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PunkrockRock

Kritik: Frank Turner - Undefeated

„Undefeated“ – das hört sich erst einmal nach reichlich New School Hardcore und Männlichkeit an. Aber so will Frank Turner ...

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„Undefeated“ – das hört sich erst einmal nach reichlich New School Hardcore und Männlichkeit an. Aber so will Frank Turner ganz sicher nicht verstanden werden. Der Titel seines neuen Albums ist vielmehr eine Hommage an sich selbst, seine Karriere und die Tatsache, dass Frank Turner nicht nur wie bisher die Songs selbst geschrieben hat, sondern auch die Produktion des Albums übernommen hat und erstmals seit Jahren wieder ohne Major-Label im Rücken unterwegs ist. „Undefeated“ steht also nicht für reichlich Testosteron, sondern für die Unabhängigkeit, die sich der Engländer mit und auf seinem neuen Album zurückholen will.

Frank Turner startet so, wie man es sich wünscht

„Undefeated“ startet so, wie man es sich von Frank Turner wünscht. Es dauert nur wenige Sekunden, bis man beim Opener „Do One“ in den Bann des Mannes aus Südengland gezogen wird. Frank Turner weiß nach vielen Jahren und auf Album Nummer zehn sehr genau, was die Fans hören wollen. Der gut zwei Minuten lange Song bringt es schlicht und einfach auf den Punkt. In der Folge hält Frank Turner das Tempo angenehm hoch. Dass Frank Turner musikalische Vielfalt schätzt und auch immer wieder in seine Songs einbaut, ist bekanntlich kein Geheimnis. Und so deckt auch „Undefeated“ wieder das gesamte Spektrum von Punkrock über Rock’n’Roll bis hin zu klassischen Singer-Songwriter-Songs ab. Ein Glück für alle Hörer:innen, denn langweilig wird es in den 14 Songs eigentlich zu keinem Zeitpunkt. Dafür sorgt auch die Produktion.

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Wenn man bedenkt, dass Frank Turner erst zu Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 angefangen hat, sich ernsthaft mit Recording und Produktion zu beschäftigen, dann kann sich das Ergebnis mehr als sehen lassen. „Undefeated“ wirkt zwar nicht immer so ausproduziert wie andere Alben Turners. Doch das ist keineswegs ein schlechtes Zeichen. Ganz im Gegenteil: Der 42-jährige schafft es, sich gleichzeitig treu zu bleiben und neu zu erfinden. Songs wie „Girl From The Record Shop“ sind wie gemacht für die Live-Bühne. Bemerkenswert, wie gut es Frank Turner schafft, dieses Live-Feeling auf die Platte zu übertragen.

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Ein starkes Zeichen für den Underground

Wie schon erwähnt geht es Frank Turner auf „Undefeated“ auch darum, sich vom Mainstream, von der Welt der Major-Labels und der Angepasstheit loszusagen. „No Thank You For The Music“ steht dabei wie kein anderer Song des Albums für diese Haltung. Auch wenn Frank Turner auf eine bemerkenswerte Karriere, viele ausverkaufte Shows und große Festivals zurückblicken kann, ist es ihm immer wichtig gewesen, seine Wurzeln in der Punk- und Hardcore-Szene nicht zu vergessen. Mit dem Album gelingt es ihm, ein starkes Zeichen für eine vielfältige Musikszene, für den Underground und den DIY-Gedanken zu setzen. Das würde man sich doch gerne öfter wünschen.

Auf der Suche nach Ohrwürmern

Gibt es auf diesem Album überhaupt Negatives? Vielleicht fehlt dem ein oder anderen Song auf den ersten Blick das Hitpotential. Alle Songs auf „Undefeated“ gehen gut ins Ohr, bleiben aber nicht sofort da. Es fällt zumindest nach dem ersten Hören schwer, herauszufinden, ob und welche Songs des Albums in den kommenden Jahren einen festen Platz auf den Setlists einer der vielen Live-Shows bekommen werden. „International Hide and Seek Champions“ könnte aber ohne Frage dazugehören. Die Hookline im Refrain macht jedenfalls richtig Spaß. Mit „Undefeated“ entlässt uns Frank Turner schließlich nach 45 Minuten – und fasst noch einmal musikalisch und lyrisch seine Motivation für genau dieses Album zu genau dieser Zeit zusammen. Hört einfach selbst rein – besser als der Künstler selbst könnten wir es an dieser Stelle sowieso nicht ausdrücken.

Foto: Shannon Shumaker / Offizielles Pressebild

ALBUM
Undefeated
Künstler: Frank Turner

Erscheinungsdatum: 03.05.2024
Genre: , ,
Label: Xtra Mile Recordings Ltd
Medium: CD, Vinyl, etc

Tracklist:
  1. Do One
  2. Never Mind The Back Problems
  3. Ceasefire
  4. Girl From The Record Shop
  5. Pandemic PTSD
  6. Letters
  7. East Finchley
  8. No Thank You For The Music
  9. The Leaders
  10. International Hide And Seek Champions
  11. Show People
  12. On My Way
  13. Somewhere Inbetween
  14. Undefeated
Frank Turner Undefeated
Frank Turner Undefeated
8.5
FAZIT
Frank Turner findet auf Album Nummer 10 das richtige Maß zwischen Bewährtem und neuen Elementen. Darüber hinaus setzt er mit „Undefeated“ ein starkes Ausrufezeichen für den Underground, für DIY und eine vielfältige Musikszene. Die Message allein ist schon wichtig – aber dass auch das musikalische Gewand nahezu perfekt sitzt, macht das Album zu einer richtig großen Nummer. Well done, Mr. Turner.