Review

PunkrockRock

Kritik: Rise Against - "Nowhere Generation"

Die ersten Zeilen einer Albumreview sind ja in der Regel der Vorstellung der Band gewidmet. Bei Rise Against kann man ...

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Die ersten Zeilen einer Albumreview sind ja in der Regel der Vorstellung der Band gewidmet. Bei Rise Against kann man sich das getrost sparen, denn die vier Herren aus Chicago haben sich seit ihrer Gründung im Jahr 1999 aus dem Untergrund auf die großen Bühnen der Festivals und den Mainstream gespielt haben.

Eine solche Karriere bringt natürlich die Bürde der großen Erwartungshaltung mit sich und so dürften die Fans weltweit gespannt auf Album Nr. 9 sein.

Rise Against über die Sorgen der jungen Generation

Nach kurzem Intro startet „The Numbers“ exakt so, wie man es von Rise Against erwartet. Der Song erinnert an den ständigen Konflikt zwischen denen, die regieren und denen, die regiert werden und zeigt, dass sich Rise Against trotz aller Erfolge nach wie vor der Hardcore- und Punkrock-Szene zugehörig fühlen.

Die Melodie der Lead-Gitarre, getragen von einer wuchtigen Rhythmik, entlädt sich in einer schnellen Strophe, wie sie eben nur von Rise Against kommen kann. Der Chorus ist ebenfalls gelungen und ohrwurm-verdächtig, zündet aber noch nicht ganz so, wie man es vielleicht erwartet hatte.

Auch mit dem zweiten Track „Sudden Urge“ beschreiten Rise Against bekannte Pfade. Instrumental kommt der Song härter als „The Numbers“ daher, doch auch hier bleibt der Refrain ein wenig in seinen guten Ansätzen stecken.

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Dass „Nowhere Generation“ vorab als Single veröffentlich wurde, ergibt nicht nur Sinn, weil er der Title Track des Albums ist. Der Song verkörpert Rise Against in Reinkultur und schafft es sowohl, die Ansprüche der Die-Hards, die seit Anfang der 2000er dabei sind, als auch die der immer größer werdenden Hörerschaft aus dem Mainstream zu bedienen. Jedenfalls hat man hier das Gefühl, dass die überragende Stimme von Sänger Tim McIlrath erstmals wirklich zur Geltung kommt.

Auch lyrisch bringen es Rise Against wieder einmal auf den Punkt und thematisiert die Sorgen der jungen Generation vor einer hoffnungslosen Zukunft im Land der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten. Dass Tim McIlrath, der selbst zweifacher Familenvater ist, auch mit über 40 noch in der Lage ist, diese Themen authentisch darzustellen, ist schon beeindruckend.

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Zur Mitte hin entwickelt sich das Album insgesamt in eine sehr positive Richtung und man könnte fast schon meinen, dass Rise Against mit den ersten Songs ihr Pflichtprogramm abgespult hätten und nun deutlich befreiter aufspielen.

Das gilt gerade für einen Song wie „Broken Dreams“. Damit es nicht falsch verstanden wird – auch hier setzen Rise Against auf ihr bekanntes und bewährtes Songwriting-Konzept. Doch dass das auch nach so vielen Jahren und dem gestiegenen Erwartungsdruck immer noch mindestens genauso gut funktioniert wie vor 15 Jahren, verdient Respekt und Anerkennung.

Auf „Forfeit“ schaltet die Band dann erstmals einige Gänge zurück. Die Akustiknummer ist eine nette Abwechslung, kommt aber in Sachen Atmosphäre und Einfühlsamkeit nicht an frühere Akustiksongs heran. Insofern ist es dann auch gut, dass es mit „Monarch“ direkt wieder mit voller Power weitergeht – der Refrain hat auf jeden Fall enormes Ohrwurmpotential.

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Auch zum Ende hin bleiben die Songs fast durchweg auf hohem Niveau, wenngleich ein Song wie „Sooner Or Later“, dessen Refrain in jedem Fall im Ohr bleibt, dann doch ein wenig zu weichgespült klingt.

Die ganz großen Überraschungen gibt es zudem nicht mehr. „Rules Of Play“ kommt zwar eine Spur wütender daher als der Durchschnitt der Songs, doch die großen Experimente wagen Rise Against nicht mehr.

Das führt unweigerlich zu der Frage, ob eine so große Band es überhaupt noch nötig hat, zu experimentieren. Schließlich wissen sie, was die Fans hören wollen und genau das liefern sie pflichtbewusst und fleißig ab. Ein bisschen mehr Feuer hätte diesem Album aber ohne Frage gutgetan.

Bild: YouTube / „Rise Against – Nowhere Generation“

ALBUM
Nowhere Generation
Künstler: Rise Against

Erscheinungsdatum: 04.06.2021
Genre: ,
Label: Loma Vista Recordings
Medium: CD, Vinyl, etc

Tracklist:
  1. The Numbers
  2. Sudden Urge
  3. Nowhere Generation
  4. Talking to Ourselves
  5. Broken Dreams, Inc.
  6. Forfeit
  7. Monarch
  8. Sounds Like
  9. Sooner or Later
  10. Middle of a Dream
  11. Rules of Play
Rise Against Nowhere Generation
Rise Against Nowhere Generation
7.5
FAZIT
Rise Against werden mit „Nowhere Generation“ die Zukunftsängste der Jugendlichen nicht lösen können, aber sie haben zumindest ein funktionierendes Ventil geschaffen, um Frust und Sorgen herauszulassen. Das Ganze erfolgt zudem auf so bewährte Art und Weise, dass sicherlich auch außerhalb der Szene die ein oder andere Radiostation gerne wieder zugreifen wird. Das kann man Rise Against nicht anlasten; dass sie schon einmal mehr wagemutiger waren, hingegen schon.
/morecorede
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