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Heavy MetalRock

Kritik: Kvelertak - "Splid"

Es gibt Neuigkeiten aus Norwegen. Kvelertak lassen es sich nicht nehmen, vier Jahre nach ihrem letzten Album „Nattesferd“ eine neue ...

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Es gibt Neuigkeiten aus Norwegen. Kvelertak lassen es sich nicht nehmen, vier Jahre nach ihrem letzten Album „Nattesferd“ eine neue Platte auf den Markt zu bringen. „Splid“ heißt das gute Stück und erscheint über Rise Records. Lange wurde darüber gesprochen, wie gut sich der neue Sänger Ivar Nikolaisen, der 2018 zur Band stieß, in das Gefüge einfinden würde. Wir haben uns die elf Tracks angehört und können es euch nun verraten.

Eine Sache ist beim Hören von „Splid“ sicher: Die Band hat ihren vielseitigen und einzigartigen Sound definitiv nicht verloren.

Kvelertak haben ihren Sound auch in neuer Besetzung nicht verloren

Dass sich die Band gerne für den Aufbau ihrer Songs Zeit nimmt, wird gleich im ersten Track, „Rogaland“ deutlich. Das Stück tritt mit einem sehr breiten Sound auf, der zusätzlich den für die Band typischen Crunch mit sich bringt. Der Aufbau des Songs zieht sich insgesamt über eine Minute, ohne in irgendeiner Form langweilig zu klingen. Bereits zu Beginn des Albums wird klar, dass sich die Band musikalisch treu bleibt und nahtlos an vergangene Alben anknüpft.

Zum Gesang des Songs ist zu sagen, dass mit einer Menge Effekten gespielt wird. So ist Sänger Ivar zum Beispiel mit einem Stimmverzerrer zu hören, der ihm einen gewissen „Radiosound“ gibt. Der Refrain ist dann durch einen deutlichen Hall geprägt. Die Effekte stehen dem Song sehr gut und verleihen ihm einen modernen Touch, der nicht aufgesetzt oder gewollt klingt, sondern in das Schema passt. Track Nummer 2 ist einer der bereits veröffentlichten Songs und dieser hat für besonders viel Aufmerksamkeit gesorgt. Dies liegt zum einen an der tatkräftigen, gesanglichen Unterstützung von Troy Sanders von Mastodon, zum anderen liegt es daran, dass Kvelertak den Schritt gewagt haben und mit „Crack of Doom“ einen englischsprachigen Song veröffentlichen.

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Der Song ist vielseitig, besitzt einen eher klassischen Rock-Sound und sticht trotzdem durch die unterschiedlichen musikalischen Ebenen hervor. So werden zur klassischen Bandbesetzung auch akustische Einflüsse verwendet, obendrein bringt Troy Sanders den Song durch seinen Gesang in ganz neue Sphären. „Crack of Doom“ bleibt im Kopf, da er einzigartig ist und durch eine verkleinerte Sprachbarriere auch besser mitgesungen werden kann.

Generell kann man sagen, dass die Band mit einer besonders großen Vielseitigkeit ihr neues Album angegangen ist. Dabei bleiben sich die Jungs trotzdem treu und bewegen sich innerhalb ihres gewohnten Genres, reizen die musikalischen Grenzen innerhalb dessen allerdings bis zum Maximum aus, wodurch die Platte spannend bleibt und zum mehrmaligen Hören einlädt. Ein passendes Beispiel hierfür ist auf der einen Seite „Bråtebrann“. Ein Song der einige Zeit braucht, bis er vollkommen aufgebaut ist, dann allerdings mit einer gelungenen Mischung aus treibenden Klängen und Melodien auffährt, während der Refrain eher einen bouncigen Charakter besitzt und durch einen chorartigen Gesang eine ganz neue Fülle schafft. Für den ein oder anderen könnte dieser Gesamteindruck allerdings etwas überladen sein.

