Review

Thrash Metal

Kritik: Kreator – „Krushers Of The World“

Kreator setzen die Messlatte für das Metal-Jahr 2026 verdammt hoch!

VON

Es gibt Bands, die nach über 40 Jahren nur noch die ein oder andere Ehrenrunde laufen wollen, bevor sie die Instrumente in den Schrank stellen. Und oft ist das auch wohlverdient – und die Fans freuen sich, dass ihre Lieblinge sich selbst immer treu geblieben sind.

Kreator machen es ihren hartgesottenen Fans nicht so leicht. Und haben es auch nie. In den 1990ern ließen die Essener Industrial-, Hardcore- und sogar Symphonic- und Goth-Metal-Klänge in ihren Thrash fließen. Seit „Violent Revolution“ (2001) gibt’s zwar wieder den Thrash-Hammer – doch im Gegensatz zu den Teutonen-Kollegen von Sodom oder Destruction wollten die Mannen um Frontkeifer Mille Petrozza immer mehr als nur die altbewährte Formel runterzurocken.

Krushers Of The World macht da keine Ausnahme. Die bereits 16. Platte der Bandgeschichte serviert den Fans ihren geliebten nackenbrechenden Thrash – aber eben auch wieder diese großen, hymnischen und für das Genre so wahnsinnig vielschichtigen und komplexen Momente, die den Kreator-Sound spätestens seit „Gods of Violence“ (2017) so besonders machen. Auch wenn die Nadel im Vergleich zum Vorgänger „Hate Über Alles“ (2022) wieder mehr in Richtung geradliniger und brachialer Thrash ausschlägt.

Kreator brauchen keinen Anlauf

Zu Beginn von Krushers Of The World steht kein Spoken-Word-Intro, kein einführendes Instrumentalgedudel: Mille und seine Mitstreiter Sami Yli-Sirniö, Frédéric Leclercq sowie Urgestein Jürgen „Ventor“ Reil machen direkt klar, was Sache ist.

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Ventors Schlagzeug setzt bei „Seven Serpents“ das Tempo, die Gitarren treiben an, Mille zeigt, dass seine Stimme auch nach über 40 Jahren Gekeife nichts von ihrer fiesen Eindringlichkeit eingebüßt hat. Aber wir schreiben das Jahr 2026 und nicht 1986, also nehmen Kreator in der Bridge bouncend das Tempo raus, bevor der Refrain mit Tempowechsel, Double-Bass-Einsatz und kurzem, aber effektivem Choreinsatz eine weitere dieser großen Kreator-Hymnen des neuen Jahrtausends kreiert. Aber keine Sorge: Euer Nacken wird nach der Live-Premiere trotzdem schmerzen.

„Satanic Anarchy“ macht genau da weiter. Die Melodieführung im Refrain ist fast schon unverschämt poppig für Thrash – Kreator und Produzent Jens Bogren (saß bereits bei „Phantom Antichrist“ und „Gods Of Violence“ an den Reglern) stecken das aber in eine schlachterprobte Metal-Rüstung, sodass selbst die härtesten Genrefans nicht die Augen verdrehen werden.

Apropos die härtesten Genrefans: Die dürfen dann beim Titeltrack zeigen, aus was ihre Nacken geschnitzt sind. „Krushers Of The World“ ist DER Headbang-Hit des Albums und stampft im Midtempo voran, bis beim Mitgröl-Refrain alle Fäuste in die Luft fliegen.

„Tränenpalast“ ist der erste Kandidat für die 2026er-Toplisten

Ein Metal-Album könnte schlechter starten. Oder besser: Könnte ein Metal-Album besser starten?

Wie auch immer: Der beste Song des Albums folgt erst jetzt. „Tränenpalast“ wird in rund einem Jahr in vielen Listen mit den besten Metal-Songs 2026 auftauchen. Hier habt ihr es zuerst gelesen.

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Los geht’s mit einem Gänsehaut-Intro, das den Score von Dario Argentos Horror-Meisterwerk „Suspiria“ zitiert – eingespielt damals von der italienischen Band Goblin. Die Gitarren greifen die Melodie auf und leiten in den eigentlichen Song über.

Dort erhält Mille Petrozza Unterstützung von Hiraes-Shouterin Britta Görtz, die im letzten Jahr von sich reden machte, als sie für den erkrankten Marcus Bischoff bei Heaven Shall Burn einsprang. Beide keifen um die Wette, ergänzen sich perfekt. Auch der Refrain sitzt auf den Punkt.

Halleluja, was ein Song!

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Gruß geht raus an Machine Head

„Barbarian“ macht eines der besten Songquintetts auf einer Metalplatte der letzten Jahre rund. Zuerst riecht auch der nach feinstem Thrash-Futter, dann schleichen sich aber Industrial- und Groove-Elemente ein, die an Machine Head erinnern. Sami Yli-Sirniö macht den Song mit einem Gitarrensolo, das auch aus einem 80er-Heavy-Metal-Hit stammen könnte, endgültig rund.

„Blood Of Our Blood“ galoppiert anschließend gnadenlos voran, ist einer der rasantesten Tracks der Platte. Zu „Combatants“ lässt sich ein weiteres Mal perfekt die Mähne schwingen. „Deathscream“ glänzt – passend zum Titel – mit aggressiven Mille-Screams.

Ein Highlight zum Abschluss

Insgesamt stechen die Songs der zweiten Hälfte nicht mehr ganz so prägnant hervor wie die der ersten – zumindest bis Kreator mit dem Midtempo-Stampfer „Loyal To The Grave“ einen herausragenden Schlusspunkt finden.

Der Closer setzt mystisch an und kommt dann mit zweistimmigen Gitarrenharmonien um die Ecke, die definitiv Maiden-Luft schnuppern.

Hier merkt man ein weiteres Mal, wie gut dieses Line-up inzwischen ineinandergreift – Petrozza/Yli-Sirniö/Leclercq/Reil wirken nie wie eine Arbeitsgemeinschaft, sondern wie eine Band, die sich gegenseitig antreibt. Produzent Bogren bereitet ihnen dazu den perfekten Rahmen.

BAM! Das erste Metal-Highlight 2026 hilft uns durch die eisigen, dunklen Wintertage des neuen Jahres.

Foto: Kreator / Offizielles Pressebild

ALBUM
Krushers Of The World
Künstler: Kreator

Erscheinungsdatum: 16.01.2026
Genre:
Label: Nuclear Blast Records
Medium: Streaming, CD, Vinyl, etc

Tracklist:
  1. Seven Serpents
  2. Satanic Anarchy
  3. Krushers Of The World
  4. Tränenpalast
  5. Barbarian
  6. Blood Of Our Blood
  7. Combatants
  8. Psychotic Imperator
  9. Deathscream
  10. Loyal To The Grave
9.5
FAZIT
Man mag es kaum glauben, aber über 40 Jahre nach Bandgründung zementieren Kreator ein weiteres Mal ihren Ruf als wohl spannendste Thrash-Kapelle überhaupt. Ein Highlight jagt das nächste, kein Song klingt wie der vorherige. Mille und Co. präsentieren sich in absoluter Topform und liefern direkt zu Beginn des Jahres eine Platte ab, die erstmal von der Spitzenposition der besten Metal-Alben 2026 verdrängt werden muss.