Review

DeathcoreModern Metal

Kritik: Turin - "The Unforgiving Reality In Nothing"

Man wird doch wohl noch laut denken dürfen! Und ja, die Wahrheit liest sich wie folgt: Turin – vormals ebenso ...

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Man wird doch wohl noch laut denken dürfen! Und ja, die Wahrheit liest sich wie folgt: Turin – vormals ebenso wenig bekannt unter dem Namen This Is Turin – kennt hier zu Lande tatsächlich noch niemand. Und eben genau diese Turin schicken sich nun an, die Deathcore-Karte mal nicht aus Richtung der USA, sondern von UK aus aufzurollen. Ob das klappt? Wir sagen es mal so: Verdient hätten sie es mit einer solchen musikalischen Leistung. Ob das tatsächlich auch gelingt, bleibt schlussendlich abzuwarten.

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TURIN ÜBERLASSEN BEIM LABELDEBÜT NICHTS DEM ZUFALL

Tatsächlich hat man von Beginn an das Gefühl, Turin meinten es an der ein oder anderen Stelle tatsächlich dann doch zu gut. „The Unforgiving Reality In Nothing“ ist in jedweder Hinsicht auskomponiert. Nichts wirkt so, als stünde es nicht an seinem vorherbestimmten Platz. Begleitet werden die Songs jedoch nicht selten durch Key-Soundflächen, die das durch Handwerk Geschaffene jedoch an so mancher Stelle zu ertränken scheinen.

Natürlich ist das gänzlich atmosphärisch, es gibt dem Sound jedoch in Summe recht wenig Luft. Hinzu kommt, dass deren Schlagzeuger dem Hörer darüber hinaus mit seinen vom zeitlichen Aspekt her tatsächlich ausufernden Doublebass-Salven noch weniger Luft gönnt. Fest steht: Alle Mitglieder des britischen Quintetts sind herausragende Spieler und wissen dies auch gebührend zur Schau zu stellen, nur fragt man sich, ob bei dem von Lewis Johns (Loathe, Rolo Tomassi, Conjurer, Pupil Slicer) produzierten Werk nicht der ein oder andere überfordert auf der Strecke bleibt.

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TURIN SIND IM AUFBAU KONSEQUENT

Das eröffnende „Envy“ benötigt gerade einmal 30 Sekunden bis zum ersten einnehmenden Blast, während dessen die Saiten ebenfalls auf ordentlich Temperatur zu kommen scheinen, wobei der Refrain in seiner musikalischen Beschaffenheit im Anschluss fast schon orchestral wirkt. Garniert werden diese Extreme durch disharmonisch angelegte Gitarren-Soundflächen, welche auch im MidTempo ordentlich Härte versprühen. Eines scheint bereits zu Beginn klar: Aus Prinzip gestalten Turin ihre Kompositionen recht vielschichtig und reihen an mancher Stelle gern einmal Gegensätzliches aneinander. Will sagen: Die Band überfordert den Hörer nicht gerade selten und aus Prinzip mit harschen Tempowechseln und recht unterschiedlichen Instrumentierungen.

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Was im Refrain mit untergehobenen Keys mancherorts noch recht glatt und poliert wirkt, wird im nächsten Moment geradezu schon in Blasts erstickt. Der fünfminütige Titelsong „The Unforgiving Reality In Nothing“ stellt gen Mitte den musikalischen Höhepunkt des Albums und steht quasi symbolisch für die Herangehensweise der Briten. Nach knappen drei Minuten tut sich die Wolkendecke auf und Turin erschaffen ein zuerst noch lediglich aus Gesang und Gitarre bestehende, recht sphärisch anmutende Klangpassage, die wenig später wieder dem Tempo zum Opfer fällt.  Auch „Hopeless Solutions“ schlägt in eben jene Kerbe und ist Zeichen dafür, dass Turin mit diesem Album, das ihnen dank ihres Labeldeals bei MNRK zu weit mehr Bekanntheit verhelfen sollte, musikalisch nichts dem Zufall überlassen.

Foto: Offizielles Pressebild

ALBUM
The Unforgiving Reality In Nothing
Künstler: Turin

Erscheinungsdatum: 12.07.2024
Genre:
Label: MNRK Heavy
Medium: CD, Vinyl, etc

Tracklist:
  1. Envy
  2. Abyssal
  3. I Am The Truth
  4. Apostate
  5. Ghost
  6. Reflections
  7. The Unforgiving Reality In Nothing
  8. Loss
  9. Hopeless Solutions
  10. Our Reality In Nothing
Turin The Unforgiving Reality In Nothing
Turin The Unforgiving Reality In Nothing
7
FAZIT
„The Unforgiving Reality In Nothing“ kommt überraschend und ist überraschend überzeugend. Im Spektrum Deathcore haben wir es hier mit einem waschechten Lichtblick zu tun, der das Genre – zumindest mittelfristig – erhellt. Die Frage, ob sich Turin auch auf lange Sicht gegen die US-Schwergewichte werden durchsetzen können, wird noch zu beantworten sein. Doch Vorsicht: Man kann Dinge auch zu gut machen. Die Briten laufen Gefahr, durch ihre auf Hochglanz polierte Produktion und ihre auskomponierten Songs schlussendlich in Summe an Profil zu verlieren. Sollten sie diese Gefahr auch in Zukunft großräumig umschiffen können, dürfte „The Unforgiving Reality In Nothing“ zu einem nicht ganz unspektakulären Achtungserfolg avancieren.