Review

Pop-Punk

Kritik: Broadside - "Into The Raging Sea"

Kaum zu glauben, aber wahr: Ganze drei Jahre sind ins Land gezogen, seitdem ihr letztes Album „Paradise“ erschienen ist. Nun ...

VON

Kaum zu glauben, aber wahr: Ganze drei Jahre sind ins Land gezogen, seitdem ihr letztes Album „Paradise“ erschienen ist. Nun melden sich Broadside, pünktlich zum zehnjährigen Bandbestehen mit ihrem neuen Album „Into The Raging Sea“ mit insgesamt elf neuen Songs zurück.

Schon vor der offiziellen Release wurde bekannt, dass Sänger Ollie Baxxter mit der kommenden Platte eine ganz persönliche Scheibe schaffen wollte, indem er unter anderem seine Kindheit als in Armut lebender Halbwaise verarbeiten wollte. Dass ihn diese Erfahrungen nach wie vor verfolgen, wird bereits im ersten Song „The Raging Sea“ deutlich.

Broadside mangelt es auf „Into The Raging Sea“ an Innovation

Durch die cleanen Gitarren und den emotional geschwollenen Gesang wird die Thematik des Tracks, die sich darum dreht, dass Baxxter seine wahre Gefühlswelt vor anderen Personen, Fans und der Crowd geheim hält, deutlich.

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Im Verlauf des Songs erfährt dieser eine Steigerung: Die Screams im Refrain wirken dabei wie eine Erlösung. Von musikalischer Seite aus wird diese Steigerung auch durch die Doubletime-Snare weiter verstärkt. Das Stück endet mit dem Ausfaden der Musik – einem Stilmittel, das im Verlauf des Albums häufiger verwendet wird und sich wie eine Art roter Faden durch die Platte zieht, allerdings durch die häufige Verwendung auch an Ausdruckskraft verliert.

Es ist auffallend, dass Broadside stilistische Mittel auf „Into The Raging Sea“ so häufig verwenden, dass sie das gewisse Etwas verlieren. So auch in „Foolish Believer“. Trotz des klassischen Broadside-Pop-Punk-Sounds besitzt das Stück eine gewisse Schwere, die durch die verwendete Tonlage und die Akzente des Klaviers hervorgerufen wird.

Es handelt sich hierbei definitiv um einen Song, der das Potenzial zur Radio-Hymne besitzt und auch eine breite Masse ansprechen kann. Allerdings ist es bei diesem Track der verzögerte Einsatz des Schlagzeugs in die einzelnen Parts, der zu oft verwendet wird, was die Struktur vorhersehbar macht.

Der Mittelteil des Albums wird federführend von Love-Songs bestimmt. Der Klang von „Nights Alone“ wird durch Synthesizer und Samples unterstützt. Dies macht den Sound deutlich breiter als in den Stücken zuvor, schafft es allerdings nicht, ihn herausragend zu beeinflussen, sodass ein Wiedererkennungsmerkmal entstehen würde.

Insgesamt hat man das Gefühl, dass diese Ausfertigungen alle schon einmal verwendet wurden.

Dieses Gefühl beschleicht den Hörer auch bei „Heavenly“. Insgesamt ist der Song zwar eingängiger gespielt und sticht durch die verwendete Kopfstimme auch stärker hervor, erlangt allerdings nicht die Intensität, wie man es sich erhofft hätte.

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„Clarity“ beginnt da vielversprechender. Mit verträumt klingenden Gitarren und einem sanft anschwellenden Soundteppich im Gepäck ist der Einstieg sehr behutsam und wird durch den einsetzenden Gesang fortgeführt. Allerdings ist relativ schnell klar, dass auch hier das gewisse Etwas fehlt.

Die Ausführung birgt keinerlei Überraschungen oder kreative Neuansätze. Zusätzlich lässt das verwendete Tempo den Hörer in der Schwebe, da es zu schnell ist, um als klassische Ballade aufgefasst zu werden, jedoch zu langsam, um klar tanzbar zu sein.

Hervorgehoben werden kann der auflockernde, mehrstimmige C-Teil des Stücks, der insgesamt allerdings nicht ausreichend ist, um ihm die notwendige Vielfalt zu verleihen.

„Dancing On The Ceiling (With You)“ steht für das Ende des romantischen Mittelteils. Hierbei handelt es sich um einen sehr entspannten Rock-Song mit cleanen Gitarren in den Strophen und einem durchaus poppigen Refrain.

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Sogleich versprüht das Stück ein Sommergefühl, das vermutlich alle Hörer dringend benötigt haben. Die eher gradlinig gespielte, zweite Strophe wird in der Hälfte durch den verwendeten Philly-Sound des Schlagzeugs entzerrt und bietet eine Auflockerung im sonst recht starren Song-Konstrukt.

Das letzte Drittel des Albums beschäftigt sich dann erneut mit eher düsteren Themen, die geprägt sind von Selbstzweifel und der Angst zu scheitern.

So auch in „Seasons“: Der Song ist insgesamt deutlich düsterer und stellt daher auch einen klaren Cut zum positiven Mittelteil des Albums dar. Auffallend ist hier, dass die beschriebenen Zweifel mit den Zeilen „I’m not enough, not enough“ klar ausgesprochen werden, wodurch die Aussage an Authentizität gewinnt. Generell kann man „Into The Raging Sea“ zwar einige Kritikpunkte anhängen, an Authentizität mangelt es der Band aus Richmond allerdings nicht.

Foto: Niles Gregory / Offizielles Pressebild

Broadside auf Tour

Derzeit gibt es keine angekündigten Tourdates für Broadside. Sollte ein Termin fehlen, würden wir dich bitten, uns eine E-Mail an info@morecore.de zu schicken, damit wir diese hinzufügen können.

ALBUM
Into The Raging Sea
Künstler: Broadside

Erscheinungsdatum: 24.07.2020
Genre:
Label: SharpTone Records
Medium: CD

Tracklist:
  1. The Raging Sea
  2. Foolish Believer
  3. Overdramatic
  4. Nights Alone
  5. Heavenly
  6. Clarity
  7. Dancing In The Ceiling (With You)
  8. Seasons
  9. Breathe You In
  10. The Setting Sun
  11. Burning At Both Ends
Broadside Into The Raging Sea
Broadside Into The Raging Sea
5.5
FAZIT
Fans der Band werden sicherlich auf das neue Album von Broadside hingefiedert haben und werden sich darüber freuen können, dass die Band auf „Into The Raging Sea“ ihren Sound nicht verloren hat. Darüber hinaus wirkt die Platte definitiv sehr persönlich und nah.

Allerdings mangelt es an Ideen in der musikalischen Umsetzung. Das Songwriting wirkt repetitiv und es fehlt an Besonderheiten, die Songs, wie beispielsweise „Coffee Talk“, so erfolgreich gemacht haben. Mich hinterlässt das neue Werk von Broadside daher enttäuscht, da es im Vergleich zum Vorgänger "Paradise" aus dem Jahr 2017 eher einen Rückschritt darstellt.