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Kritik: AViVA - "Volume I"

“Hey Jakob, I know this might sound kind of different of what you might be used to but …“ So ...

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“Hey Jakob, I know this might sound kind of different of what you might be used to but …“ So lautet der erste Satz der Presse-Mail mit dem Link zum ersten Album “Volume I” von AViVA und ja, AViVA gehört vermutlich nicht zu den Künstlern, die wir tagtäglich zur Bemusterung zugeschickt bekommen.

Wie der Zufall es will, hatte ich aber Anfang 2019 Ihre Single “Rabbit Hole” in meiner wöchentlichen Spotify-Playlist. Die generelle Stimmung von “Rabbit Hole“ fand ich damals auf Anhieb ziemlich spannend; der Song bekam daraufhin ein Herz und geistert seitdem doch recht regelmäßig in meinen Mixtapes umher.

AViVA, die mit bürgerlichem Namen Aviva Anastasia Payne heißt, kommt ursprünglich aus Australien, lebt aber seit einiger Zeit in Los Angeles und startet mit dem Song “GRRRLS” ins Album. “GRRRLS”, der zugleich bereits als Single erschienen ist, beginnt mit einer Hauptmelodie, die von einem effektbehafteten Klavier eingeleitet wird.

AViVA debütiert auf „Volume I“ mit einem spannenden Genre-Mix

Nur Sekunden später setzt dann die Stimme von AViVA ein und stellt sich direkt in den Fokus der Produktion. In der Strophe lässt der Song enorm viel Platz für die Stimme und reduziert sich fast ausschließlich auf einen einfach gehaltenen Beat, das effektbehaftete Klavier und eben die Stimme. Im Chorus wird das ganze durch einen Off-Beat-Synth angedickt, was in Kombination mit einem Singalong “LaLaLa” doch recht zuverlässig für ein Kopfnicken sorgt.

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Mich erinnert der Song ein wenig an “Stressed Out” von Twenty One Pilots, was hier aber nicht als Kritik zu verstehen ist.

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Der zweite Song hört auf den Titel “BLAME IT ON THE KIDS”, spricht sich aber von der Message für das genaue Gegenteil aus. Es geht darum, dass man sich nicht vor den eigenen Fehlern verstecken sollte oder diese auf andere “Kids” abwälzt. Die Stimmung ist zunächst wieder sehr melancholisch. Im Chorus erwartet einen jedoch eine absolute Sound-Wand, was für eine starke Dynamik in dem Song sorgt.

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Auch “PSYCHO” hat wieder einen ähnlichen Ansatz: Zurückgenommene Strophe und eine sehr dichten Klangteppich im Chorus. Im Chorus hört man außerdem das erste Mal eine Gitarre auf dem Album, welche ebenfalls für den besagten dichten Klangteppich sorgt. Die Songstruktur entspricht generell der klassischen Pop-Struktur und da das von manch einem als Kritikpunkt angesehen wird: Ich ziehe einen gut geschriebenen Song, der sich an der Popstruktur orientiert, jedem schlechten Experiment vor.

“HUSHH” schaltet dann nochmal einen Gang zurück. Die Stimme bekommt in dem Song noch mehr Platz als zuvor, was zu einer sehr intimen Stimmung führt. Gleichzeitig schafft es die Phrasierung, den Song trotzdem abwechslungsreich zu gestalten. Manchmal ist weniger halt einfach mehr.

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Woher der Trend kommt, dass man sich an mancher Stelle die Vokale spart – ich weiß es nicht. Bei “BRN” fehlt auf jeden Fall ein “U” für die – Vorsichtig! Füße hoch, der kommt flach – Erleuchtung……………………………uff. Der Song ist dabei gemessen am Album wirklich ziemlich gitarrenlastig, was an dieser Stelle für eine gute Abwechslung sorgt.

Als nächstes kommen wir zu dem Song, den ich bereits in der Einleitung angesprochen hatte: “RABBIT HOLE”. Bevor ich die Bemusterung vor ein paar Tagen bekommen hatte, hatte ich den Track mit Sicherheit drei oder vier Monate nicht mehr gehört. Trotzdem hat mich die Nummer auch auf Anhieb wieder gecatcht.

Der extrem epische und fett produzierte Chorus, bei dem die Vocals von AViVA ausnahmsweise mal etwas in den Hintergrund rücken, hat eine Wucht und Energie, die ihresgleichen sucht. Für mich wohl der Favorit des Albums!

