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Progressive

Kritik: Benthos - "II"

Prog Metal-Bands gibt es wie Sand am Meer. Doch Bands, denen es geling aus der Masse herauszustechen, werden immer rarer. ...

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Prog Metal-Bands gibt es wie Sand am Meer. Doch Bands, denen es geling aus der Masse herauszustechen, werden immer rarer. Benthos stammen aus Mailand und haben nun ihr erstes Album namens „II“ veröffentlicht, das direkt aufzeigt, dass den Italienern etwas gelingt, woran viele andere scheitern.

Benthos: Wild, chaotisch, futuristisch

Mit „Cartesio“ zeigen Benthos in kurzer Zeit, welchem Sound die Italiener folgen. Mit modernem Progressive Metal, der an Bands wie The Ocean und The Contortionist erinnert, strukturiert sich der überwiegend clean besungene Track in Sci-Fi-Atmosphären und Clean Parts, die der Bezeichnung ätherisch absolut gerecht werden.

Die harten Grooves, djentige Breaks und die futuristische Ausproduzierung der Synthesizer sowie des Gesangs lassen „Cartesio“ stellenweise etwas chaotisch, aber durchaus spannend werden. Es dauert ein wenig, um sich in die musikalische Sprache der aus Mailand stammenden Band einzufinden. Doch insbesondere der stark produzierte Sound hilft unter diesem Aspekt.

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Vor allem der Bass kommt im Mix von „II“ bestens durch und setzt interessante Tupfer. So etwa ist er bei „Back And Forth“ durchweg hörbar und steuert seine eigenen Melodieverläufe bei, die neben den Gitarren und dem Gesang für packende Spannung sorgen. Generell ist die sehr perkussive und atmosphärische Auslegung der Musik von Benthos durchaus spannend gestaltet und liefert sowohl für Ambient-Freunde als auch für Groove-Fans jede Menge begeisternde Momente.

Im Vergleich zu „Cartesio“ liefert der zweite Track des Albums starke Tech Death-Vibes, die an Bands wie Beyond Creation erinnern, was nicht zuletzt am präzise gespielten Bass und dessen Sound liegt. Einzig die Vocals sind im Vergleich viel cleaner und heben das Riffing auf eine Prog Metal-Ebene. Etwas, das Benthos in der Fülle ihres Instrumentariums bestens meistern, ist die Zuspitzung auf eine harmonische, melodische und strukturelle Klimax in der im Falle von „Back And Forth“ alle Aspekte der Band geschickt kulminieren und diesen Song in seiner Wirkung stärken.

Technisch versiert, künstlerisch verspielt

„Talk To Me, Dragonfly!“ hat Momente, die stark an Haken erinnern. Insbesondere das experimentelle Wechselspiel der beiden Gitarren und die gesangliche Umsetzung lassen diesen Track besonders anspruchsvoll werden. Im Vergleich zu Haken setzen Benthos aber auf einen härteren Sound, polyrhythmisches Drumming und Strukturen, die mehr als einen Hördurchgang benötigen, um wirklich klar zu werden.

Die harten Breaks werfen, mitsamt der Synthesizer, erneut Parallelen zu The Contortionist auf, während das Gitarrenriffing in djentigen Cleangitarren stark an die deutschen Prog Metal-Virtuosen The Hirsch Effekt erinnert. „Talk To Me, Dragonfly!“ ist der wohl verrückteste, anspruchsvollste und chaotischste Track, den Benthos zu bieten haben. Aber verdammt, es ist auch der Track der genau deshalb am aller besten schmeckt!

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„Facing The Deep“ fungiert als Interlude und Brücke zu „Debris / / Essence“, was bereits als Single ausgekoppelt wurde. Kaum ein Song auf dem Album ist so emotional geschrieben, was insbesondere am ruhigeren Pacing und den Vocallines des Sängers liegt. Aber auch die instrumentalen Passagen des Tracks überzeugen durch ihre atmosphärische Auslegung und die mesmerisierenden Gitarrenmelodien. Auch die Länge und die wiederkehrenden Passagen sorgen dafür, dass „Debris // Essence“ eingängiger wird, als man anfangs annehmen mag.

Auch klassisches Gitarrenspiel auf Akustikgitarren stellen Benthos unter Beweis, was sich in einem enorm cool gespielten Part von „Dissolving Flowers“ widerspiegelt. Generell ist es die Gitarrenarbeit, die Benthos von vielen anderen Bands abhebt und „II“ zu einem enorm spannenden Album macht. Die generelle Vielschichtigkeit im Sound der Italiener blitzt immer wieder auf und zeigt insbesondere im Gitarrenriffing auch Einflüsse, die stark auf Between The Buried And Me deuten, wie beispielsweise der Beginn des Titeltracks.

Einzigartiger Sound mit dem gewissen Etwas

Dennoch gelingt es Benthos einen eigenen Sound zu entwickeln, der die verschiedenen Einflüsse zwar offenbart und folglich auch zusammenfügt; trotzdem hat man das Gefühl, dass sich innerhalb der klanglichen Sphären eine Essenz versteckt, die neu und ungewohnt klingt. Diese Essenz ist es wohl, die Benthos herausstechen lässt und zeigt, dass „II“ kein epigonales Werk ist, sondern ein Prog Metal-Album, das auf vielen Ebenen überzeugt.

Wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann nur, dass die Produktion stellenweise etwas wirr wirkt und die musikalischen Aspekte viel Zeit benötigen, um sich vollständig in die Klangwelt der Band einzufinden. Darüber hinaus ist Sänger Gabriele Landillo technisch versiert, offenbart jedoch einen hörbaren Akzent, den man auf der einen Seite als Alleinstellungsmerkmal aufgreifen, auf der anderen Seite als Störfaktor empfinden kann. Generell bleiben Benthos und Landillo über weite Strecken clean und verzichten auf übermäßigen Einsatz von Shouts oder Growls.

Für Fans von modernem Prog Metal gibt es an Benthos und ihrem Erstlingswerk nicht viel zu meckern. Die Spielzeit von etwas mehr als 32 Minuten ist etwas zu knapp bemessen, um mit Bands wie BTBAM und ihren großen Alben jenseits der 60 Minuten mitzuhalten. Dennoch liefern Benthos starke Argumente, sich mit ihrer Musik auseinanderzusetzen.

Foto: Alessandra Senna / Offizielles Pressebild zu Benthos

ALBUM
II
Künstler: Benthos

Erscheinungsdatum: 23.04.2021
Genre:
Label: Eclipse Records
Medium: CD, Vinyl, etc

Tracklist:
  1. Cartesio
  2. Back And Forth
  3. Talk To Me, Dragonfly!
  4. Facing the Deep
  5. Debris // Essence
  6. II
  7. Dissolving Flowers
Benthos II
Benthos II
8
FAZIT
Benthos setzen mit „II“ ein Ausrufezeichen in der internationalen Progressive Metal-Szene. Mit einem lupenreinen Sound, innovativen Ideen und vertrauten Aspekten haben die Italiener unter Beweis gestellt, dass sie sich auch auf internationaler Ebene messen können. Dennoch scheint es so, als wäre die musikalische Entwicklung noch nicht abgeschlossen und insbesondere mit Blick auf die knappe Spielzeit lässt sich hoffen, dass Benthos sich künftig wieder einem Album widmen, ihren Sound weiter auffrischen und in einer längeren Spielzeit festhalten. So ist „II“ ein Album, das jeder Fan von modernem Progressive Metal schmecken wird und aufgrund der überschaubaren Spielzeit seine 32 Minuten in Fülle wert ist.
/morecorede
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