Review

Death Metal

Kritik: Gatecreeper - "Dark Superstition"

Wenigen Bands gelingt es 2024 einen modernen Death Metal-Sound zu offenbaren. Dass Gatecreeper das Zeug dazu haben, hat ihr 2021 veröffentlichtes ...

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Wenigen Bands gelingt es 2024 einen modernen Death Metal-Sound zu offenbaren. Dass Gatecreeper das Zeug dazu haben, hat ihr 2021 veröffentlichtes Album „An Unexpected Reality“ zweifelsfrei unter Beweis gestellt. Doch kann die Band aus Arizona an den Erfolg des Vorgängers anschließen?

Der Faktor Spielzeit

Im direkten Vergleich fällt auf, dass „Dark Superstition“ mit zehn Titeln und ca. 37 Minuten Spielzeit deutlich üppiger ausfällt als sein Vorgängeralbum „An Unexpected Reality“. Gerade einmal 18 Minuten brachte das 2021 veröffentlichte Album auf den Tisch. Damit geht jedoch auch einher, dass der neuste Streich der US Amerikaner, etwas weniger prägnant wirkt.

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„Dead Star“ eröffnet „Dark Superstition“ in einer gewissen Göteborg-Manier: melodischer Death Metal mit abrasivem Sound dominiert von der ersten Sekunde an und macht klar, dass Gatecreeper an Härte nichts einzubüßen haben. So zeigt sich auch „Oblivion“ durchweg Riff-lastig in einem HM-2 Gewand, das mit thrashiger Hardcore-Ebene an Drive gewinnt. Dabei eignet sich „Oblivion“ aufgrund seiner Eingängigkeit und harten Grooves definitiv als Gatewaytrack für Metalfans, die mit der Band bisher noch nicht in Kontakt kamen.

Gatecreeper liefern Melodien en masse

Noch eingängiger und melodischer klingt „The Black Curtain“, der mit einer typischen Popstruktur überzeugt. Natürlich ist das alles noch Death Metal, hebt sich aber mit relativ simplifiziertem Instrumental schnell ab. Auch der Titeltrack des Albums hängt sich an diesen Ansatz, der vor allem durch die Gitarrenmelodien getragen wird.

Wer nach Extreme Metal sucht, mag einen Track wie diesen skippen. Doch findet sich in den Riffs genug Härte, um vom Gegenteil überzeugt zu werden. Auch größere Instrumentalpassagen stehen Gatecreeper gut („Masterpiece Of Chaos“). Dezente Gitarrensoli helfen dabei, eine Abwechslung zu wahren, die nur selten vermisst wird.

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Highlight mit Folgen

Auch wenn alle Tracks auf dem Album einen eigenständigen Sound haben und sich abzuheben wissen, kehrt spätestens nach „A Chilling Aura“ eine gewisse Stagnation ein. Zwar überzeugt der sechste Track mit spannenden Grooves und Blast Beats und einem guten Kompromiss aus Härte und Melodie, baut aber erneut auf die Grundparameter im Sound des Albums. Parameter, die nur Nuancen anderer Einflüsse, als Abwechslung offenbaren.

So wirken die letzten vier Tracks weniger überzeugend, was vor allem daran festzumachen ist, dass Gatecreeper sich gewissermaßen selbst wiederholen. Groove-betont sorgt auch „Caught In The Threads” für Hörspaß, während “Flesh Habit” zumindest kurzzeitig für etwas Abwechslung sorgt, die jedoch nicht lange anhalten mag.

Knapp sechs Minuten Spielzeit bietet das getragene und fast schon in den Doom-Metal abdriftende „Tears Fall From The Sky“. Dieser doomige Sound, steht Gatecreeper zum Ende als episches Finale gut. So schließt sich ein kurzweiliges Album, das nur wenige Schwachpunkte offenbart.

 

Ist „Dark Superstition“ der Durchbruch?

Die größte Frage, die sich stellt, mag folgende sein: wäre weniger nicht mehr gewesen? Zugegeben, alle Tracks des neuen Albums sind gut – die Einschlägigkeit der Band wirkt jedoch weniger stark als zuvor. „Mistaken For Dead“ mag mit seinem schnellen Tempo und Hardcore-Vibe ein Beweis dafür sein, dass dieser Aspekt auf dem Album etwas zu kurz gekommen ist.

Ob „Dark Superstition“ das Breakout-Album ist, das der Band attestiert wird, bleibt abzuwarten. Die Weichen haben sich Gatecreeper mit „An Unexpected Reality“ längst gestellt. Das, was auf „Dark Superstition“ geboten wird, ist der oft besagte „nächste Schritt“ und offenbart, dass Mid Tempo-Death Metal auch 2024 noch neu erfunden werden kann. In welche Richtung sich die Band letztlich commiten möchte, bleibt jedoch offen.

 

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Foto: Gatecreeper / Offizielles Pressebild

ALBUM
Dark Superstition
Künstler: Gatecreeper

Erscheinungsdatum: 17.05.2024
Genre:
Label: Nuclear Blast Records
Medium: CD, Vinyl, etc

Tracklist:
  1. Dead Star
  2. Oblivion
  3. The Black Curtain
  4. Masterpiece Of Chaos
  5. Superstitious Vision
  6. A Chilling Aura
  7. Caught In The Treads
  8. Flesh Habit
  9. Mistaken For Dead
  10. Tears Fall From The Sky
Gatecreeper Dark Superstition
Gatecreeper Dark Superstition
8
FAZIT
Gatecreeper liefern ein modernes Death Metal-Album, das zwar weniger prägnant ist als sein Vorgänger, sich aber aufgrund der Spielzeit wahrlich Album nennen kann. Musikalisch irgendwo zwischen LIK, Dismember und Entombed anzusiedeln, ist es fast wunderlich, dass die Band aus den USA und nicht aus Schweden kommt. So feiern Gatecreeper das Revival eines 90er Death Metal-Sounds, der auf „Dark Superstition“ so modern klingt wie nie zuvor. Gatecreeper avancieren damit längst zu einer führenden Band innerhalb einer neuen Welle des US-amerikanischen Death Metal, lassen mit einigen Einflüssen aber offen, in welche Richtung sich der Sound künftig wirklich entwickeln lässt.