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Story Of The Year: Zwischen Wut und Verletzlichkeit – wie „A.R.S.O.N.“ die Band neu entfacht

Ein neues Kapitel für die Band.

VON AM 14/03/2026

Mehr als zwei Jahrzehnte nach ihrem Durchbruch mit Page Avenue stehen Story of the Year erneut an einem Punkt, an dem alles nach Aufbruch klingt. Mit ihrem neuen Album A.R.S.O.N., kurz für “All Rage, Still Only Numb”, knüpfen die Post-Hardcore-Veteranen nicht nur an ihr letztes Werk Tear Me To Pieces an, sondern setzen gleichzeitig ein emotionales Statement: Wut, Zweifel, Hilflosigkeit und Hoffnung liegen näher beieinander, als man vielleicht denken würde.

Gitarrist Ryan Phillips beschreibt das Album als eine Art emotionales Spannungsfeld: „Der Titel stammt ursprünglich aus dem Opener Gasoline. Als die Platte fertig war, fühlte es sich einfach wie die perfekte Zusammenfassung an. Das Album bewegt sich wirklich zwischen purer Wut und Aggression auf der einen Seite und Gefühlen von Hilflosigkeit und innerem Kampf auf der anderen.“

Der nächste Schritt nach dem Neustart

Dass sich A.R.S.O.N. wie eine direkte Fortsetzung seines Vorgängers anfühlt, ist kein Zufall. Tear Me To Pieces markierte für die Band eine Art Neuanfang. Nicht nur musikalisch, sondern auch im kreativen Prozess.

Zum ersten Mal arbeiteten Story Of The Year damals intensiver mit externen Songwritern zusammen und entwickelten gemeinsam mit Produzent Colin Brittain eine völlig neue Arbeitsweise im Studio. Für Phillips fühlte sich der Start der neuen Sessions deshalb fast wie ein unmittelbarer Anschluss an das letzte Album an.

„Als wir mit A.R.S.O.N. angefangen haben, fühlte sich das fast wie der nächste Tag nach Tear Me To Pieces an“, erklärt er. Gleichzeitig sei die Band heute bereit, emotional noch weiter zu gehen: „Wir versuchen inzwischen, in unseren Texten verletzlicher zu sein und wirklich unsere Komfortzonen zu verlassen. Aber vieles davon lässt sich nicht erzwingen, es muss einfach passieren.“ Am Ende gehe es immer um dasselbe Ziel: Songs zu schreiben, die Menschen wirklich erreichen.

 

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Story Of The Year bleiben – ohne stehenzubleiben

Auch musikalisch wirkt A.R.S.O.N. kraftvoll, fokussiert und unverkennbar nach Story Of The Year, ohne dass die Band versucht, sich radikal neu zu erfinden. Für Phillips ist das allerdings kein strategischer Plan, sondern eher eine natürliche Konsequenz der Band-Dynamik. „Unser Ziel war einfach, Songs zu schreiben, an die wir glauben. Nichts war besonders kalkuliert.“

Ein entscheidender Faktor sei dabei vor allem Sänger Dan Marsala. Seine markante Stimme gebe der Band die Freiheit, musikalisch verschiedene Richtungen zu erkunden, ohne ihre Identität zu verlieren. „Egal, was wir musikalisch machen, sobald Dan anfängt zu singen, klingt es automatisch nach Story Of The Year.“

Weniger Studio-Tricks, mehr Bandgefühl

Auch produktionstechnisch hat sich die Band bewusst neu fokussiert. Während frühere Alben teilweise stark mit Synthesizern, Programmen und Studioeffekten arbeiteten, rückt A.R.S.O.N. wieder stärker das klassische Gefühl einer Rockband in den Mittelpunkt.

„Wir nutzen natürlich moderne Technik und alle Tools, die es gibt“, sagt Phillips. „Aber diesmal haben wir sogar bewusst einiges zurückgenommen, um mehr dieses Vier-Mann-Bandgefühl zu bekommen.“ Früher habe man manchmal Produktions-Tricks genutzt, um Songs spannender wirken zu lassen. Heute liege der Fokus stärker auf Substanz. „Ein wirklich guter Song braucht oft gar nicht all diese Extras.“

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Zwischen Experiment und Identität

Trotz dieser Rückbesinnung auf das Wesentliche erlaubt sich die Band weiterhin musikalische Experimente. Songs wie „Fall Away“ greifen beispielsweise Rap-inspirierte Elemente auf und erinnern stellenweise an die Nu-Metal-Einflüsse der frühen 2000er.

Für Phillips ist das ein wichtiger Teil des kreativen Prozesses: ausprobieren, ohne Angst davor zu haben, auch mal zu weit zu gehen. „Man muss sein Ego an der Tür lassen und einfach experimentieren. Manchmal funktioniert etwas nicht, aber das merkt man eben nur, wenn man es versucht.“

Gleichzeitig sieht er darin auch einen Vorteil gegenüber deutlich größeren Popstars: „Wir sind keine Arena-Band mit 50 Millionen monatlichen Spotify-Hörern. Künstler wie Taylor Swift müssen viel vorsichtiger sein, wenn sie kreative Risiken eingehen.“  Story Of The Year dagegen können sich diese Freiheit erlauben.

Eine Band, die wieder in Bewegung ist

Nach einer längeren Phase, die sich für die Band selbst wie eine Art halber Stillstand angefühlt hat, ist Story Of The Year inzwischen wieder voll im Rhythmus.

„Mit Tear Me To Pieces hat es sich fast so angefühlt, als würden wir die Band noch einmal komplett neu starten“, sagt Phillips. Seitdem tourt die Gruppe wieder konstant und arbeitet erneut wie eine Vollzeitband. Für ihn ist genau diese Beständigkeit heute eines der wichtigsten Ziele. „Ich möchte die nächsten zehn Jahre damit verbringen, weiter als Künstler und als Mensch zu wachsen.“  Dabei helfen vor allem die Menschen in seiner Band. „Ich habe großes Glück, mit Leuten zu spielen, auf die man sich wirklich verlassen kann.“

Europa im Blick – und besondere Erinnerungen an Deutschland

Auch Europa steht weiterhin auf der Wunschliste der Band, selbst wenn Touren dort organisatorisch und finanziell deutlich aufwendiger sind. „Europa ist für uns immer etwas kompliziert, weil es so teuer ist, dorthin zu kommen“, erklärt Phillips. „Aber wir arbeiten ständig daran.“

Die Motivation ist groß: Einige seiner liebsten Konzerte überhaupt habe die Band ausgerechnet hier erlebt. „Einige meiner Lieblingsshows meiner gesamten Karriere waren tatsächlich in Deutschland.“  Wenn es nach Story Of The Year geht, wird es also diesmal hoffentlich keine weiteren 15 Jahre dauern, bis sie wieder zurückkehren.

Eine ausführlichen Bericht über die Rückkehr der Band nach Deutschland im letzten Jahr könnt ihr hier lesen. Zur Plattenkritik geht es hier entlang!

Foto: Ryan Smith / Offizielles Pressebild

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