Review

Rock

Kritik: James Kennedy - "Make Anger Great Again"

Kreativität ist auf dieser Welt offensichtlich sehr unterschiedlich verteilt – anders kann man nicht erklären, dass mit Südwales ein kleiner ...

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Kreativität ist auf dieser Welt offensichtlich sehr unterschiedlich verteilt – anders kann man nicht erklären, dass mit Südwales ein kleiner Teil eines ohnehin schon kleinen Landes so beständig Bands und Musiker aus verschiedensten Genres hervorbringt. Einer, der schon lange dazugehört, aber zumindest in Deutschland noch nicht allzu bekannt ist, ist James Kennedy.

James Kennedy macht mit „Make Anger Great Again“ eine Kampfansage

Zum Teil mit seiner derzeit pausierenden Alternative-Band Kyshera, in letzter Zeit aber vermehrt solo. So auch auf seinem neuen und insgesamt schon vierten Solo-Album „Make Anger Great Again“. Dass sich der Titel des Albums auf die Wahlkampfkampagne Donald Trumps aus dem Jahre 2016 bezieht, ist übrigens nicht bloß ein Wortspiel, es soll auch die politische Aussage des Albums betonen.

Kennedy, der auch auf vergangenen Releases immer wieder politisch unterwegs war, hat all seine Wut über die Geschehnisse der letzten Jahre – und da gab es im UK sicher so einige – in das neue Werk gepackt. Dementsprechend geht es auch mit ersten Track „The Power“ los – musikalisch einfach gehalten, konzentriert er sich ganz auf das Thema des Albums: Eine Kampfansage an all diejenigen, die ihre Macht nur zu ihrem eigenen Vorteil nutzen.

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Dabei erinnern Songwriting und Gesang durchaus an Frank Carter, wenngleich James Kennedys Stimme nicht ganz so viel Wut und Abneigung vermittelt wie die seines Fast-Landsmannes.

Die folgenden Tracks auf „Make Anger Great Again“ sind dann auch nicht nur stimmlich, sondern auch instrumental und in Sachen Songwriting etwas mehr Pop und etwas weniger Punk. Hier wird deutlich, warum sich James Kennedy auch als „multi-instrumentalist“ bezeichnet. Ist das Songwriting insgesamt sehr stringent gehalten, lässt er weder gesanglich noch instrumental eine Gelegenheit zum Experimentieren aus.

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Das führt dazu, dass es beim Hören ein wenig an einem roten Faden fehlt – gleichzeitig kann das gerade für neue Hörer auch interessant sein. Wer progressivem Alternative Rock gegenüber positiv gestimmt ist, wird auf „Make Anger Great Again“ auf jeden Fall fündig. Dass dabei manche Songs schneller im Ohr bleiben als andere, ist nicht ungewöhnlich.

Gerade die Tracks Nr.2 und Nr.3 – „Autopsy“ und „Ghosts“ – sind zwar in Sachen Stimmung, Songwriting und Gesang sehr unterschiedlich, haben aber beide höchstes Ohrwurmpotential.

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Wie schon gesagt, der an einigen Stellen fehlende rote Faden wird vielen Leuten beim Hören die Lust nehmen. Doch es lohnt sich auf jeden Fall, bis zum Ende durchzuhalten.

Schließlich knüpft der elfte und letzte Song „Broken Compass“ wieder am Anfang an und gibt in Sachen Wut und Abneigung nochmal alles. Ein bisschen roter Faden ist dann zum Schluss also doch da.

Bild: Tom Damsell / Offizielles Pressefoto

James Kennedy auf Tour

Derzeit gibt es keine angekündigten Tourdates für James Kennedy. Sollte ein Termin fehlen, würden wir dich bitten, uns eine E-Mail an info@morecore.de zu schicken, damit wir diese hinzufügen können.

ALBUM
Make Anger Great Again
Künstler: James Kennedy

Erscheinungsdatum: 25.09.2020
Genre:
Label: Konic Records
Medium: CD

Tracklist:
  1. The Power
  2. Autopsy
  3. Ghosts
  4. Mind Revolution
  5. Algorhythm
  6. Outragers
  7. We Fight Dirty
  8. Solace in Sickness
  9. Struggles
  10. Primal
  11. Broken Compass
James Kennedy Make Anger Great Again
James Kennedy Make Anger Great Again
7.5
FAZIT
James Kennedy legt auf wenig so viel Wert wie auf die Feststellung, dass er in keine Schublade passt. Singer, Songwriter, Band, Solo, Multi-Instrumentalist, Alternative, Prog, Grunge – das sind nur einige der Begriffe, mit denen er sich selbst charakterisiert, um dann doch festzustellen, dass man ihn nicht charakterisieren kann. Das macht ein Fazit zum Ende nicht unbedingt leichter.

Allerdings ist es ja auch für den Autor einer Rezension mal ganz nett, wenn er wirklich nachdenken muss, was er da gerade überhaupt rezensiert und wie er die richtigen Worte dafür finden soll. Schon das macht James Kennedy sympathisch – dass auf „Make Anger Great Again“ nicht jeder Song im Ohr bleibt und nicht alles Sinn ergibt, ist dann auch zu vernachlässigen. Wut ist ja schließlich auch nur ein Gefühl, bei dem nicht alles rational ist.