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Kritik: Machete Dance Club - "Kill The Vibe"

Zwar brachten alle Mitglieder von Machete Dance Club bei der Gründung der Band im Jahr 2018 schon einiges an Erfahrung ...

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Zwar brachten alle Mitglieder von Machete Dance Club bei der Gründung der Band im Jahr 2018 schon einiges an Erfahrung mit, doch mangels großer Erfolge in vorherigen Bands wäre es wahrscheinlich etwas zu vermessen, Machete Dance Club als Supergroup zu bezeichnen.

Die Erfahrung und das Niveau, das die vier Herren aus München mitbrachten, war dennoch alles andere als ein Hindernis, denn schon nach kurzer Zeit machte die Band mit den ersten Singles und einer ersten Deutschland-Tour auf sich aufmerksam. Gerade der Sound der Band, der gerne als Crossover 2.0 bezeichnet wird, zog viele interessierte Hörer:innen an.

Natürlich waren zwei Jahre Pandemie für die ehrgeizigen Ziele von Machete Dance Club alles andere als förderlich, doch neben einem sehenswerten Rockpalast-Livestream im vergangenen Jahr hatte man zumindest Zeit, sich endlich dem ersten Album zu widmen.

So klingt das neue Album „Kill The Vibe“ von Machete Dance Club

Mit „Get Laid in a Marching Band” geht es direkt ohne viel Vorgeplänkel und kompromisslos los. Auch der Refrain hat absolutes Ohrwurm-Potential und greift auch lyrisch eine Thematik auf, der sich Machete Dance Club seit ihrer Gründung immer wieder gewidmet haben – die Frage, warum man überhaupt eine Band gründet und was man dann davon erwarten kann: „That’s what you get when you’re starting a band“.

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Mit ebenso viel Dynamik und Härte – gepaart mit einem ohrwurmverdächtigen Refrain – geht es auch in „Funnyonline“ und „Kill The Vibe“ weiter. Letzterer Song hat es nicht nur zum Titeltrack des Albums geschafft, er ist auch eine Liebeserklärung an alle, die in der schwierigen Zeit der Pandemie hinter der Band stehen und standen. Und auch wenn die eindrucksvollen Worte aus dem Intro des Videos auf der CD-Version fehlen, reicht es bei „Kill The Vibe“ immer noch zu einigen Gänsehautmomenten.

Es wird auch früh klar, dass es keine große Rolle spielt, welchem Genre man die Band zuordnen will. Das, was Machete Dance Club machen, klingt auf der einen Seite nicht abgedroschen, auf der anderen Seite aber auch nicht zu kompliziert und anstrengend. Wenn das „Crossover 2.0“ sein soll, wird man durch „Kill The Vibe“ jedenfalls schnell zum Fan.

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Als seien die ersten drei Tracks des Albums nicht schon Highlight genug, folgt mit „Cheap Motel“ und dem Feature mit Ex-Annisokay-Fronter direkt ein weiteres, wenngleich nicht neues. Schließlich wurde der Song schon 2019 veröffentlicht und man merkt doch einen gewissen Unterschied, was die Entwicklung und den Härtegrad der Songs angeht. Ein gewisser Bruch im Songwriting ist erkennbar, aufgrund der langen Zeitspanne aber auch nicht weiter verwunderlich.

Interessant ist, dass auch das folgende „Friendship“ trotz einer sich während des Songs aufbauenden Spannungskurve im Vergleich zu den ersten Tracks softer daherkommt. War es das etwa schon mit den rauen Tönen aus dem Hause Machete Dance Club? Nein, keineswegs, das wird schon mit den ersten Klängen eines Songs wie „Bad Mood“ deutlich. Allerdings fällt hier ebenso wie in „Superuser“ der recht poppig gehaltene Refrain auf. Das ist ohne Frage eine weitere Facette des ohnehin schon vielfältigen Soundgewands von Machete Dance Club, doch hier wäre etwas weniger vielleicht mehr gewesen.

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Die Gefahr, es beim Crossover mit dem Durcheinander von Stil, Tempo und Härte zu übertreiben, nimmt die Band jedenfalls zum Ende der Albums hin nicht mehr ganz so ernst. Bevor das jetzt aber zu negativ klingt: Was Sänger Christoph Konrad in einem Song wie „Madness“ zeigt, ist in jedem Fall beeindruckend. Es fällt nur zum Ende des Albums immer schwerer, den roten Faden zu erkennen. Das wird wohl auch die Band selbst erkannt haben, denn der Rausschmeißer „First Blood“ knüpft wieder stärker an den Auftakt des Albums an und dürfte auch die Hörer:innen abholen, die zwischendurch schon mal leicht genervt auf die Idee gekommen waren, zu skippen. Ende gut, alles gut also.

Foto: Machete Dance Club / Offizielles Pressebild

ALBUM
Kill The Vibe
Künstler: Machete Dance Club

Erscheinungsdatum: 21.01.2022
Genre: ,
Label: Ivory Tower Management
Medium: CD, Vinyl, etc

Tracklist:
  1. Get Laid In A Marching Band
  2. Funnyonline
  3. Kill The Vibe
  4. Cheap Motel
  5. Friendship
  6. Bad Mood
  7. Superuser
  8. Madness
  9. Kick Teeth
  10. First Blood
Machete Dance Club Kill The Vibe
Machete Dance Club Kill The Vibe
7.5
FAZIT
Für Machete Dance Club ging es kurz nach der Bandgründung direkt steil nach oben – bis die Pandemie den Höhenflug schnell stoppte. So ging es einigen Bands, doch nicht jede hätte sich so eindrucksvoll zurückgemeldet wie das Quartett aus München. Die Songs gehen ins Ohr und machen Spaß, auch wenn die Band teilweise das Crossover-Rad etwas zu schnell dreht. Doch für ein Debüt-Album sind so viele gute Songs dabei, dass es für die Band nach der Zwangspause ganz bestimmt wieder steil nach oben gehen wird.