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Kritik: Ghost Iris - "Comatose"

Erst letztes Jahr haben wir Ghost Iris als eine der wenigen Bands in Deutschland auf Tour sehen können. Zusammen mit ...

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Erst letztes Jahr haben wir Ghost Iris als eine der wenigen Bands in Deutschland auf Tour sehen können. Zusammen mit Jinjer spielten die Dänen einige Open Air Shows und teaserten dort bereits die ersten neuen Songs an. Am Freitag erscheint nun „Comatose“ – das vierte Album der Kopenhagener.

Der Sound von Ghost Iris ist absolut kompromisslos

Mit einem Snarepattern beginnt „Comatose“ beinahe kriegerisch und bereitet innerhalb des Intros „3815935“ mit einem sich anbahnenden Break auf das folgende „Desert Dread“ vor. Bereits jetzt ist klar, dass Ghost Iris nichts von ihrer Power verloren haben und auch auf ihrem bereits vierten Album keine Zeit verstreichen lassen, bis es zur Sache geht.

Mit einer lebendigen Abwechslung von harten Metalcore-Elementen, einem ätherischen Vibe der an Bands wie Veil Of Maya erinnert und einem Chorus, der geschickt in Szene gesetzt wird, liefern Ghost Iris einen modernen Metalsound, den man überzeugender nicht abliefern könnte.

„The choice is yours“ – diese Passage steht im Fokus des Songs und wird im Refrain unmissverständlich wiederholt. Orchestrale Elemente sorgen auf „Desert Dread“ für einen wahren Höhepunkt, der den energetischen Starter bereits so schmackhaft werden lässt. Übrigens ist Ex-Chimaira Sänger Mark Hunter auf diesem Song zu hören. Ein Feature, das bestens in den Sound der Dänen passt.

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Auch „Paper Tiger“ folgt dieser Härte und Energie. Die Single, die als erste des Albums veröffentlicht wurde, ist ein knallharter Metaltrack, der mit Death Metal-Elementen und jeder Menge Drive bereits jetzt für wippende Köpfe und wehende Mähnen sorgen kann.

Anstatt sich wiederholende Breakdowns aneinander zu reihen, bauen Ghost Iris auf starke Metalriffs, die sich der Melodiesprache härterer Genres bedienen und den Sound somit enorm düster werden lassen. Auch dadurch wirken die Breaks, die dezent eingesetzt werden, noch viel aggressiver und brutaler, was dem Sound der Dänen bestens steht. Ähnlich steht es auch um Tracks wie „Cult“ und „Coda“.

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Leichte Schwächen

Der Chorus von „Former Self“ sticht mit einem Beat heraus, den wir eher in Dance Musik erwartet hätten und macht den Song dadurch spannend. Ob der Beat wirklich in den Song passt, ist Geschmackssache. Der treibende Puls, den „Former Self“ außerhalb des Refrains liefert, steht in großem Kontrast zu dem tanzbaren Refrain, der etwas zu sehr eingeworfen wirkt. Dennoch liefert dieser Song ein fulminantes Finale, das definitiv von sich zu überzeugen weiß. Vielleicht sind es die wechselnden Beats, die „Former Self“ etwas zu wild werden lassen, wodurch der Song schwerer verdaulich wird als andere.

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Auch „Cold Sweat“ greift diesen Beat kurz auf, haut damit allerdings nicht den Drive durcheinander. Stattdessen bleibt dieser Song klarer strukturiert und überrascht nicht mit zu wildem Wechsel, sondern den Metalriffs, die präsent im Fokus stehen. Große Überraschungen gibt es auf diesem Song nicht, während groovige Breaks für Hörfreude sorgen und auch der Chorus sich geschickt in den Sound einfügt.

So ist „Cold Sweat“ ein Song, der im Kontext des Albums als durchschnittlich anzusehen ist. Auch „Ebb/Flow“ ist ein Track, der weder negativ noch positiv heraussticht. Einzig die Vocals, die stellenweise an Monuments erinnern und auch in ihrer Emotionalität etwas mit dem Rest des Albums brechen, sind es, was „Ebb/Flow“ richtig spannend werden lässt.

„Comatose“ ist ein stimmiger Mix, der sich dem Durchschnitt eines hohen Levels fügt

„Coma“, der Quasi-Titeltrack, liefert einen Melodic Hardcore-Sound, den wir so auf diesem Album noch nicht gehört haben, inkooperiert diesen aber mit den harten Metalsounds der Band, sodass auch dieser Track nur in dezenten Noten herausstechen kann. Der Chorus von „Coma“ wirkt jedoch im direkten Vergleich zu anderen Liedern etwas unspektakulär, während insbesondere die Upbeat-Sektion von sich zu überzeugen weiß.

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Mit „Power Schism“ liefern Ghost Iris zum Ende des Albums noch einen vertrackten Track, der auch die Djent-Elemente der Band dezent zur Blüte trägt. „Comatose“ endet, wie es begonnen hat: energetisch, aggressiv und mit jeder Menge Groove.

So überzeugt vor allem der Blast Beat-Part, der sich mit Black Metal-Harmonien und einer dystopischen Melodieführung ans Ende des Albums legt, bevor ein letzter Groove mitsamt eines fiesen „Bleghs“ für stampfende Beats und ein knalliges Ende sorgt, das langsam dahin sandet und ruhig ausfadet.

Foto: Ghost Iris / Offizielles Pressebild

ALBUM
Comatose
Künstler: Ghost Iris

Erscheinungsdatum: 07.05.2021
Genre: , ,
Label: Long Branch Records
Medium: CD, Vinyl, etc

Tracklist:
  1. (3815935)
  2. desert dread feat. Mark Hunter
  3. paper tiger
  4. cult
  5. former self
  6. coda
  7. ebb/flow
  8. cold sweat
  9. coma
  10. power schism
Ghost Iris Comatose
Ghost Iris Comatose
8.5
FAZIT
„Comatose“ ist das, was man in der Karriere von Ghost Iris als nächsten Schritt bezeichnen kann. Es zeichnete sich bereits auf „Apple Of Discord“ ab, dass sich die Band weg von djentigem Metalcore, hin zu modernem Progressive Metal entwickelte. „Comatose“ geht diesen Schritt weiter und verzichtet weitestgehend auf blatante Genre-Gimmicks und liefert stattdessen einen kompromisslosen Metalsound, der bestens produziert ist und die Stärken der Band geschickt hervorhebt.

Ob „Comatose“ das beste Album der Band ist, ist schwer zu sagen. Klanglich ist es den drei Vorgängeralben einen Schritt voraus und auch im Songwriting scheint es, als wären Ghost Iris auf dem Weg sich selbst zu finden, angekommen. Wer modernen Metal liebt und dezente Einflüsse von Prog, Djent und Hardcore nicht verwirft, wird „Comatose“ als stärkstes Album der Band wahrnehmen. Doch wie bei „Desert Dread“ gilt: „The choice is yours.”
/morecorede
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