Review

FolkPunkrock

Kritik: NOFX/Frank Turner - "West Coast vs. Wessex"

Wir alle hatten uns dieses Jahr – auch was Shows und Festivals angeht – natürlich ganz anders vorgestellt. Während man ...

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Wir alle hatten uns dieses Jahr – auch was Shows und Festivals angeht – natürlich ganz anders vorgestellt. Während man sich bei einigen Events noch ganz gut mit der Verschiebung auf das nächste Jahr anfreunden konnte, gab es aber auch Dates, deren Absage trotz allem Verständnis für die Situation zu großer Enttäuschung führten.

Dies gilt in meinem Fall für das von NOFX-Fronter Mike Burkett (Fat Mike) ins Leben gerufene Punk in Drublic-Festival, das nach zwei sehr gelungenen Ausgaben 2018 und 2019 auch in diesem Jahr wieder in Europa Station gemacht hätte. Als Special Guest hatte man dafür keinen Geringeren als Frank Turner aus dem Hut gezaubert. Immerhin konnte auch hier das gesamte Line-Up für das nächste Jahr verpflichtet werden.

NOFX und Frank Turner liefert sich auf „West Coast vs. Wessex ein Battle der Extraklasse

Zum Glück haben sich weder NOFX noch Frank Turner mit der Verschiebung zufriedengegeben und fleißig die Köpfe zusammengesteckt. Herausgekommen ist „West Coast vs. Wessex“ – ein Coveralbum, auf dem jeweils fünf Songs des anderen gecovert werden. Ein interessantes Unterfangen, wenn man bedenkt, dass NOFX und Frank Turner bei allen Gemeinsamkeiten – unter anderem ein gewisser Lokalpatriotismus (wie am Titel erkenntlich) – sowohl musikalisch als auch im Hinblick auf ihren Hörerkreis durchaus unterschiedlich sind.

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Gemeinsam haben sie aber, dass sie ihr Handwerk verstehen und einen eigenen Sound erschaffen haben. Dies wird direkt bei den ersten Songs deutlich.

Bei den ersten Songs der Platte handelt es sich um fünf Turner-Songs, die von NOFX gecovert werden. Und hätte man Songs wie „Substitute“ oder „Worse Things Happen At Sea“ nicht schon in der Originalversion rauf und runter gehört, dann würde einem wohl kaum auffallen, dass NOFX die Songs gecovert haben.

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Fat Mike hatte noch kürzlich festgestellt, dass Nachspielen von Songs für ihn kein Covern ist. Er will die Songs stattdessen verbessern. Nach mehrmaligem Durchhören der fünf Tracks kann man festhalten, dass ihm dies durchaus gelungen ist. Selbstverständlich kann seine Stimme nicht mit der von Frank Turner mithalten, doch gerade ein Song wie „Glory Hallelujah“ macht als NOFX-Song richtig Spaß.

Kommen wir zur zweiten Hälfte des Albums. Auch Frank Turner hat sich an einige Überhits der Kalifornier herangetraut, denn gerade Songs wie „Bob“ oder „Eat the Meek“ gehören seit Jahren fest zum Live-Repertoire von NOFX.

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Gerade letzterer ist für mich das Highlight des Albums. Die Originalversion kommt trotz des ernsten Textes eher fröhlich daher, aber Frank Turner macht etwas ganz anderes daraus. So wird der Song plötzlich düster und fast schon psychedelisch, sodass auch der Text in einem ganz neuen Licht erscheint. Unerwartet, aber richtig gut!

Auch die anderen Songs gelingen. Frank Turner schafft es, die älteren, sehr punkigen Nummern in sein Folk-Gewand zu packen. Seine fantastische Stimme tut ihr Übriges, um Songs, die schon über 25 Jahren alt sind, ganz neu zu entdecken.

Bild: Cover zu „West Coast vs. Wessex“ von NOFX und Frank Turner

/morecorede
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