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Review

Emo Pop-Punk

Kritik: Still Talk - „Year Of The Cat“

Überraschend guter Emo-Pop aus Deutschland

VON

Tanja, Ben, Keren, Michi und Kevin sind eine eingeschworene Gemeinschaft. Würden wir über Hörspiele aus unserer Jugend berichten, dann wären sie vermutlich jene Gruppe superschlauer Schüler*innen mit unterschiedlichen Talenten, die gemeinsam auf Verbrecherjagd geht. Aber hier geht es um Musik und deswegen handelt es sich bei dem Quintett um die Band Still Talk, die mit ihrem zweiten Album „Year Of The Cat“ beweist, dass guter Emopop durchaus aus Deutschland stammen kann.

 

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Traurige Lyrics, fröhlicher Sound

Schon ihr Debüt „St. Banger“ von 2023 sorgte für Aufmerksamkeit und bescherte der Kölner Band gemeinsame Auftritte mit Rise Against und The Warning sowie Slots bei großen Festivals wie Rock am Ring/Rock im Park oder Rocco del Schlacko. Nun legen sie nach und verbinden auf ihrem zweiten Longplayer Stile wie Pop Punk, Indie, Alternative Rock und Emo. Dabei stehen die teils düsteren und traurigen Texte über Zweifel oder Verlust klar im Gegensatz zur eigentlich sehr stimmungsvollen, fröhlichen Musik.

Spannende Ideen

Diese Grundstimmung macht schon das fast opernhafte Intro „YOTC“ deutlich, bei dem man am Ende beinahe bunte Schmetterlinge fliegen sieht, so zart sind die Töne, die angeschlagen werden. Doch wenn Frontfrau Tanja Lührer am Anfang des zweiten Songs „Let’s go“ brüllt, dann ist das der Startschuss für die ziemlich wilde erste Hälfte des Albums. Mit „Ghost“ definiert die Band deutlich, wo sie ihre musikalische Heimat sieht, nämlich im Pop Punk. Und auch wenn direkt klare Parallelen zu Paramore zu hören sind, so tappen die Kölner im Gegensatz zu manch anderer deutscher Pop Punk-Band nicht in die Falle, die internationalen Vorbilder einfach zu kopieren, musikalisch wie auch optisch. Nein, Still Talk haben eigene Ideen, auch wenn nicht jede direkt aufgeht.

Ziele setzen und erreichen

Entstanden sind alle Songs in ihrem selbst erbauten Studio. „Wir hatten schon beim ersten Album das Gefühl, dass wir uns erst unser eigenes Studio bauen müssen, bevor wir anfangen konnten“, sagt Sängerin Tanja. Und in diesem Studio in Köln-Bickendorf, das sie „nummerdrei“ nennen, wollen sie nun ihre Ziele erreichen. Und die scheinen sehr groß zu sein, wie die Frontfrau von Still Talk meint: „Für uns ist es das Schönste, in unserem eigenen Studio Songs zu schreiben, zwischendurch nebenan ins Café zu gehen und zu träumen, wie unser Leben sein könnte.“

Ungewollte oder gewollte Assoziationen

Aber es muss nicht bei Träumen bleiben, denn das Quintett gibt sich ausgesprochen kreativ, wie der Song „When We Were Young“ zeigt, bei dem im ruhigen Mittelteil eine Violine dominiert, was schon sehr an Panic! at the Disco erinnert. Diese Assoziation mag ungewollt sein, doch der Effekt ist in jedem Fall schön und überraschend. Davon hätte es ruhig noch mehr auf dem Album geben dürfen, denn solche mutigen Entscheidungen stehen der Band ausgesprochen gut. Allerdings stehen Still Talk erst am Beginn ihrer Karriere und wir sind sicher, dass sie in Zukunft noch eine ganze Reihe interessanter Sounds entwickeln werden.

Still Talk mit berühmten Vorbildern

Ihren Namen haben sich die fünf Musiker*innen, die sich dazu als beste Freund*innen bezeichnen, übrigens aus dem Song „Let It Happen“ von Jimmy Eat World entliehen. Und genau wie die US-Amerikaner sind auch Still Talk Songs ziemlich geschickt im Power Pop-Stil, was „Blacking Out In TK Maxx“ beweist. Dazu hat sich die Band offenbar auf die Fahnen geschrieben, das Gitarrensolo wieder salonfähig zu machen, denn fast jeder Song beinhaltet eines. Und hier ist es besonders stark. Da könnte die beliebte Ladenkette doch mal einen Werbevertrag oder zumindest ein kleines Endorsement springen lassen.

