Review

PunkrockRock

Kritik: Antiheld - "Disturbia"

Helden kennen wir alle. Aber sind die nicht irgendwie langweilig? Ist nicht eher das genaue Gegenteil, der Gegenpart, der Antiheld ...

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Helden kennen wir alle. Aber sind die nicht irgendwie langweilig? Ist nicht eher das genaue Gegenteil, der Gegenpart, der Antiheld die Seite, die wirklich interessant ist? Mit ihrem dritten Studioalbum „Disturbia“ bringen die Stuttgarter eine Platte an den Start, die in düsterer Tristesse einer Pandemie geschrieben wurde. Ob die 13 Tracks auch genau so klingen, haben wir für euch herausgefunden.

Antiheld bringen die Schwere zurück

Begonnen wird mit dem Song „Sommer Unseres Lebens“. Auch wenn der Titel auf einen positiven Grundton schließen lässt, so ist der Track dennoch schwer und weniger positiv. Dabei trifft die tief gehende, eher gesprochene Strophe den Hörer unerwartet hart. Ihre offene, politische Haltung hat die Band dabei auch auf „Disturbia“ nicht verloren und prangert im ersten Song des Albums egoistische Lebensweisen an, während parallel Leid auf der Welt herrscht.

Darüber hinaus spricht die Band im Song „Standing In Line“ für freie Liebe und gegen die Institutionalisierung von Religion aus. Das Stück, das anfangs mit einem Piano und gerappten Strophen beginnt, wirkt anfangs sehr zerbrechlich. Der englisch gesungene Refrain verstärkt diesen Eindruck noch einmal. Nach einer plötzlich aufkommenden Sound-Explosion wird der Song deutlich treibender und vielschichtiger. Die Abwechslung, die dem Stück innewohnt, bringt eine Variabilität in die Musik, die erfrischend wirkt und trotzdem auf den Punkt genau trifft.

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Keine leichte Kost

Die persönliche Note der Jungs von Antiheld schwingt in jedem Song mit. Dennoch gibt es einige Highlight-Tracks, die noch einmal einen Schritt weiter gehen. Mit „Irgendwo Stirbt Grad Ein Kind“ schafft es die Band, beim Hörer ein Unbehagen zu erzeugen, das seines Gleichen sucht. Die Kälte, die von der Musik ausgeht, gepaart mit dem eingängigen Text, der den Hörer daran erinnert, nicht die wichtigen Dinge im Leben aus den Augen zu verlieren – das zündet!

Das „Wiegenlied“ geht noch einen Schritt weiter. Der längste Song des Albums verarbeitet den Verlust eines Freundes. Dabei ist der Text so persönlich und direkt gestaltet, dass es kaum Interpretationsspielraum gibt und der Kloß im Hals vorprogrammiert ist.

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Die Schwere, die alle Songs besitzen und die ihnen den notwendigen Druck verleiht, ist auch bei den eher rockigen Titeln, wie „My Only Friend“ spürbar, bei dem man als Hörer an Bands, wie die Rogers denken könnte.

Gleiche Vibes kommen beim Song „Alles Gute Für Den Winter“ auf, welcher ein Highlight des Albums darstellt, da er auf der einen Seite eingängig und massentauglich ist, auf der anderen Seite seinen Tiefgang nicht vernachlässigt. Auch der Song „Himmelblau“ wirkt trotz seiner poppigen Art dennoch nachdenklich. An dieser Stelle könnte die Band für das ein oder andere Ohr mit dem Background etwas über die Strenge schlagen.

Diese Fragen hätten wir noch

In der Mitte von „Disturbia“ stechen gleich zwei Titel ins Auge. So erhält der Song „Chaos“ mit „Chaos Intro“ einen eigenen Einleitungstrack. Zu hören ist eine sprechende Person, darüber liegt ein Filter, sodass es wie ein Telefonat wirkt. Auffallend ist die vulgäre Sprache, die insgesamt auf „Disturbia“ nicht vorzufinden ist. Im Hintergrund ist Musik zu erkennen, welche recht wild, bzw. chaosartig wirkt.

Der eigentliche Track „Chaos“ ist im Gegensatz zu vielen anderen Stücken des Albums ein eher gradliniger Rock-Song. Auch wenn der Track live eine Wucht sein wird, so wirkt er auf der Platte im Vergleich zu den restlichen Stücken eher dünn, wodurch die Frage aufkommt, weshalb genau dieser Song ein eigenes Intro erhalten hat.

Eine weitere Frage, die man sich stellen kann ist, weshalb bereits ein Großteil der Titel vor Veröffentlichung von „Disturbia“ released wurden. Mehr als die Hälfte der Stücke sind bereits vor der offiziellen Veröffentlichung verfügbar.

Foto: Robella Art Photography / Offizielles Pressebild

Antiheld Disturbia
8.5
FAZIT
Mit „Disturbia“ machen die Herren von Antiheld eine ganze Menge richtig. Die Songs gehen tief, besitzen eine besondere persönliche Note und sind vielseitig. Als Hörer sollte man sich allerdings darauf einstellen, dass die angesprochenen Themen durchaus schwer sind. Musik mit Tiefgang wird hier groß geschrieben. Es bleibt die Frage offen, weshalb der Song „Chaos“ ein eigenes Intro erhalten hat, ist er doch eigentlich einer der schwächeren Tracks auf einem Album mit sehr hohem Niveau.
/morecorede
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