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EmoPop-PunkRock

Kritik: Tigers Jaw - "I Won't Care How You Remember Me"

Balladesk, ruhig und in Singer-Songwriter-Manier beginnt “I Won’t Care How You Remember Me”, das Lied nach dem auch das neue ...

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Balladesk, ruhig und in Singer-Songwriter-Manier beginnt “I Won’t Care How You Remember Me”, das Lied nach dem auch das neue Tigers Jaw-Album benannt ist. Sanft gesellen sich sanfte Klavierakkorde und mehrstimmiger Gesang der akustischen Gitarre und dem Gesang.

Unaufgeregt und sanft beginnt das Album, zumindest bis zu dem Punkt, an dem der Singer-Songwriter-Aspekt von verzerrten Gitarren und einem Tremolo unterbrochen wird. Es dauert zwei Minuten, bis wir in den gewohnten Sound von Tigers Jaw finden, der so wunderschön rockig und eingängig ist, was nicht zuletzt auch an der perkussiven Ausarbeitung der Musik liegt.

Ein bisschen von allem

Dezent punkig, mit treibenden Beats und Akkordfolgen liefern Tigers Jaw auf „I Won’t Care How You Remember Me“ einen abwechslungsreichen Sound, der mit den verschiedenen Elementen wie Synthesizern und Pianoanschlägen erweitert wird und so auf vielseitigen Ebenen überzeugt. Auch die Varianz im Gesang ist, nicht zuletzt durch die verschiedenen Sänger*innen, gegeben.

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Ob treibende Pop-Rock-Songs wie „Cats Cradle“ oder Balladen wie „New Detroit“ – „I Won’t Care How You Remember Me” bietet ein gutes Spektrum an Rock-Songs, die alle auf ihre eigene Art und Weise glänzen können. Oft sind es die Gitarrenmelodien, die wirklich im Kopf stecken bleiben. Aber auch Vocal-Lines, wie die von „Can’t Wait Forever“, prägen sich schnell ein.

Insgesamt sind es die punkigen Songs mit dem wirklich sehr dezenten Hardcore-Unterton (so auch „Hesitation“), der Tigers Jaw besonders steht. Insbesondere in diesen Tracks gelingt es der Band, die Energie und das Pacing besser zu übermitteln, was sich auch in spannenderen Vocal-Lines widerspiegelt.

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„Lemon Mouth“ ist ein Track, der mit seinem uplifting Vibe für Frühlingsgefühle sorgt. Träumerisch verschwommen in den Vocals kitzeln Tigers Jaw auf diesem Song eine gewisse Shoegaze-Komponente heraus, die dem Sound der Band enorm gut steht. Genau solche Songs sind es, die „I Won’t Care How You Remember Me“ zu einem rundum guten Album machen.

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Dieser verwaschene Sound liefert ein wohliges Gefühl und hüllt sich angenehm um die Hörer*innen, die sich getrost in die Arme von „Lemon Mouth“ fallen lassen können.

Der doppelstimmige Gesang steht Tigers Jaw am besten

Auch hier wird die Stärke klar, die entsteht, wenn Sängerin Brianna Collins und Sänger Ben Walsh ihre Stimmen kombinieren. Insbesondere wenn Collins im Hintergrund agiert, schmeichelt sie den Phrasierungen von Walsh, könnte jedoch etwas präsenter hervorblitzen, um den Sound noch weiter zu bereichern.

Ähnlich verhält es sich auch in „Commit“, wo auch aufgrund des Leadgesangs von Brianna Collins ein wenig Paramore-Feeling in der Luft hängt. Mit positiver Stimmung, poppigem Aufbau und Gitarrenriffs, die an das typisch verspielte Paramore erinnern, überzeugen Tigers Jaw und liefern einen starken Ohrwurm ab. Auch „Heaven Apart“ folgt diesem Ansatz, sticht jedoch nicht so klar heraus wie „Commit“.

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Tigers Jaw leben durch die Eingängigkeit ihrer Musik und liefern Songs, die durch unaufgeregte Strukturen und einen rockigen Sound an Zugang gewinnen. Ein wenig fehlt es jedoch an einer experimentellen Komponente, die die Band herausstechen lässt.

Alles in allem ist „I Won’t Care How You Remember Me” eine ziemlich safe Nummer. Safe im Sinne, als dass die Songs unfassbar angenehm, zugänglich und unaufgeregt komponiert sind. Safe aber auch unter dem Aspekt, dass Tigers Jaw große Sprünge scheuen und Elemente des Experimentierens auslassen.

Es wirkt fast als würde sich die Band innerhalb ihres eigens geschaffenen Käfigs bewegen, in dem sie eine große Show aufführt, die die Manege in Euphorie versetzt. Das Highlight, bei dem die Zuschauer in das Treiben jedoch eingebunden werden, bleibt aus. Der Schritt außerhalb des Käfigs fehlt, was seine guten und negativen Seiten hat.

Foto: Rebecca Lader / Offizielles Pressebild von Tigers Jaw

Tigers Jaw I Won't Care How You Remember Me
7
FAZIT
„I Won’t Care How You Remember Me” ist ein Tigers Jaw-Album, das definitiv als Easy-Listening beschrieben werden kann. Dass man sich an die Band und dieses Album erinnern wird, ist definitiv durch die catchy Refrains und poppigen Songstrukturen gegeben. Die richtigen Highlights fehlen dem Album aber, während es eher in den Hintergrund abdriftet, was allerdings nicht zwangsläufig negativ aufgefasst werden muss.

Die meisten Songs sind kurzweilig, erreichen teilweise nicht mal die Drei-Minuten-Marke und sind wirklich leicht zu verdauen. Irgendwo zwischen Pop-Punk, Alternative Rock, Indie und Emo-Rock sind Tigers Jaw eine feste Instanz, die auch auf ihrem neuen Album genau das liefert, was man von der Band erwarten kann. Das war es aber auch, denn sowohl positive als auch negative Überraschungen bleiben aus. Insbesondere in den treibenden Songs spielen Tigers Jaw ihre Stärken voll aus und überzeugen mit dynamischem Drive und einer starken Dosis gute Laune.
/morecorede
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