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Kritik: From Ashes To New - "Panic"

Nach der Veröffentlichung zweier EPs anno 2013 und 2015 beehrten uns From Ashes To New im Abstand von jeweils zwei ...

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Nach der Veröffentlichung zweier EPs anno 2013 und 2015 beehrten uns From Ashes To New im Abstand von jeweils zwei Jahren mit ihren ersten beiden Studioalben „Day One“ (2016) und „The Future“ (2018). Die Mathegenies unter uns müssen nicht lange rechnen, um herauszufinden, dass uns 2020 planmäßig neue Musik des Quartetts aus den Staaten ins Haus steht.

So ist dem natürlich auch, denn die Kombo aus Lancester, Pennsylvania erfreut uns in diesen – sorry – wirklich BESCHISSENEN Zeiten mit neuer Musik. „Panic“ heißt der neue Longplayer der Band und trägt einen wohl recht passenden Namen für dieses (Release-)Jahr.

From Ashes To New treffen mit „Panic“ den Zahn der Zeit

Als erste Single koppelte die Kombo um die beiden Sänger Danny Chase (Clean Vocals und Screams) und Matt Brandyberry (Rap) bereits im April dieses Jahres den Titeltrack ihres neuen Albums aus. Das dazugehörige Musik-Video wird eröffnet mit einem kurzen Vorspann in Form eines Texts. Demnach sei „Panic“ als Song über generelle Angstzustände geschrieben worden. Dann… ja, dann kam Corona.

Die Band sah sich – wie wohl die gesamte Weltbevölkerung – mit diversen, nie da gewesenen Einschränkungen konfrontiert. Die laufende Tour wurde abgebrochen, der Videodreh erst verschoben, dann gecancelt. Regierungen rieten dazu, die sozialen Interaktionen auf ein Minimum zu reduzieren. Die Band schreibt: „What began as a video about general anxiety turns into an emotional release of worldwide concern and its quick journey into a state of panic.“

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Besagtes Video zur ersten Single-Auskopplung zeigt die Bandmitglieder letzten Endes allesamt mit Masken. Pardon – Mund-Nasen-Schutz. Dazu die passenden Lyrics: „Why is there nothing but this feeling inside? Got me acting like I’m outta my mind. Can’t breathe, can’t sleep, I’m fine.“ Hand aufs Herz: Wenn ihr euch JETZT an die Zeit im März zurückerinnert – wer kann dieses Gefühl nicht nachvollziehen? Kontrollverlust, Verunsicherung, Existenzangst. From Ashes To New liefern mit der ersten Single-Auskopplung aus ihrem neuen Album einen Soundtrack dieses Corona-Jahres.

Generell sei der Longplayer laut Rapper Matt Brandyberry thematisch eine allumfassende Message über die Alltags-Panik, der wir tagtäglich ausgesetzt sind. Er kritisiert insbesondere die Massenmedien und Social Media. „Panic“ als titelgebender Song gibt das nicht nur lyrisch, sondern auch musikalisch wieder.

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Best album we’ve ever made 8/28 🤘🏼🤐

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Brandyberry und Kollege Danny Chase, der erst seit dem Vorgänger „The Future“ mit von der Partie ist und 2017 seinen Vorgänger Chris Musser ablöste, der die Band dato gemeinsam mit Ex-Drummer Tim D’onofrio aus freien Stücken verließ, liefern sich ein gesangliches Battle. Die Rap-Parts und der Clean-Gesang ergeben ein Wechselspiel, das sich hervorragend ergänzt und die emotionsgeladenen und wütenden Lyrics von „Panic“ unterstützen. Der Hörer kommt nicht darüber hinweg, hier Vibes der früheren Linkin Park-Tracks zu spüren.

Generell ist der Gesang der beiden Goldkehlchen insbesondere hervorzuheben. Musikalisch bewegen sich FATN irgendwo zwischen Rap Metal, Nu-Metal und einer modernen, melodischen Form des Metalcore. Das wird vor allem durch die gesangliche Leistung von Chase und Brandyberry hervorgehoben. Nicht nur auf „Panic“ wechselt sich Sprechgesang mit mal mehr, mal weniger aggressivem Clean-Gesang und Screams ab.

Auch „What I Get“, ebenfalls vorab als Single erschienen, zeigt ganz deutlich auf, dass die Chemie innerhalb der Band zu stimmen scheint. Der Song handelt von der Angst, sich zu öffnen und daraufhin enttäuscht zu werden. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt? „Why do I, do I open up my heart For your teeth to rip apart? That’s just what I get.“

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Mut zur Weiterentwicklung

Die Stücke des neuen Longplayers sind insgesamt sehr viel verspielter als noch die Vorgängerwerke „The Future“ und „Day One“. Die Struktur der Songs sind vielschichtig und vor allem individuell. Auch Fans der ersten Werke werden zugeben, dass die Tracks hinsichtlich des Aufbaus recht ähnlich waren.