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“BLACKOUT” besinnt sich ähnlich wie “BRN” wieder etwas mehr auf die Gitarre, wobei für mich die Produktion der Gitarre an der Stelle leider etwas flach wirkt. Das sorgt dafür, dass der Song auf dem Album etwas verloren wirkt.

Entgegen des Titels ist “DROWN” von der Grundstimmung her erstmal ein Gute-Laune-Song. Die Lyrics beschäftigen sich jedoch mit dem Thema der Einsamkeit und wie man darin versinken kann. Ich bin ein großer Fan von Kontrapunktik, wie man es bei Filmmusik nennt, da die zunächst unpassend wirkende Kombination aus fröhlicher musikalischer Stimmung und der textlich ernsten Botschaft oft für einen unerwarteten Denkanstoß sorgen kann.

Der Song “STREETS” ist eine Mischung aus einer Strophe, die sich durch einen Hip-Hop-Beat und einer sehr rap-ähnlichen schnelle Phrasierung definiert und einem Chorus, der wieder eher einem sehr reduzierten Alternative Rock-Song zuzuschreiben wäre. Gerade die rap-ähnlichen Phrasierungen sorgen hier gegen Ende des Albums nochmal für einen frischen Impuls.

Mit “CEMENTRY” wird das Album zuletzt nochmal sehr melancholisch und mystisch. Letzteres kommt vermutlich durch den Einsatz eines Theremins, einem der wohl am schwersten zu lernenden Instrumente der Welt. Dazu ist der Beat den ganzen Song über sehr zurückhaltend und die Vocals zum Teil fast gehaucht.

Was eigentlich schon das Ende des Albums darstellt, wird noch durch einen Bonus Track erweitert. “DGAF” ist ein Song, dessen Titel ich als allererstes mal googlen musste. Ich zitiere:

“Don’t Give A Fuck

DGAF is a lifestyle. DGAF doesn’t mean that you don’t care about anything but getting fucked up… it simply means that you don’t give a fuck what people think of you. You do what you want because of you.

Just because you DGAF doesn’t mean you are an ignorant person who only cares about doing stupid things. To DGAF means you do what YOU want to do, regardless of other people’s asshole opinions.”

– Urban Dictionary

Und weil dieser Song das Ende eines Albums ist, bei dem ich schon wieder die Kommentare lese “Warum berichtet MoreCore.de denn jetzt über Pop!!!1!elf!”, nehme ich den Songtitel jetzt mal als Inspiration und nehme die Antwort vorweg: ”Because, I DGAF!”

Foto: AViVA / Offizielles Pressebild

AViVA auf Tour

Derzeit gibt es keine angekündigten Tourdates für AViVA. Sollte ein Termin fehlen, würden wir dich bitten, uns eine E-Mail an info@morecore.de zu schicken, damit wir diese hinzufügen können.

ALBUM
Volume I
Künstler: AViVA

Erscheinungsdatum: 19.06.2020
Genre: ,
Label:
Medium: CD

Tracklist:
  1. GRRRLS
  2. BLAME IT ON THE KIDS
  3. PSYCHO
  4. HUSHH
  5. BRN
  6. RABBIT HOLE
  7. BLACKOUT
  8. DROWN
  9. STREETS
  10. CEMETRY
AViVA Volume I
AViVA Volume I
7
FAZIT
AViVA schafft auf ihrem Album “Volume I” eine spannende Mischung aus Pop-, Alt-Rock- und Emo-Einflüssen, die an vielen Stellen wirkliches Ohrwurmpotential hat. Die Produktion ist dabei mit einem kleinen Schnitzer in “BLACKOUT” auf einem absoluten Top-Niveau und auch die visuelle Umsetzung fügt sich gut in das Gesamtbild ein. Vom Songwriting her hätte ich mir an der ein oder anderen Stelle etwas mehr Mut zum Experimentieren gewünscht. Da es sich hierbei aber um ein Debütalbum handelt, kann dies ein wenig vernachlässigt werden.

Ich denke, dass es legitim ist, sich beim ersten eigenen Werk, das auch noch in kompletter Eigenregie entstanden ist, größtenteils in der eigenen Komfortzone zu bewegen. Tourmäßig ist AViVA als Support von Yungblud, Don Broco, Tonight Alive und Poppy auch schon gut herumgekommen. In Deutschland ist sie aber mit Sicherheit noch ein absoluter Geheimtipp! Für Fans von den gerade genannten Künstlern, aber auch Künstlern wie Pvris, MISSIO oder Arrested Youth, ist AViVA daher bestimmt eine spannende Sache, die man auch in Zukunft auf dem Schirm haben sollte!