Review

Heavy Metal

Kritik: Black Sabbath - "Sabotage: Super Deluxe Edition"

Seit knapp sieben Jahren ist es still um die Altherren der sagenumwobenen Heavy-Metal-Instanz Black Sabbath geworden. Zuletzt erschien 2013 das ...

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Seit knapp sieben Jahren ist es still um die Altherren der sagenumwobenen Heavy-Metal-Instanz Black Sabbath geworden. Zuletzt erschien 2013 das passend benannte Album “13”, auf welchem auch ihr ursprünglicher Sänger Ozzy Osbourne wieder am Mikrofon zu hören ist. 2021 gibt es nun einen Leckerbissen für alle eingefleischten Fans des teuflischen Quartetts.

Das sechste Studioalbum „Sabotage“ aus den 50 Jahre zurückliegenden 70er Jahren gibt’s neu abgemischt und mit allem was das Fanatiker-Herz begehrt in der neuen Super Deluxe Version in den Plattenläden!

Black Sabbath ist Geschichte, doch das Gute an Vergangenem ist immer die Erinnerung

…und der zollt das Label BGM nun Tribut.

Mit einem massiven Gedenkstein in Form einer Super Deluxe Version des sechsten Black Sabbath-Albums “Sabotage”. Das remasterte Album plus gesamtes Live-Konzert ist sowohl als 4-fach Vinyl-Edition oder als 4-CD-Sammelwerk zu erstehen und kann im Set mit allerlei Fan-Krimskrams wie Poster, Booklet und Notelines käuflich erworben werden.

Was das so drauf hat, wer Black Sabbath eigentlich waren und was 1975 bei der Produktion zur Original-Platte wirklich abging, lest ihr im Folgenden.

Ein kurzer Exkurs

Black Sabbath gelten als die Schöpfer des klassischen Heavy Metal-Begriffs. Vor über 50 Jahren beginnt in Birmingham, England eine Bandhistorie die ihresgleichen sucht. Alben wie “Paranoid” oder “Master of Reality” gelten als legendär, brachten der Band Gold-, und Silber Status ein und Sänger Ozzy Osbourne erhielt in kürzester Zeit den Beinamen “Prince of Darkness”.

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Zuletzt erschien 2013 neue Musik der Schwermetall-Urgesteine, die problemlos an alte Erfolge anknüpfen konnte. Seitdem wurde es still um die Altherren der dröhnenden Klänge. 2016 folgte die letzte Tour der Band, die passenderweise den Titel “The End” trug. Im darauffolgenden Jahr wurde die offizielle Auflösung der vielleicht größten Band ihrer Zeit bekannt gegeben.

Zeitreise ins Jahr 1975

Wir stellen uns mit Ankündigung des neu erscheinenden “Sabotage – Super Deluxe” Albums die Frage: Warum jenes? Kehren wir also kurz in die 70er Jahre zurück und betrachten das laut der Kritik “unterschätzteste” Album der Fürsten der Finsternis im Kontext seines Schaffens:

Anfang der 1970er haben Black Sabbath ihren Durchbruch. Mit den Debüt-Alben “Black Sabbath” und “Paranoid” wird die Band erfolgreich und findet über die Grenzen Birminghams hinaus Anklang. Der Kombo um den von Anfang an skandaltreuen Ozzy Osbourne kommt der schnelle Ruhm und vor allem das schnelle Geld bald zur Nase raus – und vor allem wieder rein. In Alkohol und Drogen findet sie zwar sowohl ihre Inspiration, als auch massiv viel Ärger und falsche Freunde.

Mitte des Jahrzehnts spitzen sich dann die Geschehnisse rund um und in der Band zu. Der Streit um das hart verdiente Geld geht in einen unausgegorenen Rosenkrieg zwischen Sabbath und ihrem gerade gefeuerten Manager Meehan und deren Anwälten über. Zusätzlich entfremden sich die beiden Frontköpfe der Band – Osbourne und Iommi – immer weiter voneinander. Aber was macht eine Band, die sich maßgeblich beschissen und sabotiert vorkommt? Richtig. Sie schreibt ein Album drüber und nennt es “Sabotage” – mit besten Mittelfingergrüßen.