Ein Beispiel für ein solch musikalisch breit gefächerten Track ist „Wait For Me“. Im Dialog mit unserem Jonas (grüß dich, Boss!) verpasste er dem Song das Adjektiv „edel“ – sehr passend! Ein abwechslungsreicher und smoother Song, der in dieser Form auf keinem der Vorgängerwerke zu finden ist.

„SideFX“ hingegen gehört zu den aggressiveren Tracks des Albums. Der Song handelt von Abhängigkeiten diverser Formen und gibt das musikalisch auch wieder. Die Strophen wirken durch den Einsatz eines Stimmverzerrers zunächst etwas psychedelisch, um dann wieder recht strikt nach vorne zu gehen. Ein Trip durch ein Wechselbad verschiedener Stimmungen.

Auch „Death Of Me“ reiht sich hier ein. Der Song statuiert eigentlich alles, wofür From Ashes To New stehen und ist eine Mischung aus modernem Metalcore à la I Prevail mit melodischen Nu-Metal-Einflüssen.

Zwischendrin finden sich aber auch immer mal wieder Songs, denen das „Nu“ im „Metal“ fehlt und eher auf einer modernen Core-Welle schwimmen. Beispielhaft ist hier der Track „Scars That I’m Hiding“. Für eine Non-Album-Version für den Soundtracks des Films „The Retaliators“ holten sich FATN Unterstützung von In Flames-Frontmann Anders Fridén. Auf dem Album kommt der Song ohne den schwedischen Sänger aus – und funktioniert natürlich trotzdem gut.

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Der zweite Teil des Longplayers ist generell etwas gitarrenlastiger als der erste, was auch „Bulletproof“ beweist. Insgesamt allerdings einer der schwächeren Songs, denen ein bisschen der „Wumms“ fehlt. Der Track plätschert trotz präsenten, tief gestimmten Gitarren und sehr straighter Struktur ein wenig vor sich hin. Also: Next!

Und mit dem nächsten Stück sind wir einmal mehr beim Thema Linkin Park angekommen: Fans der früheren oder „mittleren“ Tracks der Kombo sei an dieser Stelle der Song „Nothing“ ans Herz gelegt. Nicht nur das Intro erinnert dank präsenten Drums und „Geklatsche“ an den Sound der Kalifornier („Bleed It Out“), auch der gesangliche Aufbau des temporeichen Songs lassen stark an die Zusammenarbeit von Chester Bennington und Mike Shinoda erinnern. Und hui – wartet hier erstmal bis zum Break!

Wie die Dynamik des Songs schon vermuten lässt, ist die Thematik dahinter von Wut und Angst zu versagen getränkt. Der Track kämpft mit seiner Musik regelrecht dagegen an, sich unterdrücken zu lassen. Aufstehen und die Stimme erheben. Was die Band mit ihren neuen Songs schafft, sollte man sich wohl selbst in einigen Situationen zu Herzen nehmen.

From Ashes To New liefern mit den insgesamt elf Stücke ihres neuen Albums „Panic“ genau die Weiterentwicklung, die andere Bands verpassen. Der Mut zur Weiterentwicklung, ohne gänzlich die eigenen Wurzeln zu verlieren, gelingt nicht immer allen Acts in dieser Form.

Foto: Travis Shinn / Offizielles Pressebild zu From Ashes To New

From Ashes To New auf Tour

Derzeit gibt es keine angekündigten Tourdates für From Ashes To New. Sollte ein Termin fehlen, würden wir dich bitten, uns eine E-Mail an info@morecore.de zu schicken, damit wir diese hinzufügen können.

ALBUM
Panic
Künstler: From Ashes To New

Erscheinungsdatum: 28.08.2020
Genre: ,
Label: Better Noise Music
Medium: CD, Vinyl, etc

Tracklist:
  1. Scars That I'm Hiding
  2. Brick
  3. What I Get
  4. Blind
  5. Sidefx
  6. Panic
  7. Wait for Me
  8. Bulletproof
  9. Nothing
  10. Death Of Me
  11. Change My Past
From Ashes To New Panic
From Ashes To New Panic
8.5
FAZIT
„Panic“ markiert nicht nur die persönliche musikalische und gleichzeitig sehr gelungene Weiterentwicklung von From Ashes To New, sondern auch einen weiteren Vorstoß in neue Genreströmungen, die den Nu-Metal mit anderen modernen Core-Sounds kombinieren.

Elf abwechslungsreiche Tracks bieten eine ordentliche Bandbreite dessen, was heutzutage wohl als zeitgemäßes Crossover betitelt werden kann. Wenn hier und da in einzelnen Tracks noch ein ganz klein wenig das Feuer unter dem Kessel fehlt, so ebnet die Band sowohl sich selbst als vielleicht auch anderen Künstlern den Weg in experimentierfreudigere Genre-Gefilde.