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Kritik: Beatsteaks – "In The Presence Of"

Eine Verneigung vor weiblicher Kunst, die sich hören lässt – die Beatsteaks veröffentlichen neue Cover-EP mit Songs, die im Original ...

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Eine Verneigung vor weiblicher Kunst, die sich hören lässt – die Beatsteaks veröffentlichen neue Cover-EP mit Songs, die im Original ausschließlich von Musikerinnen interpretiert wurden.

Als die geplante Tour zum 25-jährigen Bandjubiläum ins Wasser fiel und sie merkten, dass es ihnen schwerfällt, neue Songs zu schreiben, ohne sich zu sehen, überlegten sich die Herren etwas anderes. Drei Jahre ist es nun her, das letzte Album der Punk-Rock-Band Beatsteaks. Nach dieser Kreativpause präsentieren uns die Berliner nun eine Cover-EP vom Allerfeinsten.

Die sechs Coversongs auf „In The Presence Of“ haben tatsächlich alle etwas gemeinsam. Weder Sprache, noch Herkunftsland oder Erscheinungsjahr: Sie werden allesamt im Original von Frauen gesungen. So präsentieren die Jungs mit dieser EP Songs unterschiedlichster Sängerinnen, die sie verehren.

Velvet Undergrounds „After Hours“ eröffnet das Spektakel. Ähnlich verträumt und verspielt ist diese Version, zumindest zu Beginn. Dass Arnim und Co. diesen Song fühlen, spürt man bis ins eigene Wohnzimmer. Mittig eskaliert ganz kurz ein ganz typischer, ordentlicher Beatsteaks-Ausraster, sonst wären wir aber auch enttäuscht gewesen! Für die EP waren die Fünf übrigens nach langer Zeit mal wieder im Studio. Keine DIY-Arbeit, über etwas Struktur haben wir uns in diesen Zeiten alle gefreut.

Mit aktuellen Themen nehmen uns die Beatsteaks mit in die Vergangenheit

Auch „You Don’t Own Me“, der frühe Feminismusklassiker von Lesley Gore, ist von der Partie. Der 1964 erschienene Song handelt vom Selbstvertrauen junger Frauen und nach wie vor passt das Thema in den Alltag. Die Beatsteaks-Version ist nah am Original und damit auch ebenso voller Gefühl. Arnim singt sich inbrünstig in unser Herz und Aufmerksamkeit kann die Thematik heute wie morgen gut gebrauchen. Ein super Statement.

Ein zeitlicher Querschnitt durch die Geschichte der weiblichen Musik

Es folgt ein Song von L7. Die 1985 gegründete All-Girl Punkband aus Los Angeles ist auch mit von der Partie. „Shitlist“, ein Punk-Meilenstein, unter anderem auch bekannt aus „Natural Born Killers“, ist der letzte der drei vorab nicht veröffentlichten Überraschungssongs der EP. Das dazugehörige Video ist definitiv mein Favorit dieses Jahr: Arnim als Plüschstorch vor dem lokalen Supermarkt wird von diversen Figuren (natürlich hauptsächlich Bandkollegen) geärgert. Als ihm die Hutschnur reißt, muss die gesamte Shitlist teuer bezahlen… Bitte sofort ansehen! L7 konnte man übrigens 2015 wieder auf deutschen Bühnen sehen und 2019 gab’s auch ein neues Album, vielleicht ist da ja noch mehr im Busch.

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Der vierte Song erschien auch als vorherige Single: „Monotonie“ von IDEAL mit Anette Humpe am Mic. Geradezu beschwingt kommt die Beatsteaks-Version gegen die eher – haha – monotone Version von IDEAL daher. Im Video tanzen die Jungs im Studio vor gekonnt unprofessionell arrangiertem Greenscreen mit Bildern aus meernahem Paradies, zwischendurch auch einfachen Knallfarben. Plötzlich sehen wir Bilder von Demonstrationen mit eingedengelten Autos hinter dem Bongospiel, schnell wieder abgelöst vom Farbthema. Zum Schluss gibt’s noch Feuerwerk – sehr paradiesisch, das alles…

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Hildegard Knefs „Von nun an ging’s bergab“ hat die Band dann wieder sehr rockig interpretiert. Schrammelgitarren statt Orchester und Peter am Mikrofon statt Arnim.

Passend zum Titel stellt das Video auch eher den Verlauf des Vorlaufs des Drehs dar. Eigentlich wollte die Band einfach nur ein weiteres Video im Studio aufnehmen, dies stellt sich aber als aufwändiger heraus, als erwartet. Die ganze Band fummelt und friemelt nonstop in der Kulisse, Mikroständer und Verkabelungen geben systematisch den Geist auf und als am Ende auch noch die Nebelmaschine zum Einsatz kommt, wird es Peter zu wild.

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Die Beatsteaks ziehen den Hut

„Glory Box“ ist dann der letzte Track im Bunde. Ursprünglich von den Pionieren des Trip-Hop, der britischen Band Portishead. Die Beatsteaks-Version kommt hier sehr nah ans Original. Der perfekte Song für nächtliche Autofahrten durch die menschenleere Stadt. Ganz klarer Gänsehautfaktor.

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Auffallend schön ist by the way, dass die Band alle Versionen auch in der weiblichen Perspektive belassen hat. Absicht der Berliner und eine tiefe Verneigung vor allen gecoverten Musikerinnen.

Foto: Chris Guse / Offizielles Pressebild

ALBUM
In The Presence Of (EP)
Künstler: Beatsteaks

Erscheinungsdatum: 11.12.2020
Genre: , ,
Label: BMG
Medium: CD, etc

Tracklist:
  1. After Hours
  2. You Don't Own Me
  3. Shitlist
  4. Monotonie
  5. Von nun an ging's bergab
  6. Glory Box
Beatsteaks In The Presence Of
Beatsteaks In The Presence Of
9
FAZIT
Die Beatsteaks haben uns nie enttäuscht. Auch diese kleine, aber feine Auswahl von empowering Songs verschiedenster Musikerinnen zeigt uns wieder einmal, warum sie uns so am Herzen liegen. Covern, ohne einfach nachzuspielen und die eigene Note unterbringen, ohne die Emotion des Originals zu verlieren - das können die fünf Berliner definitiv. Nur etwas mehr Titel hätten es wirklich sein können!
/morecorede
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