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Review

Alternative Punkrock Rock

Kritik: Kraftklub - "Sterben in Karl-Marx-Stadt"

Auf Kraftklub ist Verlass.

VON

Wenn es um deutschen Punk zwischen gestern und heute geht, fällt der Name Kraftklub fast zwangsläufig. Kein Wunder: Seit 2010 steht das Chemnitzer Quintett für schwungvollen Indie- und Alternative-Rock, der eine ganze Szene geprägt hat. Mit ihrem neuen Studioalbum „Sterben in Karl-Marx-Stadt“ knüpfen die Jungs genau dort an, wo sie mit ihren Vorgängern aufgehört haben – energisch, direkt und mit viel Wiedererkennungswert.

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Kraftklub: Gelassen, charmant, rotzig

Musikalisch setzen die Chemnitzer weiterhin auf ihren bewährten Mix: poppig-eingängige Gitarrenriffs treffen auf temperamentvolle Punk-Rhythmen und einen Gesang, der zwischen Rap-Attitüde, Indie-Coolness und melodischem Druck pendelt. Immer wieder blitzt dabei ein Hauch von Fettes Brot durch – rau, kantig und kompromisslos. Songs wie „Unsterblich sein“ oder „Marlboro Mann“ entpuppen sich als echte Leckerbissen: simpel aufgebaut, aber mit klug gesetzten Breaks, die den Stücken den nötigen Atem und Spannung verleihen. Fans von Bands wie K.I.Z. oder Feine Sahne Fischfilet werden hier viel Freude finden – denn Kraftklub liefern erneut eine Mischung aus Gelassenheit, Charme und rotziger Energie.

Besonders spannend ist, wie klar erkennbar die Band im Songwriting gewachsen ist. Wo frühere Alben häufig auf schnelle Hooklines und punktgenaue Punchlines gesetzt haben, lässt sich auf „Sterben in Karl-Marx-Stadt“ eine deutlich ausgefeiltere Dynamik erkennen. Die Songs bleiben zwar typisch Kraftklub – direkt, knackig, sofort zugänglich –, doch im Detail zeigen sich mehr Schichten. Breaks sind klüger gesetzt, Übergänge wirken ausgefeilter, und manche Hook öffnet sich erst nach dem dritten oder vierten Durchlauf. Das Album ist damit weniger ein schnelles Feuerwerk, sondern eher eine Platte, die mit jedem Hören an Profil gewinnt. Denn Die Stadt ist längst nicht mehr nur Kulisse für Riot-Romantik, sondern Schauplatz des Lebens: von politischen Konflikten über Burn-out bis hin zu tiefer Trauer. All das spiegelt sich auf „Sterben in Karl-Marx-Stadt“ wider.

Erwartungen erfüllt

Der Vergleich zum Vorgänger „Kargo“ zeigt: Kraftklub verlassen ihre Komfortzone nicht radikal, aber sie erweitern sie spürbar. Während frühere Alben stärker auf jugendliche Frechheit und impulsive Energie setzten, schleicht sich hier manchmal ein Hauch von Melancholie oder ernsterer Stimmung ein – ohne dass der typische Kraftklub-Humor verloren geht. Das Songwriting wirkt reflektierter, die Texte etwas schärfer formuliert, und der Band gelingt es, ihre bekannten Themen mit neuem Biss zu füllen. Die Weiterentwicklung ist subtil, aber konsequent. Wer auf geschliffene Melodien, emotionalen Sprechgesang oder üppige Arrangements steht, wird mit diesem Album seine Freude haben.

„Sterben in Karl-Marx-Stadt“ ist ein überraschend warmer Begleiter, ein Album, das Spaß macht, das man gerne bewusst hört und das seine zugängliche Seite offen betont. Gerade das macht den Reiz aus: eine kompromisslose Platte, die ihre Stärken nicht versteckt, sondern offensiv ausspielt. Kraftklub bleiben sich damit treu – nur ein bisschen reifer, ein bisschen schärfer und ein klein wenig erfahrener. Ein Album, das wirken und gefallen will – und genau deshalb funktioniert es.

Foto: Philipp Gladsome / Offizielles Pressebild

ALBUM
Sterben in Karl-Marx-Stadt
Künstler: Kraftklub

Erscheinungsdatum: 28.11.2025
Genre: , ,
Label:
Medium: Streaming, CD, Vinyl, etc

Kraftklub Sterben in Karl-Marx-Stadt
Kraftklub Sterben in Karl-Marx-Stadt
8.5
FAZIT
Am Ende bleibt zu sagen, dass bei Kraftklub alles im Lot ist. Die Chemnitzer leisten sich textlich und musikalisch keinerlei Schwächen und inszenieren die Songs auf „Sterben in Karl-Marx-Stadt“ mit spürbarer Souveränität. Das Album wirkt zu keiner Zeit zerfahren oder orientierungslos. Vor allem die präziseren Rock-Momente zeigen, wie viel Arbeit in den Arrangements steckt. Ein rundes, starkes Werk, das Kraftklub einmal mehr in Bestform präsentiert.