offizielle Pressemitteilung - "Quatsch", sage ich! Versus Goliath liefern hier eine wirklich gute EP mit erheblicher Tendenz der Weiterentwicklung. Mit einigen weiteren Songs wäre ein Album möglicherweise etwas eintönig geworden, mit knackigen sechs Songs jedoch haben die Musiker hier auf jeden Fall eine Scheibe zu teilen, die sich hören lässt.