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Acht Tracks landen auf dem bis dato teuersten und aufwendig produziertesten Album der britischen Metalband. Ganze sechs Monate verbringen die vier Männer dafür in den Morgan Studios in London, für die Vorläufer waren nur wenige Wochen nötig. Berichten zufolge ist Iommi 1975 so pedantisch unterwegs, dass Ozzy nur noch von ihm genervt ist. Doch tatsächlich kann man auf “Sabotage” einige Unterschiede zu den früheren Sabbath-Alben feststellen: Es ist wesentlich ausgeklügelter, experimenteller und cleaner. Warum geriet es dann so stark in Vergessenheit, wenn darin so viel Arbeit steckte?

Sabotage – zu therapeutischen Zwecken

Alles in allem kann man sagen, dass das Album etwas “zu rund” ist. Die Instrumente klingen besser gespielt und Ozzys Vocals machen nur wenig Faxen. Während die ersten Tracks des Albums wie “Hole In The Sky” und “Megalomania” noch starke, aussagekräftige Gitarrenriffs enthalten und Ozzys Schreigesang wunderbar unterstützen, wird es auf der zweiten Hälfte des Albums schwerer, noch etwas Doomiges und Düsteres daran zu finden.

Tatsächlich wirken einige Passagen sehr blumig und verstrahlen 60er-Woodstock-Charme. Außer vielleicht der Text, denn auch das sechste Studioalbum setzt sich wieder mit den typischen Sabbath-Thematiken Tod, Universum und mentaler Gesundheit auseinander. “Symptom of the Universe” würde ich allerdings anhand der letzten Punkte ausklammern, denn das ist wirklich Old-School-Heavy-Metal der Extraklasse, schnell, griffig und düster.

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Auch ein Grund, warum das Album so teuer wurde, ist der Track “Supertzar” bei welchem Harfe, Melotron und der Londoner Kammerchor zu hören sind. Ozzy Osbourne feierte den experimentellen Sound, bezeichnete ihn als “Soundtrack den Gott höchstpersönlich zum Jüngsten Gericht dirigiert” – ganz im Gegensatz zu Kritikern. Ein weiteres interessantes Stück ist “The Writ”, der abschließende Track des Albums. Während dieser meist untergeht, ist die Bedeutung dahinter doch recht amüsant zu genießen. Zu Deutsch bedeutet er “Die Vorladung” und rechnet lyrisch mit dem Ex-Management der Band ab. Osbourne nutzte den Schaffensprozess der Platte zu therapeutischen Zwecken und findet in seiner Autobiografie dazu folgende Worte:

“Die ganze Wut auf Meehan strömte aus mir heraus. Aber wissen sie was? Was brachte ihm der ganze Bullshit, mit dem er uns an der Nase herum führte, am Ende ein? Sie sollten ihn heute erleben: Er sieht aus wie ein fetter, versoffener Penner. Aber ich hasse ihn nicht. Leute zu hassen ist keine besonders produktive Lebenseinstellung. Im Endeffekt wünsche ich dem Typen nichts Böses.

Ich bin schließlich immer noch hier. Ich habe meine Karriere noch also warum sollte ich ihn hassen? Es gibt auch so schon zu viel Hass in der Welt, da muss ich meinen nicht noch dazu addieren. Und immerhin habe ich dem Ganzen einen Song zu verdanken.”

“Sabotage” erschien 1975 zunächst im Juli in den Staaten, dann im August in Europa. In den UK erhielt es in Kürze Silberstatus und in den 90er Jahren konnte Black Sabbath in den USA ihre Platte vergolden.

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Black Sabbath machen ohne Ozzy weiter – und Ozzy ohne Black Sabbath

Auf “Sabotage” folgten zwei weitere Alben, bei denen Ozzy noch den Gesangspart übernimmt: “Technical Ecstasy” und “Never Say Die!”. Von 1979 bis 1997 gehen Butler, Ward und Iommi den Weg ohne den “Prince of Darkness”, dafür mit neuen Sängern, die allerdings nie länger als vier Jahre am Stück der Band treu bleiben. Der bekannteste unter diesen “Gast-Sängern” bleibt Ronnie James Dio, mit welchem Sabbath noch die Gold-Alben “Heaven and Hell” und “Mob Rules” produzierten. Er verstarb im Jahr 2010.