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Der Grundton ändert sich

Dieser Stil setzt sich fort, denn auch „Don’t Make Me Feel Like A Lobster“ ist ein sehr gutes Power Pop-Stück mit einer besonders eingängigen Gesangsmelodie. Aber dieser Song markiert eine Zäsur, denn nun ändert sich einiges bei dem Album, das wie schon der Vorgänger von Domze Ehrl produziert wurde.

Wildes Genregehoppe

Insgesamt wird der Ton nun ruhiger und Still Talk werden vor allem stilistisch etwas wild. „Not Like That“, ein klassischer Herzschmerz-Song könnte durchaus auf internationalem Level mithalten, leidet jedoch unter dem inzwischen viel zu oft eingesetzten Mülltonnen-Filter auf der Stimme. Zum Glück verschwindet dieser Effekt schnell wieder, aber dennoch wirkt das Lied sehr artifiziell. Bei „Hard Ache“ klingt die Band dagegen, als hätten sie die Titelmelodie einer 90er Jahre-Sitcom eingespielt. Dabei hat das Thema des Songs gar nichts mit Comedy zu tun, denn es geht eher um den Bandalltag zwischen all den Zweifeln, die das Musikerleben mit sich bringt. Hervorzuheben ist hier das langgestreckte Ende mit immer lauten werdenden hellen Synthie-Klängen.

 

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Frauenpower an den Mikros

Nicht ohne Grund ist dann beim Titelsong „Year Of The Cat“ Brond von Just Friends mit dabei. „Wir haben sie nicht nur dazu geholt, weil sie eine talentierte Sängerin ist“, sagt Tanja Kührer. „Sie ist vielmehr eine tolle, starke Frau und die Zusammenarbeit war sehr inspirierend.“ Entstanden ist ein hittauglicher Popsong, bei dem es um das Machtgefälle zwischen den Geschlechtern in der Gesellschaft und vor allem auch in der Musikbranche geht. Hier wird außerdem angedeutet, dass das allgemeine Tempo des Albums ab sofort wieder angezogen wird.

Insgesamt rund

Zwar geht es mit „I Speak Your Language“ erst wieder eher gemächlich los, aber langsam setzen alle Instrumente ein und das Ende des Songs, bei dem die in Österreich aufgewachsene Frontfrau über die kulturellen Unterschiede zwischen ihrem Heimatland und ihrer Wahlheimat singt, entschädigt für die vielleicht etwas zu lange Warterei auf den erhofften Breakdown. Und beim letzten Stück „World Of Talkcraft“ wird die Band endlich auch wieder mutig, denn es werden an ausgewählten Stellen eher unkonventionelle Akkordfolgen benutzt und Sängerin Tanja verfällt fast in einen screamigen Sprechgesang. Das „Year Of The Cat“ im chinesischen Kalender ist zwar erst im Jahr 2035, aber 2025 könnte für Still Talk mit ihrem neuen Album das Year of the Durchbruch werden.

Foto: Offizielles Pressefoto 2025 / Gideon Rothmann

ALBUM
Year Of The Cat
Künstler: Still Talk

Erscheinungsdatum: 21.11.2025
Genre: ,
Label: hithome
Medium: Streaming, CD, Vinyl, etc

Still Talk
Still Talk
7
FAZIT
Mit „Year Of The Cat“ haben Still Talk ein stimmiges Album abgelegt. Die Kölner*innen verfallen nicht in den handelsüblichen Pop Punk-Einheitsbrei, sondern versuchen immer wieder, dem Genre neue Elemente hinzuzufügen. Das gelingt zwar nicht immer perfekt, aber gut genug, um tolle, interessante Songs abzuliefern. Zwischendurch verliert der Longplayer zwar etwas an Fahrt und wird etwas zu ruhig, aber keine Sekunde zu früh löst das Quintett die Bremse und geht mit ziemlich viel Drive nach vorne. Wer sich dieses Album zulegt, wird auf jeden Fall nicht in Katzenjammer verfallen.