Review

ProgressiveRock

Kritik: Kadavar - "The Isolation Tapes"

Noch ein Album über die Pandemie? Zugegeben, der Titel „The Isolation Tapes“ verheißt auf dem ersten Blick nichts Gutes für ...

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Noch ein Album über die Pandemie? Zugegeben, der Titel „The Isolation Tapes“ verheißt auf dem ersten Blick nichts Gutes für all diejenigen, die auf der Suche nach etwas Ablenkung im tristen Alltag zwischen Hotspots und Lockdowns sind. Und überhaupt, im Grunde scheinen aktuelle Releases, verständlicherweise, kaum mehr andere Einflüsse als politische beziehungsweise gesellschaftliche Missstände und Covid-19 zu kennen. Doch „zum Glück“ sind KADAVAR auf einem ganz anderen Trip unterwegs.

The Isolation Tapes sind eine Erfahrung

Schlechte Wortspiele? Kann ich. Und wer sich „The Isolation Tapes“ so unverblümt wie ich zu Gemüte führt, der wird schon beim ersten Durchlauf verstehen, dass „Trip“ der hier absolut passende Begriff ist.

War das Berliner Trio bislang für seinen progressiven Stoner Rock mit doomigen Einschlägen bekannt, so geben sich KADAVAR mit „The Isolation Tapes“ in luftige, spacige Höhen – ganz entgegen dem recht düsteren Vorgänger „For The Dead Travel Fast“.

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So stimmt der über sechsminütige instrumentale Opener „The Lonely Child“ von der ersten Sekunde an auf die folgende, höchst atmosphärische Reise ein, auf die uns KADAVAR mitnehmen. Wer mit dem Begriff „Isolation“ bislang eine eher bedrückende, vielleicht sogar dunkle Stimmung verbunden hat, der wird hier eines Besseren belehrt.

Spätestens wenn Sänger und Gitarrist Lupus in „I Fly Among The Stars“ mit seiner hellen, beinahe zarten Stimme einsetzt, bleibt einem nichts anderes übrig, als sich gehen zu lassen und einfach mitzuschwingen, bevor das psychedelische „Unnaturally Strange (?)“ durch seinen treibenden Rhythmus wieder eine neue Episode aufschlägt.

KADAVAR überraschen mit ungewohnten Sound

Nahtlos gehen Songs ineinander über und verschwimmen dabei teilweise in wilden Noise-Momenten („(I Won’t Leave You) Rosi“), um dann wieder zu sich zu finden und Bands wie Pink Floyd („The World Is Standing Still“) oder auch den Beatles im etwas poppigeren „Everything Is Changing“ Tribut zu zollen.

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Das Ganze klingt jedoch alles andere als staubig, sondern sehr stimmig und durch den gekonnten Einsatz von Vintage Synthesizern immer wieder – passend zum Album-Artwork – wie eine Reise durch ferne Galaxien.

Eine Reise, die es lohnt mehrfach angetreten zu werden, da man auch nach mehrmaligem Hören noch längst nicht alle Details entdeckt hat, die uns KADAVAR in den insgesamt zehn Songs präsentieren. Auch wenn man dazu sagen muss, dass die Spannung zum Ende hin etwas raus ist.

Foto: Joe Dllworth / Offizielles Pressebild

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