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MetalcoreNu-Metal

Kritik: Of Mice & Men - "Earthandsky"

Es steht in den Startlöchern: Das neue Studioalbum von Of Mice & Men! Gut eineinhalb Jahre nach der Veröffentlichung der ...

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Es steht in den Startlöchern: Das neue Studioalbum von Of Mice & Men! Gut eineinhalb Jahre nach der Veröffentlichung der letzten Platte „Defy“ liefert die Kombo aus der kalifornischen Stadt Costa Mesa mit „Earthandsky“ nach.

Es ist nach „Defy“ die zweite LP ohne Gründungsmitglied Austin Carlile, der die Band Ende 2016 wegen gesundheitlicher Probleme verlassen musste. Die Fans waren zunächst in Sorge, dass Of Mice & Men dadurch etwas von ihrem Sound einbüßen oder ihre Bandkarriere gar ganz an den Nagel hängen würden. Pustekuchen! Bassist Aaron Pauley, der bis Carliles Weggang weitestgehend „nur“ für den Clean-Gesang zuständig war, übernahm das Zepter respektive den Mikrofonständer. Auf „Defy“ zeigte er, dass seine Qualitäten definitiv nicht nur im klaren Gesang liegen.

Bereits im Vorfeld ließen Of Mice & Men verlauten, dass sie an einer härteren Platte arbeiten würden, als zuletzt „Defy“ sie darstellte. Auf letzterem verbannten sie die düsteren, zum Teil nebulösen Sound des Vorgängers „Cold World“ und setzten zwar auf powervolle Musik; dennoch schien die Band mit den Songs auf „Defy“ eher auf Nummer sicher gehen zu wollen.

Of Mice & Men bedienen sich Elemente ihrer früheren Werke

Als ersten Vorgeschmack auf „Earthandsky“ lieferten uns Pauley und Co. im Frühjahr diesen Jahres dann die beiden Songs „How To Survive“ und „Mushroom Cloud“ und was soll man sagen? Sie schienen mit ihrer Prognose „harder, faster, stronger“ recht zu behalten.

Die ersten beiden von insgesamt elf Tracks der neuen Platte gehen voll auf die Zwölf. Ordentlich Geschrei von Aaron Pauley, hier und da ein bisschen Sprechgesang und insbesondere von den Drums (Schlagzeuger Valentino Arteaga mal wieder voll in seinem Element!) vorangetriebene Musik.

Die beiden Songs erinnern insbesondere an das dritte Album „Restoring Force“, hier natürlich noch mit Carlile als Vokalist. Es war die erste Platte, auf denen sich Of Mice & Men in Teilen Strukturen des Nu Metal der frühen 2000er bedienten. Während diese in den letzten beiden Alben etwas an Wert verloren, kommen sie auf „Earthandsky“ wieder voll zum Einsatz.

Eröffnet wird die Platte vom Song „Gravedancer“. Ein experimenteller Track, der es laut Drummer Arteage beinahe nicht auf die Platte geschafft hatte. Die Band spielt hier mit Sounds, die sie vorher noch nicht benutzt haben. Zugegebenermaßen wirkt das „Gedudel“ (ihr werdet wissen, was gemeint ist) etwas fehl am Platz. Davon abgesehen ist „Gravedancer“ jedoch ein gradliniger Track in für OMAM unüblicher, thrashiger Manier.

„Earthandsky“ mit neuem, alten Sound

Auf den Songs „Taste Of Regret“ und „Earth And Sky“ (beide ebenfalls durch Vorab-Release bekannt) sowie z.B. auch „Deceiver“ lassen Of Mice & Men dann wieder den klassischen Metalcore-Sound einfließen. Geschrei in den Strophen, Klargesang im Chorus, ein Breakdown nach hinten raus. WENN, ja wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wäre. Denn auch hier hört man deutlich Einflüssen aus dem früheren Sound der Kalifornier. Härter und klarer, aber dennoch mit präsentem Gitarrenspiel und einer eingängigen Melodie. Songs, die das Fanherz der alteingesessenen OMAM-Fans höher schlagen lassen.

„Meltdown“ kommt etwas ruhiger und weniger „verspielt“ daher. Ein gradliniger Song, der ein bisschen dahinplätschert. „As We Suffocate“ kommt einem insbesondere in der Bridge und im Chorus womöglich bekannt vor. Der Track reiht sich in den Sound der alten LP „Defy“ ein und erinnert stellenweise sogar arg den Titeltrack der Vorgängerplatte.

Ebenso ergeht es Songs wie „Linger“, „The Mountain“ oder „Pieces“. Wenn auch hier insbesondere in den Strophen mit härteren Sounds gearbeitet wird und Pauley einmal mehr seine gesanglichen Qualitäten zur Schau stellt, sind diese Tracks eine gute Mischung aus den früheren Werken und „Defy“.

Aus den elf neuen Tracks stechen insbesondere „Mushroom Cloud“, „How To Survive“ und „Gravedancer“ durch ihre Härte und die Nu Metal-Vibes heraus. Aber auch die restlichen Songs zeigen, dass sich Of Mice & Men auf „Earthandsky“ wieder deutlich mehr an Strukturen trauen, die vorwärts gehen. In vielen Tracks kombinieren sie Elemente verschiedener Genres und Subgenres. Nu Metalcore? Der Begriff aus der US-amerikanischen Musikwissenschaft scheint hier sehr passend.

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Credit: Of Mice & Men / Offizielles Pressefoto

Of Mice & Men auf Tour

Live-Dates

ALBUM
Earthandsky
Künstler: Of Mice & Men

Erscheinungsdatum: 27.09.2019
Genre:
Label: Rise Records
Medium: CD, Vinyl

Tracklist:
  1. Gravedancer
  2. As We Suffocate
  3. Taste Of Regret
  4. Mushroom Cloud
  5. Pieces
  6. Deceiver/Deceived
  7. Earth & Sky
  8. The Mountain
  9. Meltdown
  10. Linger
  11. How To Survive
Of Mice & Men Earthandsky
Of Mice & Men Earthandsky
8.5
FAZIT
Of Mice & Men nähern sich mit "Earthandsky“ wieder stark dem Sound früherer Werke, wie "Restoring Force“ oder "Cold World“ an. Einige Tracks der Platte sind ein gutes Beispiel dafür, dass man moderne Sounds nicht in ein bestimmtes Genre packen kann. Klassische Metalcore-Strukturen werden mit Nu Metal-Sounds vereint. Ab und zu sind die Drums im Vordergrund, hier und da spielen die Gitarren die "erste Geige“. Die Mitglieder von Of Mice & Men sagten im Vorfeld, dass sie auf "Earthandsky“ das gemacht haben, worauf sie Bock hatten. Und das kommt gut an.

Wer sich eher zu "Defy“ hingezogen fühlt, sollte sich an Songs wie "As We Suffocate“, "Pieces“ oder "Linger“ halten. Wer sich gerne einmal musikalisch die Birne einschlagen will, dem sei "Mushroom Cloud“, "How To Survive“ und "Gravedancer“ an’s Herz gelegt.