Review

AlternativeRock

Kritik: Blackout Problems - "Riot"

Wer kennt sie nicht – die Bands, von denen immer wieder gesagt wird, dass sie doch eigentlich viel größer und ...

VON

Wer kennt sie nicht – die Bands, von denen immer wieder gesagt wird, dass sie doch eigentlich viel größer und bekannter sein müssten. Darüber, welche Bands denn in diese Kategorie fallen, lässt sich gut und lange streiten. Bei Blackout Problems dürfte die Sachlage aber klar sein. Das Münchener Trio um Sänger Mario Radetzky hat schließlich inzwischen über zehn Jahre auf dem Buckel, hat viel erlebt und viel gespielt und hätte ohne Frage mehr Anerkennung verdient als ihm bisweilen zuteil wird.

Blackout Problems – zu Unrecht unter dem Radar

Möglicherweise hat der musikalische Wandel der ersten Jahre die Entwicklung der Band ein wenig gehemmt. Auf der einen Seite macht es Blackout Problems sehr sympathisch, dass sie nicht bei einem Musikstil stehengeblieben sind, sondern sich stetig weiterentwickelt haben. Auf der anderen Seite haben die Songs der letzten Jahren nicht mehr allzu viel mit der Anfangszeit zu tun. Das könnte im Ergebnis die Bildung einer homogenen Fanbase erschwert haben. Aber wir wollen an dieser Stelle auch nicht zu pessimistisch werden. Homogen hin oder her – Blackout Problems haben sich sehr wohl eine nicht unbeachtliche Fanbase erspielt, spielen regelmäßig große Shows und sind in den kommenden Tage als Support für Enter Shikari unterwegs. Es könnte also weitaus schlechter laufen. Mit „Riot“ steht jetzt Album Nummer 4 in den Startlöchern. Und die ersten Singles ließen schon einmal aufhorchen. Wollen wir mal sehen, ob das Album die guten ersten Eindrücke bestätigen kann.

Ein furioser Start

Mit „DNA“ startet das Album direkt atmosphärisch und energetisch zugleich. Die Stimme von Mario Radetzky ist ohnehin schon sehr einprägsam, doch falls jemand vergessen haben sollte, wie einzigartig und gut sie klingt, ist „DNA“ der perfekte Reminder. Das Ganze wird dann auch von Leoni Klinger (UMME BLOCK) gesanglich unterstützt und führt zu einem Song, der ganz und gar nicht wie ein typischer Opener klingt. Vielmehr wird hier schon alles gezeigt, was Blackout Problems 2024 ausmacht.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Eingängige Gesangsmelodien, viel Atmosphäre durch die Synthies, kreative Gitarrenarbeit. So niveauvoll startet ein Album selten. Und das Gute ist: Es geht genau so weiter. „Whales“ wurde als letzte Single erst vor wenigen Tagen veröffentlicht und macht musikalisch da weiter, wo „DNA“ aufgehört hat. Lyrisch ist der Song ein Rundumschlag, der sich mit dem gegenwärtigen Zustand der Welt beschäftigt und den Mut, für seine Haltung und Meinung einzustehen, thematisiert. Nicht belehrend, eher beobachtend. Sympathisch.

Ein Highlight nach dem anderen

Während „Trouble“ das Niveau nicht ganz halten kann, aber eher ein solider Lückenfüller ist, geht es in der Albummitte in Sachen Highlights Schlag auf Schlag. Der Refrain von „Stash“ bleibt wohl allen Hörer:innen schon nach der ersten Runde im Ohr. Und auch die erste Single „Puzzle“ hat sowohl Atmosphäre als auch Ohrwurmqualitäten. Hier und da würde man zwar wünschen, dass Gitarrist Moritz Hammrich den Gainregler seines Verstärkers heimlich etwas mehr aufgedreht hätte. Aber stimmig sind Sound und Songwriting ohne Frage. Besonders der Synthie-Einsatz weiß durchweg zu gefallen.

Die elektronischen Sounds, für die live vor allem Bassist Marcus Schwarzbach zuständig ist, sind bei Blackout Problems nämlich viel mehr als nur nettes Beiwerk. Sie sind nicht für Füllmaterial, sondern ein eigenständiges Instrument. Und damit werden sie auch in einem Song wie „Funeral“ zum Gamechanger. Trotz bzw. wegen des Titels ist „Funeral“ wohl der Song auf „Riot“, der für die romantischsten Gefühle sorgt. Wäre der Name nicht, so müsste sich Ed Sheeran ernsthaft Gedanken machen, dass „Perfect“ in diesem Jahr nicht mehr der meist gespielte Song für den Hochzeitstanz ist.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Blackout Problems feat. Enter Shikari

Auf „Glofs“ gibt es mit Enter Shikari-Sänger Rou Reynolds noch einmal einen sehr interessanten Feature-Gast. Der Song behandelt anhand der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 die Zerstörung der Umwelt. Ist der Song auch etwas sperriger als andere, hat er doch – auch durch Rou Reynolds – einen ganz eigenen Vibe. Von der inhaltlichen Relevanz einmal ganz abgesehen.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Am Ende des Albums befindet sich noch einmal eine Vielzahl bisher nicht als Singles veröffentlichter Songs. Vielleicht fehlt hier und da – etwa in „Blackroom“ – das Alleinstellungsmerkmal. „Riot“ hält das hohe Niveau aber dennoch bis zum Ende. Mit „Talktome“ gibt es auch noch die obligatorische Ballade – sogar in zwei Teilen, wobei nur Teil Eins eine klassische Ballade ist und Teil Zwei im fast schon typischen Blackout Problems-Gewand daherkommt. In Sachen Atmosphäre sind Blackout Problems ja ohnehin weit vorne dabei. Aber – das zeigt „Riot“ von vorne bis hinten – nicht nur da. Übrigens: Im Gegensatz zu Paramore verzichten Blackout Problems beim Albumtitel „Riot“ auf das Ausrufezeichen. Wobei das nicht ganz stimmt. Denn das, was die Münchener uns hier vorlegen, ist nicht weniger als ein ganz, ganz dickes musikalisches Ausrufezeichen. So reif, so durchdacht, so vollkommen klangen Blackout Problems noch nie!

Beitragsbild: Bernhard Schinn / Offizielles Pressebild

ALBUM
Riot
Künstler: Blackout Problems

Erscheinungsdatum: 23.02.2024
Genre: ,
Label: Hansa / Sony Music
Medium: CD, Vinyl, etc

Tracklist:
  1. DNA (feat. Leoni Klinger & UMME BLOCK)
  2. Whales
  3. Trouble
  4. Stash
  5. Puzzle
  6. Funeral
  7. Golfs (feat. Rou Reynolds)
  8. Blackroom
  9. Talktome
  10. Tiredice
  11. Talktome (II)
Blackout Problems Riot
Blackout Problems Riot
9.5
FAZIT
„Riot“ – das klingt erst einmal wild und aufwühlend. Und auf seine ganz eigene Art und Weise ist „Riot“ auch wild und aufwühlend. Aber Blackout Problems gehen nicht mit der Brechstange vor, sondern mit viel Gefühl und Atmosphäre. Das gelingt von vorne bis hinten richtig gut – so klingt ein Aufstand im Jahr 2024.