Review

Black MetalProgressive

Kritik: Ihsahn - Telemark (EP)

Nach „Amr“ widmet sich Ihsahn also einem neuen Medium zu. Statt ein neues Album zu schreiben, veröffentlicht der Norweger zwei ...

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Nach „Amr“ widmet sich Ihsahn also einem neuen Medium zu. Statt ein neues Album zu schreiben, veröffentlicht der Norweger zwei EPs, die beide je mit drei eigenständigen Kompositionen und zwei Cover-Songs bestückt sind. „Telemark“ ist benannt nach der Region, in der Ihsahn aufgewachsen ist.

„Strigid“ ist ein Song, der direkt klar macht, dass Ihsahn sich auf seine Wurzeln bezieht. Atmosphärisch baut sich der Opener der „Telemark EP“ auf, um dann in gewohnter Manier mit rhythmischen Akzenten und einem Bläsersatz die melancholischen Klänge zu offenbaren. Im ersten Moment erinnert „Strigid“ direkt an Ihsahns „Das Seelenbrechen“. Denn auch wie dieses Album hat „Strigid“ diese melancholische, düstere Stimmung, die in einen Progressive Metal-Kontext gehüllt ist und mit den gutturalen Vocals des Sängers an Brachialität gewinnt.

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Dennoch ist auch ein Hardrock-Einfluss in den Gitarren zu erkennen, die ihre Blüte auf „Arktis“ hatten. Dort bezog sich Ihsahn mit dem Song „My Heart Is In The North“ erstmals auf seine Heimat. „Strigid“ hat diesen für Ihsahn typischen Break, der das Tempo herausnimmt und den Track zu einem ruhigeren, wirkungsvollen Song werden lässt, bevor es zurück in die rhythmischen Strukturen des Anfangs geht.

„Nord“ beginnt mit einem Riff, dass man wohl direkt als Black’n’Roll auffassen könnte. Doch auch hier arbeitet Ihsahn mit Bläsersätzen, die den Sound um einen orchestralen Sound erweitern. Die narrativen Vocals treiben „Nord“ voran und lassen aufgrund der norwegischen Sprache nicht vermuten, um was es sich textlich handeln könnte. Stattdessen wandert der Song in einen Chorus, der mit Vokalisen hinterlegt ist, und den majestätischen Sound unterstreicht.

Auch der Titeltrack der EP beginnt in sich aufblasender Stimmung, die im ersten Moment in einen experimentellen Progressive Rock Track mäandert. In den Gitarren lässt sich ein gewisser Folk-Anschlag vermuten, der „Telemark“ eine weitere Seite beschert, die in den Promofotos zu diesem Release angedeutet ist. Die Heimatverbundenheit und die norwegische Folklore (und nein, das ist nicht Black Metal!) wird in den ersten drei Minuten zelebriert. Spätestens aber, wenn Ihsahns Gesang einsetzt, wird klar. in welche Richtung die Reise führt.

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Mit Blast Beats, dem noch immer voranspinnenden Folk-Riff und Ihsahns düsterem Gesang wird „Telemark“ folglich zu einem Track, der nun doch als Black Metal beschrieben werden kann. Dezent eingesetzt lassen sich Bläser im Hintergrund ertappen, die den Sound ausfüllen. „Telemark“ wechselt schnell zwischen den Gemütszuständen und ist der vielleicht spannendste Ihsahn-Track der letzten Jahre. Dies nicht zuletzt dank der Kulmination der verschiedenen Einflüsse, die geschickt miteinander verknüpft sind.

Ein Lenny Kravitz-Cover hätte man in erster Linie wohl nicht erwartet, aber „Rock And Roll Is Dead“ passt thematisch dann doch irgendwie. Wenn man das Original jedoch nicht mag, wird man auch durch die Repetition in Ihsahns Version schnell gelangweilt werden. Dennoch ist es ganz interessant zu hören, wie die Gitarren durch den Bläsersatz ersetzt wurden. Auch der Iron Maiden-Song „Wrathchild“ weiß mit diesem Sound zu glänzen. Doch wirkt die enthusiastische Nummer im Kontext der sehr harten und düsteren Tracks zuvor irgendwie etwas fehl am Platz. Dennoch zollt Ihsahn mit diesen Tracks seinen Helden Tribut und vertont diese auf ganz eigene Art und Weise.

Foto: Ihsahn / Offizielles Pressebild

Ihsahn auf Tour

Derzeit gibt es keine angekündigten Tourdates für Ihsahn. Sollte ein Termin fehlen, würden wir dich bitten, uns eine E-Mail an info@morecore.de zu schicken, damit wir diese hinzufügen können.

ALBUM
Telemark [EP]
Künstler: Ihsahn

Erscheinungsdatum: 14.02.2020
Genre: ,
Label: Spinefarm
Medium: CD, etc

Tracklist:
  1. Strigid
  2. Nord
  3. Telemark
  4. Rock And Roll Is Dead (Lenny Kravitz Cover)
  5. Wrathchild (Iron Maiden Cover)
7
FAZIT
Ihsahn kehrt zurück zu seinen Black Metal-Wurzeln, die sich zusammen mit den progressiven Einflüssen zu einem Sound mischen, der unverkennbar ist. Dennoch ist „Telemark“ härter und direkter, als man es von Ihsahn erwartet hätte. Die EP als Medium gibt Raum zum Experimentieren, so auch mit den beiden Coverversionen, die auf „Telemark“ zu finden sind.

Am Ende sind es aber die eigenen Kompositionen, die überzeugen, während die Cover ein nettes Gimmick sind und zeigen, wie es klingt, wenn Ihsahn seinen Sound um seine Einflüsse hüllt. In einem Interview sagte der Musiker, dass die zweite EP, die noch im Herbst erscheinen soll, das genaue Gegenteil von „Telemark“ darstellen wird. Man darf gespannt bleiben in welche Sphären uns dieser Nachfolger führen wird.