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Black Sabbath konnte von den 80er Jahren bis 2013 nicht mehr an ihre frühen Erfolge anknüpfen. Die bandinternen Streitereien und Diskussionen konnten leider nie komplett beseitigt werden. Das einzig konstante Mitglied, von der Gründung bis zur Auflösung 2017, war Gitarrist Tony Iommi. Ozzy Osbourne konnte mit seiner Solokarriere ab 1979 einen kometenhaften Aufstieg und kommerziellen Erfolg hinlegen, welcher bis heute nicht abgebrochen ist.

46 Jahre “Sabotage”

Wir schreiben derweil das Jahr 2021 und die ursprünglichen Bandmitglieder Ozzy Osbourne, Tony Iommi, Geezer Butler und Bill Ward gehen ihre eigenen Wege. Ozzy Osbourne hat zum zweiten Mal seine Solo-Tournee verschoben und beschäftigt sich in Coronazeiten fleißig am Schreiben von neuen Tracks für seinen kommenden 14. Longplayer. Auch der meisterhafte Gitarrist Sabbaths, Tony Iommi, feilt vorbildlich regelmäßig an neuen Riffs für künftige Kooperationen.

Wer hätte also mit einer Neuauflage des vielleicht letzten wirklich prägnanten Black Sabbath-Album gerechnet? So richtig eigentlich niemand. Bisher äußerten sich auch noch keine der ehemaligen Bandmitglieder dazu. Und so wirklich viel Neues zu berichten gibt es da jetzt auch nicht.

Die neu gemischten Tracks klingen alles in allem etwas deutlicher, cleaner und abgerundet. Generell ist der Sound etwas lauter und dynamischer, wirkt allerdings im Vergleich zum Original etwas überdreht. Die kleinen feinen Nuancen und Details gehen fast mitunter. Die Vocal-Spuren heben sich beim Original mehr von der Musik ab. Da ist dann der persönliche Geschmack gefragt. Die Instrumentalparts klingen voller, deutlicher und stärker.

Nett sind auch die zwei Sonder-Single Edition Tracks zu “Hole In The Sky” und “Am I Going Insane” auf der vierten CD des Sets.

Vor allem besticht die Super Deluxe Version aber mit den Live-Konzert-Aufnahmen der US-Tour 1975. 16 Tracks füllen zwei Tonträger, davon 13 bisher unveröffentlicht. Das knapp eineinhalbstündige Konzertmaterial bietet von den Hits “War Pigs”, “Paranoid” oder “Children Of The Grave” außerdem einige auditive Ergüsse wie Iommis Gitarrenjamming. Zu diesen kann man wirklich in bester Black Sabbath-Manier zu den Old-School-Heavy Metal Vibes der 70er abheadbangen. Mehr übersprudelnde Nostalgie geht nicht.

Und wenn dann Ozzy das Publikum fragt: “Are you high? ARE YOU HIIIGH? So Am I..” Will man eigentlich nur dabei gewesen sein.

Bild: Offizielles Artwork zu „Sabotage (2021 – Remaster)“

ALBUM
Sabotage: Super Deluxe Edition
Künstler: Black Sabbath

Erscheinungsdatum: 11.06.2021
Genre: ,
Label: BMG / Sanctuary
Medium: CD, Vinyl, etc

Black Sabbath Sabotage Super Deluxe Edition Remastered
Black Sabbath Sabotage Super Deluxe Edition Remastered
8
FAZIT
Black Sabbath ist und bleibt nun mal Black Sabbath. Da ändert auch der 2021er Anstrich nicht viel am Album aus den 70ern. Aber das ist gut so! Niemand will einen Doom-Metal-Remix! “Sabotage” war bereits im Original eins der interessanteren Alben in der Karriere der Band, da es sehr experimentell und musikalisch originell daherkommt. Es ist daher auch spannend, krasse Tracks wie “Symptom of the Universe” oder “Hole In The Sky” ins aktuelle Jahrhundert zu katapultieren. Alles in Allem klingt das remasterte Album im Gegensatz zum Original lauter und dynamischer, einfach moderner.

Das Highlight auf der Super Deluxe Version sind auf jeden Fall die Live-Tracks, denn die lassen einen sofort in der Zeit reisen und verträumt den Nacken kreisen. Das Mega Bundle mit Poster, Booklet und Notes ist auf jeden Fall unverzichtbar für jeden eingefleischten Fan.
/morecorede
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