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Auf der anderen Seite gibt es Songs, wie „Fanden ta dette hull!“, der eher einen Hardrock-Charakter besitzt. Das Lied plätschert ein wenig dahin, nimmt das Tempo heraus und lässt den Hörer einen Moment mit deutlich akzentuierteren Klängen zur Ruhe kommen. So lange, bis das Solo beginnt. Dieses ist besonders wild, wirkt fast etwas stürmisch und zerstört jeden entspannten Tagtraum. Der Song ist über seine Länge von fast 8 Minuten so vielseitig, dass man sich häufiger die Frage stellt, ob dies nach wie vor das gleiche Lied ist. Die Übergänge sind dabei geschickt konstruiert.

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Der Track mit der längsten Spieldauer ist mit 8:11 „Delirium tremens“. Während zu Beginn durch die cleanen Gitarrenklänge eine neue Seite des Albums herangeführt wird, steigert sich der Song mit der Zeit. So kommt es, dass innerhalb der ersten Minute das Gefühl aufkommt, dass es sich um ein Instrumental handelt. Beim Einstieg des Gesangs wirkt der Song beinahe wie eine Art Singer-Songwriter Stück aus vergangenen Zeiten, während sich der Track allerdings weiter verdunkelt und mit der Zeit deutlich an Härte gewinnt.

Auffallend ist an dieser Stelle das Schlagzeug, welches in besonderem Maße die Zugkraft ausmacht. Die Taktwechsel und die unterschiedlichen Beats sind eine zusätzliche Besonderheit, die durch das anfangs eher minimalistisch Soundgerüst besonders gut auffallen. Der Song wird deutlich wilder, hier kommt dann auch die bestehende Wut deutlicher zum Ausdruck. Auch wenn der letzte Teil des Songs eventuell etwas zu wild klingt, so ist der Verlauf des Stücks definitiv besonders und unterhaltsam.

Ein solches Gefühl überkommt den Hörer vielleicht auch bei „Necrosoft“. Von musikalischer Seite sind, neben dem Geschrammel der Band, auch Stoner-Einflüsse zu erkennen. Besonders im Refrain ist der Song definitiv tanzbar. Bei mehrmaligem Hören wird allerdings deutlich, dass das Lied nicht für jede Gemütsstimmung geeignet ist. So kann der Song auf der einen Seite unglaublich viel Spaß machen, auf der anderen Seite aber auch anstrengend sein. Schön, wenn Musik so vielseitig ist.

Foto: Rise Records / Offizielles Pressebild

Kvelertak auf Tour

Derzeit gibt es keine angekündigten Tourdates für Kvelertak. Sollte ein Termin fehlen, würden wir dich bitten, uns eine E-Mail an info@morecore.de zu schicken, damit wir diese hinzufügen können.

ALBUM
Splid
Künstler: Kvelertak

Erscheinungsdatum: 14.02.2020
Genre: ,
Label: Rise Records
Medium: CD, Vinyl, etc

Tracklist:
  1. Rogaland
  2. Crack Of Doom feat. Troy Sanders
  3. Necrosoft
  4. Discord
  5. Bråtebrann
  6. Uglas Hegemoni
  7. Fanden Ta Dette Hull!
  8. Tevling
  9. Stevnemøte Med Satan
  10. Delirium Tremens
  11. Ved Bredden Av Nihil
Kvelertak Splid
Kvelertak Splid
8.5
FAZIT
„Splid“ von Kvelertak ist definitiv eins: Vielseitig! Doch darüber hinaus noch eine ganze Menge mehr. Die Mannen aus Norwegen haben ihren ohnehin schon einzigartigen Sound noch einmal verfeinert und fahren eine Bandbreite an unterschiedlichen Einflüssen auf, ohne den roten Faden zu verlieren.

Fans der Musik dürfte dies definitiv gefallen, dem ein oder anderen könnten die Songs eventuell zu lang sein oder doch an der ein oder anderen Stelle etwas überladen wirken. Es ist schön zu sehen, dass die Band weiterhin ihr Ding macht und ihre Authentizität dabei nicht verloren hat. Der Schritt, erste Songs auf Englisch zu veröffentlichen, steht der Band obendrein gut zu Gesicht und kann zusätzlich die Erfolgschancen des Albums weiter nach oben schrauben.